Die Deutschen Pétanque-Meisterschaften 2019 stehen vor der Tür. Inzwischen sind es vier Disziplinen, in denen alle Lizenz-Spielerinnen und -Spieler im DPV um den Titel „Deutscher Meister“ kämpfen dürfen: Triplette (3:3), Doublette (2:2), Tête (1:1) und Doublette Mixte (f/m:f/m). Hinzu kommen die Disziplinen Triplette 55+ (3:3) für Spieler/innen älter als 54 Jahre, Triplette Frauen (3:3) ausschließlich für Spielerinnen – und zwei Tireur-Wettbewerbe (Präzisionsschießen), einer für beide Geschlechter und einer ausschließlich für Frauen. Last but not least hat auch die Jugend jedes Jahr ihre eigenen Deutschen Meisterschaften in den unterschiedlichen Altersklassen.

Die Teilnahmeberechtigung an Deutschen Meisterschaften erfolgt über Qualifikationsturniere in den 10 Landesverbänden des DPV. Hier müssen sich die Teams zunächst auf die vorderen Plätze kämpfen um ein Ticket zum Kampf um die nationale Krone zu lösen. Über 1.500 Pétanque-Sportlerinnen machen sich jedes Jahr auf den Weg zu Deutschen Meisterschaften – und das sind „nur“ die, die auch die Qualifikationen geschafft haben. Die Zahl derer, die über die Turniere in ihren Landesverbänden nicht hinausgekommen sind, ist vielfach höher.

Einer, der seit vielen Jahren immer dabei ist – und hoffentlich auch noch viele Jahre in der Zukunft – ist Alfons Schulze-Niehues. Und dies liegt nicht in erster Linie an seinem Ausnahmetalent im Umgang mit der Boule-Kugel, sondern viel mehr an der Tatsache, dass er der „Kopf“ des „DM-Teams“ im Deutschen Pétanque Verband ist. Diese Mannschaft wurde zusammengestellt um einen reibungslosen Ablauf aus fachsportlicher Sicht vor Ort zu gewährleisten. Als routinierte Turnierleitung sorgen sie dafür, dass Deutsche Meisterschaften nicht nur formal korrekt sondern auch zügig durchgeführt werden.

Im Interview mit der DPV-Redaktion beschreibt der Handwerksmeister, Jahrgang 1954, seit 2017 in Rente, seinen Blick auf Deutsche Meisterschaften  – und wo er noch Potenzial sieht, diese Events aufzuwerten.

 

 

DPV: Alfons, seit wann leitest Du mit dem DPV-DM-Team regelmäßig die Deutschen Meisterschaften?

ASN: Das DM-Team als feste Institution zur fachsportlichen Unterstützung von Deutschen Meisterschaften wurde 2010 ins Leben gerufen, nach meiner Erinnerung kam der Impuls hierzu von der damaligen DPV-Vizepräsidentin Johanna Brauch. Ich wurde im Jahr 2013, aufgrund meiner Erfahrung in der Leitung anderer Pétanque-Turniere, gefragt, ob ich hier mitmachen möchte – und habe gerne zugesagt. Das feste Team, das heute für die sportliche Begleitung der DM verantwortlich ist, gibt es in dieser Besetzung seit 2014. Bis auf einige altersbedingte Wechsel handelt es sich dabei um einen festen Kern, zu dem von Fall zu Fall noch Freiwillige hinzustoßen. Das sind zum Teil Helfer aus dem Kreis der Ausrichter, die sich auch gerne in den Folgejahren zur Verfügung stellen, wenn Deutsche Meisterschaften in ihrer Nähe stattfinden.

DPV: Wie gestaltet sich so ein DM-Wochenende für das DPV-Orga-Team?

ASN: Inzwischen sehr routiniert. Ich selbst treffe meistens bereits am Freitag-Mittag ein, so gegen 13.30 Uhr. In der Regel sind dann natürlich auch schon Helfer des ausrichtenden Vereines vor Ort. Das allermeiste Equipment des DPV habe ich im PKW dabei, manchmal brauche ich auch einen Kleinbus. Wir suchen dann den optimalen Platz für die Turnierleitung – nach Möglichkeit in der Nähe des Caterings, hier halten sich die meisten Teilnehmer zwischen den Partien auf. Ja, und dann wird halt der Pavillon, der Tisch und die Technik für die Turnierleitung aufgebaut.

