30. Bol d′Or in Genf am 21./22.02.04

Sascha von Pless, Sascha Koch, Kim Rieger, Kamel Bourouba erreichen 14. Platz

[img:385:links]Zum 2. mal erhielt der DPV eine Einladung zum Bol d′Or in Genf, dem Turnier, bei dem die weltweit besten Teams mit dabei sind und das an alle Teilnehmer die höchsten Anforderungen stellt. Da ist zum einen der Modus: 24 geladene Team spielen nach Zeit jeder gegen jeden. Das ergibt 23 Spiele a 40 Minuten innerhalb von 24 Stunden. Ein echter Härtetest, der von jedem Teilnehmer höchste Konzentration und Kondition abverlangt. Jedes Team besteht aus 4 Spielern, die nach jeder Begegnung, aber nicht während einer Begegnung, wechseln können.

[img:399:rechts]Hier ein Blick auf das Teilnehmerfeld: Der amtierende Weltmeister, das Team Foyot, die Sieger 2002, dia Nationalteams aus Belgien, Spanien, Madagaskar, Schweiz, Tunesien, Teams aus den Departements Ain, Allier, Jura, aus den angrenzenden Kantonen und aus LLança/Costa Brava, Millau, Ascan, Gaillard, Sardagne, Saint-Julien, Genf und dem Team der Organisation. Also ein Stelldichein der Weltmeister und nationalen Meister mit, wie ich meine, Kultcharakter. Genf darf man in der Schweiz schon als Hochburg des Pétanque bezeichnen. In 5 Hallen wird den ganzen Winter über gespielt.

[img:391:rechts]Vorneweg kann ich sagen, dass sich unser Team hervorragend präsentiert hat. Sascha von Pleß, der in den meisten Partien als Leger spielte, setzte die Gegner unter Druck und war so ein sicherer Rückhalt im Team. Auch wenn er mit der letzten Kugel zu schießen hatte, was bei allen Partien immer wieder vorkam, erfüllte er diese Aufgabe fast immer. Kamel Bourouba spielte auf allen Positionen sehr sicher; als Leger druckvoll, als Millieu konnte er viele entscheidende Kugeln bringen, als Tireur mit hoher Trefferquote. Kim Rieger spielte vor allem als Tireur oder Leger. Er war gehandicapt, weil seine Brille kaputt war und die Linsen ihm eineige Tränen kosteten. Aber vielleicht brachten seine gefühlvollen Schüsse viele Careaux. Sasch Koch spielte meistens als Milieu und glänzte beim Schießen mit ganzen Serien von Treffern oder es gab eine Loch-Careau-Kombintion. Seine Spezialität: Sauschuss – was nur einmal nicht zum gewünschten Erfolg führte. Soviel Positives und dann noch „nur” Platz 14 werden sicher viele denken. Erstens ist Platz 14 in diesem Feld sehr gut, zweitens war es für Sascha von Pleß und Kamel die erste Teilnahme am Bol d?Or mit dem doch sehr gewöhnungsbedürftigen Zeitspiel. In über 80 % aller Spiele kassierte unser Team in der ersten Aufnahme mehr als zwei Punkte, und die bei solchen Routiniers aufzuholen, ist sehr schwer. Ich bin sicher, dass bei einem Spiel nach dem Reglement (ohne Zeitlimit, bis 13 Punkte), mindestens 5 Partien mehr sicher gewonnen worden wären.

[img:393:rechts]Im letzten Jahr erreichte unser Team den 18. Platz. In diesem Jahr wurden die Kräfte besser eingeteilt, um nicht gegen Ende des Turniers einzubrechen. Alle Freirunden (bei 9 Bahnen und 24 Teams gibts die zwangsläufig) abgerechnet, kommt man auf 16,5 Stunden reine Spielzeit innerhalb der 24 Stunden. Eine enorme Leistung! Madagaskars Tireur Jean Jacky Randrianandrasana hat alle Spiele gemacht, hatte bestimmt eine Trefferquote von 90 % und tauschte auch im letzten Spiel gut die Hälfte der Kugeln. Oder Respekt vor dem 86-jährigen Publikumsliebling Henry Salvador, der bis zum Schluss gut mithielt. Er wurde am Samstag zum Ehrenmitglied des Ausrichters Pétanque „La Genevoise” ernannt, startet in der nächsten Woche in Genf seine Tournée in 4 schweizer und französischen Städten mit anschließender Welttournée. Es ist also schon erstaunlich, welche Kräfte bei so einem Turnier mobilisiert werden können und deshalb ist das Turnier auch sehr gut geeignet, das Niveau der eingesetzten Spieler zu erkennen und zu bewerten.

[img:387:rechts]Der goße Unterschied zu den absoluten Spitzenteam konnte man sehr gut beobachten. Dass ein Tireur trifft, ist hier Pflicht, dass seine Kugel im Spiel bleibt, ist fast normal und die Careau-Quote liegt bei mind. 50 %. Aber auch beim Legen wurde gezaubert. Z.B. bei einer Aufnahme gegen das Team Foyot legte dieser seine erste Kugel 20 cm halbrechts hinter die Sau. Nach 3 Fehlschüssen musste abgesichert werden. Keine der folgenden 3 Kugeln schaffte das, worauf der Meister seine zweite als Devant vor die eigene erste legte – als wollte er sagen: Jungs so macht man das. In diesem Spiel hat übrigens Sascha 5 Aufnahmen per Sauschuss beendet. Nach dem ersten fragte Foyot noch scheinheilig, ob das Absicht war. Einmal bleibt das Cochonnet beim ersten Schuss 10 cm vor der Auslinie liegen, aber Sacha Koch trifft beim zweiten Schuss auf 13 m sauber, sehr zur Freude der Zuschauer. Nur einmal klappt es nicht mit dem Sauschießen – das gibt natürlich 6 Punkte.

