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Von der BDV wurde 2001 mit 38:4 Stimmen und 5 Enthaltungen beschlossen, eine Deutsche Meisterschaft für Frauen einzuführen. Die Landesverbände Rheinland-Pfalz und Nord hatten damals die Anträge eingebracht. Nach ein paar Terminproblemen und vielen Diskussionen über Anzahl der Teilnehmer, Modus usw. wurde beschlossen, die DM für Frauen im DPV-Rasterplan auf das Wochenende der 34. Woche zu legen. Die Teilnehmerzahl sollte gleich sein wie bei allen DMs um gleich von vornherein zu demonstrieren, dass die DM Frauen für den DPV die gleiche Wichtigkeit wie die anderen DMs hat.

Im Mutterland des Pétanque, in Frankreich, werden jährlich gleich zwei Frauenmeisterschaften (Doublette und Triplette) ausgetragen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Lizenzspielern mit über 3.400 einer Frauenquote von über 30 % hinter Frankreich (51.000), Spanien (6.000) und Holland (6.200) auf Platz 4. Auch in Spanien und Holland werden seit Jahren separate Meisterschaften für Frauen ausgetragen. Wir befinden uns also in guter Gesellschaft – Frankreich stellt den Europameister, Spanien den Weltmeister. Deshalb fand ich manche Diskussionen im Vorfeld an der Sache vorbei und ich verstehe auch nicht, warum manche „Spitzensportlerinnen” es unter Ihrer Würde fanden, anzutreten. Da könnte man fast auf den Gedanken kommen, Sie hätten Angst ohne ihre (männlichen) Triplette- und Doublettepartner sich dieser Herausforderung zu stellen.

[img:200:rechts]Doch jetzt zu Rockenhausen. Alle Teams waren rechtzeitig da, die Einschreibung klappte reibungslos. 108 Teams gingen an den Start. Das brachte es mit sich, dass in der 1. Poule-Runde 20 3er-Poules gespielt werden mußten. Zur offiziellen Begrüßung erschien der stellv. Bürgermeister von Rockenhausen, Herr Luxem, und als Vertreter des Sportbundes Pfalz Herr Paulus. Sein Erscheinen hatte zwei Gründe, zum einen unsere Deutsche Meisterschaft, zum anderen zwei Ehrungen, für die unsere DM den richtigen Rahmen bot. Evelyne Neumann erhielt für Ihre Verdienste die Bronzene Ehrennadel des Sportbundes Pfalz. Die zweite wurde posthum an ihren im Januar verstorbenen Mann Wolfgang, jahrelang Landespräsident und unermüdlicher Motor in Rockenhausen, ebenfalls an seine Frau übergeben.

Pünktlich um 11 Uhr schickte der Oberschiedsrichter Waldemar Dick die Teams ins Rennen. Das Gelände in Rockenhausen hat ja die unterschiedlichsten Böden – oben vor der Halle recht hart, unten alles von schnell und hart mit Buckeln bis tief und steinig, richtige „Äcker”. Und kein Platz ist eben, entweder geht es hoch und runter oder mit oder gegen die Schräge. Aber keine Angst, die Frauenteams hatten damit keine Probleme. Die männlichen Zuschauer konnten, vielmehr mußten, während der zwei Tage viele Vorurteile gegenüber den Frauen abbauen. Von wegen nur Legen. Von wegen nur Rugeln. Da wurde au fer geballert und nicht geraffelt. Da wurden Hochportées gezeigt, wenn es der Boden erforderte oder mit viel Gefühl angelegt, um weitere Punkte zu machen. Für mich ist das Gelände im alten Steinbruch einfach großartig, ein richtiger „Boule-Terrassen-Park”.

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Der zweite Poule war dann natürlich komplett besetzt und es wurde verbissen aber sehr fair gekämpft. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass die Frauen fairer miteinander umgingen und man seinem Gegner bei einer Niederlage wirklich von Herzen und ehrlich alles Gute für die weiteren Spiele wünschte. Es soll allerdings auch zwei Ausnahmen gegeben haben. Da vier Spiele bis in die Nacht andauerten, mussten diese Teams das Terrain wechseln und auf den beleuchteten Plätzen weiterspielen. Kurz vor 22 Uhr standen dann alle teilnehmer für das 16tel-Finale fest.