Im weiteren Verlauf des Freitages stoßen dann die anderen Mitglieder des DM-Teams dazu – und inzwischen ist es eine Kleinigkeit, die verschiedenen Aufgaben zu verteilen, die wir zu erledigen haben. Das geht Ruck-Zuck: drei Leute kümmern sich um dies, drei Leute um das – wie gesagt, eine große Routine.

DPV: Was sind das für Aufgaben, die da verteilt werden?

ASN: Alles, womit die Ausrichter nichts zu tun haben: den Turnierleitungs-Platz einrichten, Banner aufhängen, anderes Werbematerial verteilen, die Einschreibung, Auslosung, Zuteilung der Bahnen, Ergebnis-Meldung mit ggfls. -Kontrolle, Eingabe der Daten, Verarbeitung, Veröffentlichung – von der ersten Poule-Runde bis zur Siegerehrung.

DPV: Viele regelmäßige DM-Teilnehmer bemerken positiv, dass die Meisterschaften immer „flotter“ durch das Wochenende gehen. Stimmt das? Und woran liegt es?

ASN: Ja natürlich, alles andere wäre ja auch verwunderlich, nach den vielen Prozessen in der Turnierleitung, die wir über die Jahre verbessert haben. Ich möchte fast nicht davon anfangen, dass inzwischen selbstverständlich die gesamte Turnierleitung elektronisch verläuft. Wir hatten noch bis vor ein paar Jahren magnetische Papptafeln mit den Logos der Landesverbände und den Startnummern der Teams, die wir von Hand neben- und untereinander auf einer Metallplatte angebracht haben, das dauert natürlich. Inzwischen ist diese Vorgehensweise durch einen großen Monitor ersetzt, auf denen nicht nur der LV und die Startnummer angezeigt werden, sondern auch die Namen der Sportlerinnen und Sportler, die in den einzelnen Teams antreten. So finden sich die Mannschaften deutlich schneller als früher, wo man sich die Startnummer merken musste und dann auf einer separaten Liste nachgeschaut hat, welche Personen denn hinter diesem Team stecken.

Eine weitere Beschleunigung bringt es natürlich, dass sich die Teams inzwischen bereits am Freitag-Abend, von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr einschreiben können, das war in der Vergangenheit erst am Samstag-Morgen möglich und hat natürlich auch Zeit verschlungen. Inzwischen würde ich schätzen, dass rund 80% der Teams am Samstag-Morgen bereits eingeschrieben sind.

Weiterhin ist es so, dass wir die Begegnungen nach den Poule-Runden ebenfalls bereits Freitags auslosen. Das heißt: von den vier Teams aus einem Poule schaffen es zwei in die nächste KO-Runde der DM, die beiden anderen kämpfen (so sie denn möchten) im Begleit-Turnier (B-Turnier) um den ersten Platz. Wir wissen also schon am Samstag-Mittag, welche Sieger aus den Poule in der ersten KO-Runde der DM gegeneinander antreten – und welche Teams im B-Turnier gegeneinander spielen. Das beschleunigt den Ablauf erheblich. Die Auslosung am Freitag-Abend ist natürlich blitzsauber dokumentiert, falls einmal jemand Zweifel an der Richtigkeit haben sollte.

Und nicht zuletzt ist es natürlich die große Routine, die das eingespielt DM-Team mitbringt und so dafür sorgt, dass alles – wie Du eben sagtest – „flotter“ über die Bühne geht.

DPV: Inwiefern ist eine Deutsche Meisterschaft mit mehr Aufwand für die Ausrichter verbunden, als ein „ganz normales“ Turnier?

ASN: Zunächst mal ist es ganz klar so, dass eine DM über drei Tage geht – das ist schon ein wesentlicher Unterschied. Nicht nur das DM-Teams sondern auch ein Großteil der Sportler/innen treffen bereits Freitag-Nachmittags bis -Abends ein. Hier muss dann das Gelände schon entsprechend fertig präpariert sein und es sollten auch schon Speisen und Getränke angeboten werden. Die Helfer in den ausrichtenden Vereinen haben also – anders als bei eigenen Turnieren von 7:30 Uhr bis 19:30 Uhr – von Freitag-Nachmittag bis Sonntag-Nachmittag zu tun. Dem gegenüber steht natürlich die Unterstützung des DPV-DM-Teams, die gewährleistet, dass man sich vor Ort um sonst nichts selbst kümmern muss. Trotzdem sind die drei Tage am Stück für viele Vereine eine Hemmschwelle, eine DM auszurichten. Dabei ist es interessant zu beobachten, dass gerade Vereine, die einmal eine DM zu Gast hatten, sich in der Folge immer wieder um die Ausrichtung bewerben. Tromm ist hier ein schönes Beispiel, Schüttorf, Mülheim an der Ruhr – da gibt es einige. Denn grundsätzlich ist eine Deutsche Meisterschaft natürlich auch ein Renomée-Stück für die ausrichtenden Vereine. Das Event hat eine Menge Potenzial, den eigenen Club, den Pétanque-Sport und das Boule-Spiel als Breitensport im Umfeld der Vereine bekannter zu machen.

Eine weitere Hemmschwelle sind die 64 Wettkampf-Felder, die zur Verfügung gestellt werden müssen – soviel Platz haben die wenigsten Boule-Clubs in Deutschland. Aber die Regel Nr. 1 bei unserem Sport lautet: Pétanque wird auf jedem Boden gespielt. Es ist also auch kein Hexenwerk, zumindest vorübergehend eine ausreichende Menge an Bahnen zur Verfügung zu stellen. Diefflen im Saarland ist hier ein schönes Beispiel, wo zu einer DM einfach Nebenwege um den Spielort gesperrt und ein wenig Kies verteilt wurde – fertig waren die Bahnen. Der FC Schüttorf macht das in Niedersachsen auch beispielhaft. Bei den Deutschen Meisterschaften die hier – fast schon regelmäßig – ausgerichtet werden, wird einfach ein großer Parkplatz abgesperrt und zu Wettkampfbahnen umfunktioniert.

Der Phantasie sind hier also keine Grenzen gesetzt. Ein weiteres schönes Beispiel, ausreichend Spielflächen zur Verfügung zu stellen, werden wir in diesem Jahr in Bad Pyrmont erleben. Hier hat der ausrichtende Verein die DM Triplette in den Kurpark verlegt. Ein wunderschönes Ambiente mit jeder Menge Zuschauern – das ist eine tolle Aktion. Natürlich mit dem entsprechenden Aufwand verbunden, aber mit Sicherheit eine ganz tolle und lebendige Visitenkarte für unseren Sport.

DPV: Im Verlaufe einer DM kommt es doch sicher auch einmal zu witzigen Gelegenheiten, gibt es eine Anekdote, die Dir da besonders in Erinnerung ist?

ASN: Da gibt es eine ganze Menge (lacht)! Aber am meisten ist mir ein Spieler in Halle an der Saale in Erinnerung geblieben. Der hatte tatsächlich ziemlich spektakulär mit seinem Team eine nominell deutlich stärkere Mannschaft geschlagen und stand nun „stolz wie Oskar“ bei der Turnierleitung, um das Ergebnis zu melden. Dazu kam er aber gar nicht, weil in diesem Augenblick sein Smartphone piepste und er eine Gratulation per Kurznachricht von seinen Leuten zuhause zu eben diesem Sieg bekam. Das Gesicht werde ich niemals vergessen.

Hintergrund dieser Anekdote ist der, dass natürlich alle gemeldeten Ergebnisse einer DM-Partie sofort live auf der Homepage der Deutschen Pétanque Meisterschaften erscheinen. Und dieser Sieg war so spektakulär (Stichwort: Favoritensterben), dass ein Schiedsrichter bereits bei der Turnierleitung war und das Ergebnis durchgegeben hat. Anstatt, dass der Spieler also bei uns stolz verkünden konnte: „Ihr werdet es nicht glauben, aber …“ wusste bereits ganz Deutschland, dass er gewonnen hatte.

DPV: Lieber Alfons, es ist schön, mit welcher Leidenschaft und Freude Du von Deiner und der Arbeit des DM-Teams berichtet. Aber: gibt es auch Punkte, die Du verbesserungswürdig findest.

ASN: Wenn es etwas zu verbessern gäbe, hätten wir das längst getan. (lacht wieder) Spaß beiseite!