Sonntagmorgen, pünktlich um 9 Uhr Wiederanpfiff zur DM. Das erste Spiel am Sonntagmorgen ist ja immer das schwerste. Die ersten Überraschungen – manche Teams hatte man länger im Kampf um die vordersten Plätze erwartet.

[f]Hier alle Ergebnisse des 1/16-Finale auf einen Blick:[/f]

1. NRW 15 : Saar 5 13 : 04

2. BW 11 : Bay 2 12 : 13

3. NRW 18 : BW 32 11 : 13

4. Hess 4 : NRW 32 13 : 02

5. Saar 15 : BW 16 03 : 13

6. RhP 2 : NRW 6 13 : 10

7. BW 1 : Hess 11 10 : 13

8. Hess 1 : NRW 7 13 : 08

9. Saar 9 : BW 31 13 : 08

10. Saar 4 : NRW 20 12 : 13

11. BW 4 : BW 6 04 : 13

12. BW 5 : RhP 4 10 : 13

13. Saar 14 : BW 33 13 : 03

14. Saar 3 : BW 3 10 : 13

15. BW 8 : BW 9 10 : 13

16. BW 15 : RhP 1 13 : 05

[img:202:rechts]Ohne Pause ging es weiter ins Achtefinale.

Gnadenlos brannte die Sonne vom Himmel

und erforderte ein Höchstmaß an Konzentration

von den Spielerinnen. Langsam wurden unter

den Zuschauern die ersten Favoriten gehandelt.

Vor allem die vielen Pfälzer Zuschauer unter-

stützten die gelungenen Aktionen ihrer beiden

noch verbliebenen Teams lautstark, aber auch

die Gegner wurden fair mit Applaus bedacht

für gute Aktionen.

Hier alle die Paarungen und die Ergebnisse von [f]Achtel- und Viertelfinale:[/f]

1. Saar 9 : BW 9 (Rosita Nonat, Angelika labinsky) 13 : 12

2. Hess 4 : BW 15 (Relindis Pfisterer, Ursula Schröder) 13 : 11

3. BW 3 : RhP 2 (Carsta Glaser, Irmgard Georges) 13 : 02

4. BW 6 : BY 2 (Ute Menzel, Edith Nasser) 13 : 11

5. RhP 4 : Hess 11 (Bettina Kuntze, Jacqueline Brösdorf) 13 : 03

6. BW 32 : NRW 20 (R. Steneberg-Kreymann, Stranja Kischmeroff) 13 : 07

7. Saar 14 : BW 16 (Susanne Wieden, Mariola Stradinger) 13 : 09

8. Hess 1 : NRW 15 (Karin Voigtländer, Diane McPeak-Ferkinghof) 13 : 09

[f]1/4-Finale:[/f]

1. BW 6 : BW 3 (Adelheid Raab-Jung, Edith Neumeister) 13 : 04

2. RhP 4 : Hess 4 (Bärbel Nessel, Barbara Ritter) 13 : 03

3. Saar 14 : BW 32 (Rita Schneider, Edith Paulus) 13 : 06

4. Hess 1 : Saar 9 (Gaby Wolmeringer, Rosemarie Bastian) 13 : 05

[img:204:mitte]Für das Halbfinale hatten sich dann, und das war besonders nett, Teams aus 4 verschiedenen Landesverbänden qualifiziert. Wer gegen wen zu spiele hatte, durften die Teams per Los selbst ziehen. Carmen Schu von Saar 15 und Birgit Koch von Hessen 1 zogen die Lose für Terrain eins, Christine Negrelli Von RhP 4 und Indra Waldbüßer von BW 6 Terrain 2. Umsäumt von begeistert mitgehenden Zuschauern liefen die beiden Spiele nebeneinander in den extra abgesteckte Feldern. Die Hessen kamen in dieser Partie nicht richtig ins Spiel, fanden nie ganz den gewohnten Rhythmus und unterlagen den sehr konzentriert und schnörkellos spielenden Pfälzerinnen mit 10:13. In der zweiten Partie hatten Tanja und Carmen von den Pétanqufreunden Saarbrücken nach nunmehr sieben Spielen und der großen Hitze erste Konditionsschwierigkeiten. Indra und Susanne machten von Anfang an Druck, dann holten die Saarländerinnen auf, es wurde spannend. Aber zum Schluß setzte sich BW 6 mit 13:9 durch.