Natürlich wäre es schön, wenn wir z.B. den Ausrichtern als DPV Spielstandanzeiger für jede Bahn zur Verfügung stellen könnten. Das scheitert aber u.a. daran, dass ich jetzt schon meist mit einem Kleinbus unterwegs bin um das ganze Equipment zu transportieren, wenn da noch Sachen hinzu kommen, brauchen wir bald einen 7,5-Tonner. Denn Spielstandanzeiger sind ja nicht die einzige sinnvolle Ergänzung. Ein Sound-System, mit dem man wirklich jedes Spielfeld akustisch erreicht, wäre toll – manche Ausrichter haben sowas. Aber das kostet viel Geld, müsste ebenfalls transportiert und  außerdem natürlich gepflegt und gewartet werden – da haben wir schon mit dem bestehenden technischen Equipment genug Aufwand. Ja, und nicht zuletzt wäre es natürlich toll, jeweils an den Spielfeldern ab den Halbfinal-Partien Tribünen zu haben, damit alle vernünftig zuschauen können. Ganz abgesehen davon, dass das den professionellen Charakter unserer Deutschen Meisterschaften wesentlich unterstützen würde. Soll ich noch weiter machen, oder reichen Dir diese Antworten erstmal?

DPV: Danke Alfons, man spürt deutlich, dass Du auch eine wesentlich längere Liste im Angebot hättest. Möchtest Du abschließend noch etwas los werden, was vielleicht noch nicht gefragt wurde?

ASN: Na ja, vielleicht könnte ich die Gelegenheit hier nochmal für einen kleinen Aufruf an die Vereine im DPV nutzen. Es wäre wirklich schön, wenn sich noch viel mehr Klubs trauen würden, eine Deutsche Meisterschaft auszurichten. Der Aufwand ist – wie beschrieben – nicht deutlich höher, als bei einem eigenen Turnier. Das, was an Mehraufwand jenseits der Turnierleitung anfällt, wird durch die Unterstützung des DM-Teams im fachsportlichen Bereich sehr gut kompensiert. Und an dieser Stelle nochmal der Hinweis: bis jetzt habe ich keinen Verein erlebt, der eine DM ausgerichtet hat und anschließend meinte: „Um Gottes Willen, nie wieder!“ Im Gegenteil, der Trend geht dahin, dass sich immer dieselben Ausrichter um eine DM bewerben. Insofern wäre der Mut derer, denen selbiger bis jetzt gefehlt hat, auch ein schönes Instrument für mehr Vielfalt im Spitzensport des Deutschen Pétanque Verbandes.

DPV: Ein schönes Schlusswort, lieber Alfons, wir danken für Deine Zeit und wünsche Euch als Team weiterhin ein gutes Händchen.

Am Freitag, dem 15. März 2019 trafen sich die Bundestrainerin Stefanie Schwarzbach und ihr Kollege Horst Hein zu einem Trainingswochenende mit der Deutschen Pétanque Jugend. Den Vorabend verbrachte die Gruppe in einem Neusser Hotel zur Bekanntgabe und Koordination der Termine, die unsere jungen Kaderspieler in diesem Jahr erwarten. Anschließend ging es zum Burger-Abendessen und von dort aus zurück ins Hotel – ab 22:00 Uhr war Nachtruhe vereinbart.

Die Jugendlichen mit den Bundestrainern beim Kadertraining in der Düsseldorfer Boulehalle.

Der Samstagvormittag begann in der Düsseldorfer Boulehalle mit getrennten Trainingsinhalten für die weibliche und männliche Jugend. 

Unter der Leitung von Stefanie Schwarzbach stand für die Mädchen ein Techniktraining in Sachen Portée auf dem Programm. Gemeinsame wurde am Bewegungsablauf gearbeitet, Unterstützung fanden hier alle Teilnehmerinnen durch Zeitlupen-Videos der eigenen Bewegung, die gewissenhaft ausgewertet wurden und als Grundlage zu Korrekturen dienten. Abgerundet wurde diese Trainingseinheit durch 4 Ateliers, die mit den bekannten Bewertungsbogen dokumentiert wurden. 

Für die Jungen standen zeitgleich Tête à Tête-Partien an, in denen sie selbst und der Bundestrainer Horst Hein ihr Spielvermögen und taktisches Verständnis direkt vergleichen konnten. Nach 4 Runden à 30 Minuten entstand ein kleines Ranking. Neben taktischer Unterstützung  gab es von Horst Hein nach jeder Spielrunde eine umfassende Analyse und weiteres Feedback.

Teambuilding und Formationstraining waren Schwerpunkte des Nachmittags. In 5 Spielrunden  wurden alle Teilnehmer/innen durch ihren Einsatz in unterschiedlichen Mannschaftsaufstellungen und auf unterschiedlichen Positionen, begleitet von taktischen Anweisungen, ordentlich gefordert. Parallel hierzu fand ein Tir de Précision statt, in dem jeweils 3 Spieler/innen gleichzeitig konzentriert bestätigen mussten. 

Ausgeprägtes Aufwärmen vor dem Training ist für das Kader der Deutschen Pétanque Jugend eine Selbstverständlichkeit.

Der Sonntag wurde für Tiplette-Partien genutzt, bei den Jungen hatten die Teams jeweils einen Auswechselspieler, die Mädchen waren insgesamt nur zu sechst. Diese Begegnungen waren vor allem für die nominierten Teams zur Teilnahme an den internationalen Begegnungen in Valence und Kayl eine prägende Vorbereitung. 

Nominiert wurden schließlich folgende Spieler/innen als Teams:

Valence
Team 1  Justin Neu / Fabio Trampler / Quentin Nitsch
Team 2  Tatjana Löffler / Silvana Lichte / Mercedes Lehner

Kayl
Team 1  Levi Pfeffinger / Gabriel Huber / Dominik Klar
Team 2  Sarah Caliebe / Silvana Lichte / Chalisa Klein 

Deutsch-Französischer Jugendaustausch
Svenja Bauer, Celine Grauer, Sarah Caliebe, 
Mercedes Lehner, Silvana Lichte, Sophie Maaß
Leander Becker, Justin Neu, Gabriel Huber, 
Louis Strifler, Quentin Nitsch, Björn Schwortschik

Signale für einen Wandel im DPV gingen nicht nur von dem im Vorfeld kleingeredeten Länderpokal 55+ aus, dessen Premiere zu einem solchen Erfolg wurde, dass die Sportler/innen der teilnehmenden Landesverbände die nächste Auflage nicht erwarten können. Von den „Alten“ war die Rede, von „Ausgrenzung“ und „Respektlosigkeit“. Im Ergebnis war es eine Verbeugung vor den Legenden des Deutschen Pétanque-Sports, ein Aufeinandertreffen von Routiniers, das unter sportlichen Aspekten hinter keinem sportlichen Großereignis im DPV zurücksteht.

v.l.n.r.: Schneider, Jacobs, Jochum

Legenden im Sportbetrieb des DPV sind auch die langjährigen Vorstandsmitglieder im Landesverband Saar, Ralf Schneider, Volker Jacobs und Harald Jochum. Die Wenigsten wissen, wie sehr der Präsident, Vize-Präsident und der Schatzmeister aus dem kleinen Landesverband mit der großen Nähe zum Pétanque-Mutterland Frankreich in über 25 vergangenen Jahren der Geschichte des DPV, diese beeinflusst haben. Ein Großteil des Regelwerks im Deutschen Pétanque wurde in dieser Sterne-Küche zubereitet und als das serviert, was heute Grundlage unserer Wettbewerbe ist.

Verantwortung in jungen Händen: Maurice Racz

Alle drei zogen sich auf dem letzten Verbandstag im Saarland zurück und übergaben den Staffelstab an Nachfolger, die näher an den u.a. durch Internet und Social Media beeinflussten Herausforderungen, die solche Ämter mitbringen, dran sind. Der DPV wünscht dem neuen Team unter der Leitung von Christoph Maurer ein glückliches Händchen und viel Erfolg. Gallionsfigur in der Verjüngung des Vorstandes hier ist mit Sicherheit der Espoirs-Spieler Maurice Racz, der als neuer Jugendwart im Saarland bereit ist, den großen Herausforderung in diesem Amt gerecht zu werden.

Ein weiterer Blick in die Landesverbände geht nach Hessen. Hier wurde – nach Elisabeth Kamrad in Baden-Württemberg – eine weitere Frau zur Präsidentin gewählt. Claudia Auer wird ab sofort die Entwicklung hier hauptverantwortlich begleiten – auch ihr gelten die gedrückten Daumen aus dem DPV-Vorstand.

Frauenpower an den LV-Spitzen: Elisabeth Kamrad und Claudia Auer.

Ein Wermutstropfen in diesen Erfolgsmeldungen kommt aus dem Landesverband Rheinland-Pfalz. Trotz hervorragender Zahlen und beeindruckender Bilanz in Sachen Projektmanagement – insbesondere bei der Breitensportentwicklung – konnte hier nur lückenhaft ein neuer Vorstand ab 2019 motiviert werden. Nach dem Rücktritt des Präsidenten und weiterer Vorstandspositionen, konnten nicht alle Ämter lückenlos neu besetzt werden. Der DPV sagt hier jegliche Unterstützung zu, die dabei helfen kann, die Dynamik dieses Landesverbandes nicht durch fehlende Köpfe auszubremsen.