[f]1/2-Finale[/f]

1. BW 6 : Saar 14 (Carmen Schu, Tanja Westphal) 13 : 09

2. RhP 4 : Hessen 1 (Birgit Koch, Nicole Schulz) 13 : 10

[img:206:links]Für das Finale wurde extra ein Carée d’honneur angelegt, diesmal quer zur bis dahin gespielten Richtung. Per Münzentscheid konnte BW beginnen. Das extra für das Endspiel künstlerisch aufbereitete Cochonet wurde vom DPV-Präsidenten exact an der gewünschten Stelle platziert. Die ersten Aufnahmen waren noch geprägt von etwas Nervosität oder Vorsicht. Vier Aufnahmen Punkt für Punkt. Dann 3 Punkte für BW und ein 4:3 Vorsprung. Es folgte eine rabenschwarze Aufnahme für BW – ein unglücklicher Schuß und die Zielkugel liegt knapp an der Ein-Meter-Linie. Die Pfälzer haben noch 5 Kugleln – das müßte eigentlich ein Six-Pack geben. Aber irgendwie ist wahrscheinlich in den Köpfen der Spielerinennen nicht stark genug eingeprägt, dass erst an der Linie de perte eine Kugel ins Aus rollt. Die erste Kugel bleibt etwas zu kurz, aber bravourös spielen Christiane und Sabine auf diese Kugel und es steht 8:4 für sie. Christiane legt stark, Sabine überzeugt mit satten Eisentreffern. Susanne hat in dieser Phase des Spiels einige Probleme mit der ersten Kugel, so dass Indra nicht mehr genügend Schießkugeln hat, um den Siegeszug der beiden äußerst konzentriert Spielenden Damen der DFG-Ludwigshafen-Mannheim aufhalten zu können. Das Ergebnis von 13:8 ist deshalb keine Überraschung. Riesenjubel beim Publikum, die erste DM für Frauen wurde in Rheinland-Pfalz ausgetragen und ein Team des ausrichtenden LVs gewinnt!

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[f]Deutscher Meister Frauen Doublette: Christiane Negrelli und Sabine Amelung.

Vizemeister : Susanne Haas und Indra Waldbüßer[/f]

Rund 200 Zuschauer blieben bis zur Siegerehrung. DPV Präsident bedankte sich herzlich beim Ausrichter, den Boulefreunden le cochonet Rockenhausen, stellvertretend für alle Helfer beim Präsidenten Klaus Theobald. Zusammen mit Evelyn Neumann überreichte er Urkunden und Pokale an die Siegerinnen. Ein besonderer Dank auch an die Tournierleitung mit Steffen Moog und Peter Mitrücker, die jederzeit für die DM ansprechbar waren und am Samstag nebenbei das B-Turnier und ein Turnier für die vielen anwesenden Männer, denen es natürlich auch in den Fingerspitzen juckte, leiteten und am Sonntag nochmals ein Begleitturnier organisierten. Eine Teilnehmerin sagte mir: „Die Leute vom Verein sind so nett, die lesen einem die Wünsche von den Augen ab.” Ich glaube, viele haben das erfahren können und alle haben sich gefreut über die äußerst günstigen Preise bei einem großen Angebot an Speisen und Getränken. Da konnte ganz Deutschland seinen Gelüsten nachgehen: für alle südlich vom Main gabs Nudeln, für den Norden die Bratkartoffeln – und für beide die entsprechenden kulinarischen Ergänzungen. [f]Dankeschön an Rockenhausen! [/f]

[img:212:rechts]Dankeschön auch noch zum Schluß an die Schiedsrichter mit Waldemar Dick an der Spitze, unterstützt von Hugo Schneider und am Samstag von Laurenz Wiermer.

Ich bin mir sicher, dass wir im nächsten keine Blancs mehr brauchen. Und ich bin mir auch sicher, dass ich einige zukünftige Kaderspielerinnen in Rockenhausen gesehen habe.