 

Hallo liebe Sportfreunde,

anbei findet ihr den Spielplan für die Bundesliga-Saison 2019.

Bitte merkt euch schon jetzt die Termine vor und besucht die Spieltage. Die teilnehmenden Mannschaften freuen sich sehr über Zuschauer und Fans und die Ausrichter geben sich viel Mühe für die Gastmannschaften und die Zuschauer ein großes Angebot an Speisen und Getränken anzubieten. Also lasst euch ein solches Event in eurer Nähe nicht entgehen.

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Vom 1. bis 3. März 2019 nahm eine DPV-Nationalmannschaft bestehend aus André Skiba, Jannik Schaake und Sascha Koch in Begleitung von DPV-Coach Sebastian Lechner am hochkarätig besetzten „International de Sète“ in Süd-Frankreich teil. Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes „Supra-National“, limitiert auf 512 Triplette-Mannschaften, eine Teilnahme ist nur nach Voranmeldung möglich. Ein Sammelbecken von Top-Spielern aus dem Mutterland des Pétanque – hier entsprechen die sportlichen Herausforderungen für die deutsche Equipe schon ab der ersten Partie einem Finale bei heimischen großen Turnieren.

Auf dem Place Stalingrad mitten in Sête verlor das deutsche Team um Sascha Koch in der Runde der letzten 256.
Wer jetzt aber annehmen würde, dass das wohl zu erwarten war, den belehrte die Mannschaft doch eines Besseren.
Den Poule absolvierten sie in herausragender Manier. 2 Spiele, 2 Siege – das war nach jeweils hohen Rückständen das Ticket für die KO-Runde.
 
Und wer da denken möchte, dass dies gegen No-Names geschah, sei wiederum eines Besseren belehrt. Einer der Gegner erreichte das Sechzehntelfinale, der andere sogar das Achtelfinale.
 
Nach der Mittagspause kam es zum Showdown gegen eine „très bonne équipe“ aus Montpellier, deren Tireur ausser einem Loch Carreaux am laufenden Band schoss. Die Deutschen hielten nervenstark und ebenso technisch versiert dagegen. Hier ist an erster Stelle André Skiba zu erwähnen, der Neuling auf diesem Parkett, dessen Coolness wohl so nicht zu erwarten war. Über die Fähigkeiten eines Sascha Koch oder Jannick Schaake erübrigt sich eine Einordnung. Nach einer Stunde und vierzig Minuten musste man sich denkbar knapp gegen die „Montpellieraner“ mit 12:13 geschlagen geben.
 
Mit ein klein wenig mehr Losglück wäre in diesem Jahr wohl mehr drin gewesen bei diesem „Internationalen“ Turnier, das mal wieder mit tollen Namen (Henry Lacroix, Christian Fazzino, Tyson Molinas, Dylan Rocher usw.) aufwarten konnte.
 
Die DPV-Nationalmannschaft hat allerdings – mal wieder – eine beeindruckende Visitenkarte hinterlassen. Die Zeiten, in denen man sich bei den großen Turnieren in Frankreich „freute“ als nächste Gegner „nur“ ein deutsches Team zu haben, sind definitiv vorbei.
 
Im Finale unterlag das Top-Team Dubois, Fazzino und Molinas dem französischen Espoirs-Team Desport, Balliere und Monros mit 5:13. Technisches Fanny nach 5:0 für das Team Fazzino inklusive – der Altmeister in dieser Partie absolut chancenlos.
 
Team Fazzino handelte sich noch kurz vor Schluß in diesem Spiel eine gelbe Karte ein, weil sie während der letzten drei gespielten Kugeln des Gegners ihre eigenen, die weit verstreut hinten lagen, einsammelten. In vergangenen Zeiten wurde bei gleicher Gelegenheit charmant über so etwas hinweg gesehen (nach dem Motto: geschenkt). Heute ist das aber eben nicht mehr erlaubt.
 
Text mit freundlicher Unterstützung durch Klaus Tröstrum, Frontignan, Frankreich.

Die Premiere des DPV-Länderpokals 55+ ist Geschichte – und mit ihm in die entsprechenden Bücher wandert der Landesfachverband Pétanque Nord, dessen Teams hier den allerersten Titel erkämpfen konnten. Es war nicht unumstritten, einen Wettbewerb für „die Alten“, wie sie an mancher Stelle despektierlich genannt wurden, losgelöst vom traditionellen Länderpokal durchzuführen. Im Rückblick war die Entscheidung dafür goldrichtig, dieses Turnier ist eine echte Bereicherung im sportlichen Jahr des DPV.

Was steckt dahinter, dass die Teilnehmer/innen dieses Wettkampf-Wochenende als besonders „erfrischend“, „spannend“ und „unterhaltsam“ beschreiben? Eine erste Einschätzung: weil man „unter sich“ war. Es treffen nun einmal soziale (im Sinne davon, wie wir sozialisiert werden) Welten aufeinander, wenn Menschen, die jünger als 30 Jahre sind auf Menschen treffen, die älter als 50 Jahre sind.

Erstgenannte können mit Begriffen wie „Uriah Heep“ oder „Bandsalat“ nichts anfangen, genauso sprengt es ihre Vorstellungskraft, dass man sich beeilen muss, weil um 18.30 Uhr die Geschäfte schließen. Letztgenannte denken bei „Bass Sultan Hengzt“ an Pferdezucht, verstehen nicht, warum sich jemand für ein Foto von ihrem Mittagessen interessieren sollte und erinnern sich beim Begriff „vorglühen“ vor allen Dingen an den alten Diesel, den sie mal in den 80ern gefahren haben.

Ehrung auch für die Top-Leistung der Schiedsrichter

Man war hier „unter sich“. Anders als bei Deutschen Meisterschaften oder dem traditionellen Länderpokal (an dem ja auch die Generation 55+ bis ins hohe Alter teilnehmen darf), läuft man keinen Slalom zwischen überwiegend eher Fremden, bis man mal auf alte Bekannte trifft. Hier laufen fast ausschließlich „alte Bekannte“ herum. Es ist wie ein Klassentreffen. Und es wäre sicher abendfüllend, darüber zu sprechen, wie viele „alte Rechnungen“ hier hätten beglichen werden können – vielleicht auch beglichen wurden. Die „Fanny“ aus den 90ern, die knappe Niederlage, weil es in Groß-Gerau 1987 plötzlich anfing Hunde und Katzen zu regnen. Doch: sie waren auch spannend, die endlose Monologe in geselligen, übersichtlicheren Runden, nach den Wettbewerben. Kleinste Details über einzelne Aufnahmen à la „…wir hatten dann zwar erstmal vier am Boden, aber Francesco hatte noch zwei und Ronny musste damals mit seiner Letzten…“. Und wirklich nein: niemandem wurde dabei langweilig.

Top-Leistung bei der Verpflegung – Ehrung der Chefin.

Aber es war auch keine „Kaffee-Fahrt für lahmende „Ex-Carreau-Garanten“. Im Gegenteil. Unter sportlichen Aspekten, sowohl, was die technischen Fähigkeiten angeht aber insbesondere auch das taktische Kalkül, stand dieser Länderpokal den anderen nationalen Wettbewerben in nichts nach. Legendär eine Aufnahme des Teams 55+ aus dem Saarland: Rosario Italia, Jaques Wolf, Sylvain Haritonidis und Uwe Pitz, die sich mit einem lupenreinen „Royal“ aus einem Rückstand gegen BaWü rausballerten. Sechs krachende Carreaux auf die jeweils gelegten Kugeln der Gegner. Am Ende war es keine Überraschung, dass diese Mannschaft mit 8:1 Siegen (lediglich gegen NRW wurde das Spiel verloren) sich die Medaille als bestes Team dieser Kategorie bei der Siegerehrung am Sonntag-Nachmittag umhängen lassen durfte.

Bestes Team in der Kategorie 55+: Saarland

Besonders beeindruckend für außenstehende Betrachter: die Metamorphose der Damen-Teams. Natürlich kennt man sich hier auch, natürlich hat frau sich viel zu erzählen und es wird viel gelacht, aber… Spätestens mit dem ersten Wurf der Zielkugel im Wettkampf gegeneinander ist „Schluss mit Lustig“. Das waren eine ganze Menge beeindruckender Partien, in denen hochkonzentriert, den Herren in Technik und Taktik in Nichts nachstehend, Punkt für Punkt erkämpft wurde. Da hatten dann die drei Damen des einen Teams mit den Dreien des anderen Teams nichts mehr am Hut. Erst mit dem Handschlag nach Sieg oder Niederlage löste sich für die einen die Anspannung etwas schneller, für die anderen etwas langsamer. Und dann konnte man auch wieder zusammensitzen und hatte eine brandneue Partie, die es zu diskutieren galt.

Bestes Damen-Team: Bayern

Ein letzter Punkt, der im Zusammenhang mit dem DPV-Länderpokal 55+ auffällig ist: man begegnet sich mit viel mehr Respekt als auf anderen Veranstaltungen. Treffen bei Deutschen Meisterschaften die „Cracks“ auf ein Team, das vielleicht zum ersten Mal die Qualifikation geschafft hat, werden die weggebügelt und man trollt sich. Hier, in diesem Wettkampf, war es insbesondere das Team 65+ des Landesverbandes Ost, das zum allerersten Mal überhaupt an einem großen Turnier teilgenommen hat. 1:8 in Spielen hieß es am Ende für diese Mannschaft. War das nicht frustrierend? „Nein!“, lautete die Antwort. Im Gegenteil, es waren nach deren Aussage die tollsten zwei Tage, die die Herren in ihrer jungen Pétanque-Karriere erlebt haben. So viele tolle Gegner, so viele gute Tipps, so spannende Gespräche und Geschichten – es war ein Ausflug in die höchsten sportlichen Sphären des organisierten Wettkampfs im DPV.

Bestes Team in der Kategorie 65+: Nord

Für alle Anwesenden war es ein Gang durch die lebendigen Archive des Deutschen Pétanque-Sports. Rund 100 aktive Teilnehmer/innen, die über 2000 Jahre Erfahrung und Erinnerung des DPV repräsentieren. Es war das aufgeschlagene Geschichtsbuch des Nationalverbandes – und der vorläufig letzte Eintrag dort lautet: „2019: Team Nord wird Sieger des 1. DPV-Länderpokals 55+“!

Die Pokal-Übergabe im Video:

Platz 3 in der Gesamtwertung: Bayern

Platz 2 in der Gesamtwertung: Hessen

So sehen Sieger aus! 1. Platz beim 1. DPV-Länderpokal 55+: Team Nord

Die rundherum gelungene Premiere eines neuen DPV-Wettbewerbs ist beendet – hier alle Ergebnisse des Wochenendes:

Die abschließende Tabelle zum 1. DPV-Länderpokal 55+

 

Die Team-Wertung der 55+ Mannschaften

Die Team-Wertung der 65+ Mannschaften

Die Team-Wertung der Damen

Die Ergebnisse der letzten drei Runden am zweiten Tag.

In Runde 6 trafen Hessen und Berlin aufeinander. Während letztere schon eher auf dem Weg in die untere Hälfte der Tabelle waren, konnte Hessen noch auf einen Gesamtsieg hoffen. Zu verschenken hatten die Berliner trotzdem nichts. Das Triplette 55+ gewannen die Hessen mit 13:5, in der Begegnung 65+ wurde ein 13:11 hart erkämpft – und die Frauen-Mannschaft der Hessen musste sich sogar mit 3:13 geschlagen geben. 2:1 hieß es nach der Runde für Hessen.

Saar gegen Ost schien eine klare Sache zu werden, aber auch hier durfte das Fell des Bären nicht verteilt werden, bevor er erlegt ist. Sowohl das 13:10 der Gastgeber war hart zu erkämpfen, als auch das 13:11 der Damen. Beim 13:5 gegen das 65+ Team war die Sache schon deutlicher. 3:0 also am Ende dieser Runde für das Saarland.

Das Team Nord durfte sich ebenfalls auf Titelkurs wähnen, während Niedersachsen schon ein paar Federn gelassen hatte. Diese Mannschaften begegneten sich ebenfalls auf Augenhöhe – 13:12 siegte Nord beim 55+, 13:10 ging die Begegnung der Damen an die Niedersachsen. Erst im entscheidenden 65+ konnte Nord dominieren und holte mit 13:4 den sicheren 2:1-Sieg.

NRW traf auf Baden-Württemberg – und umgekehrt. Auch hier trafen sich die Teams auf Augenhöhe, entsprechend knapp die Ergebnisse. 13:11 hieß es für NRW nach dem 55+, ebenfalls 13:11 endete es zwischen den 65+ Mannschaften, die NRW-Frauen mussten sich hingegen mit 12:13 geschlagen geben – ein glücklicher 2:1-Sieg ging also an NRW.

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