[img:395:rechts]Für mich das beste Spiel war die Begegnung gegen Allier. Zwar wurde gegen das Fazzino-Team wieder mit 0:3 gestartet, aber in der nächsten Aufnahme wurden die Fehler des Gegners ausgenutzt zum 3:3. Dann das Gleiche mit umgekehrten Vorzeichen, Fazzino trifft mit seiner letzten das Devant von Sascha allein zum 7:4. Ab jetzt holt unser Team Punkt für Punk. 3 tolle Aufnahmen in denen alle drei Supertreffer hinlegen – bis leider die Sirene ertönt. Es bleibt bei 6:7.

Noch ein Wort zum Modus. Nach 40 Minuten Spielzeit ertönt das Signal, die letzte Aufnahme wir fertiggespielt. Bei Sieg gibt es 3 Punkte, bei unentschieden 2 und für die Niederlage 1 Punkt. Als Sieg wird eine Partie gewertet, die einen Punktevorsprung von 15 Punkten erreicht oder wer eben beim Signal vorne liegt. 10 Minuten später beginnt bereits die nächste Partie.

Für die Statistiker hier die nackten Ergebnisse:

14:00 Sardagne [k]Ludovig Guérin, Thierry Martin, Stéphane Parcevaux, Denis Aacheda[/k]

03 : 13 1 Punkt

14:50 Team Foyot [k]Marco Foyot, Bruno Leboursicaud, Pascal Mileil, Bruno Rocher[/k]

02 : 17 1 Punkt**

15:40 Jura Français [k]Denis Pommier, Gilles Nevers, Luis Da Silva, J.-Marie Mareaux[/k]

06 : 08 1 Punkt*

18:10 Saint-Julien [k]Gilles Heme, Ludovic Lavy, Eric Lucchese, Pierre Vionnet[/k]

07 : 11 1 Punkt*

19:00 Vaud [k]Horacio Feio, José Feio, Giovanni Tamburini, J.-Denis Willemin[/k]

[f]08 : 03[/f] 3 Punkte

20:40 Madagaskar [k]Randriamparany, Randrianjafy, Randrianandrasana, Razafindrabe[/k]

03 : 18 1 Punkt**

21:30 Spanien [k]Manuel Barbecho, Marco Galindo, Roberto Carlos Lopez, Javier Ortiz[/k]

03 : 07 1 Punkt

23:10 SAP (Deutsche Schweiz) [k]Duong Huynh, Tuong Nuyen, Lanh Pham, Lee Huynh [/k]

[f]08 : 03[/f] 3 Punkte

00:00 Ascan [k]Chr. Brunin, J.-Marc Jampy, Eric Clement, Gildas Capitaine[/k]

[f]10 : 08[/f] 3 Punkte

01:40 Sieger 2002 [k]Didier Choupay, Michel Loy, Damien Hureau, Julien Lamour[/k]

05 : 09 1 Punkt

02:30 Genf B [k]César Beuchat, Christan und Guillen Dayer, Jean Di Domenico[/k]

03 : 18 1 Punkt***

03:20 Gaillard [k]Thierry Camarra, Patrick Sage, Pascal Nicaud, Raymond Ursini[/k]

02 : 17 1 Punkt***

05:00 LLança Costa Brava [k]Mario Annunziata, Serge Ducci, Eric Salgado, R. Stoliaroff [/k]

[f]09 : 09[/f] 2 Punkte

05:50 Tunesien [k]Amor Brinis, Chokri Gharbi, Mootez Manaa, Amri Mohamed[/k]

[f]14 : 05[/f] 3 Punkte

06:40 Millau [k]Réma Artal, Richard Fauvet, J.-Pierre Mas, Laurent Morillon[/k]

[f]09 : 08[/f] 3 Punkte

07:30 Genf A [k]Philippe Basting, Luc Camélique, Marc Casagrande, Olivier Fornerod[/k]

[f]08 : 03[/f] 3 Punkte

09:10 Allier [k]Christian Fazzino, Frédéric Perrin, Raphael Rypen, David Winterstein[/k]

06 : 07 1 Punkt

10:00 Champion du Monde [k]Henri Lacroix, Philippe Suchaud, Michel Schatz, Eric Sirot [/k]

09 : 13 1 Punkt

10:50 Belgien [k]Serge Podor, Claudy Weibel, J.-François Hemon, Michel Van Lierde[/k]

01 : 16 1 Punkt

11:40 Organisation [k]Henry Salvador, Claude Fernandez, Fernand Moraldo, José Palazon[/k]

[f]15 : 06[/f] 3 Punkte

13:20 Jura Suisse [k]J.-Jacques Masneri, Claude Hostettler, J.-Pierre Wyssen, Romano Vicenzi[/k]

09 : 10 1 Punkt*

14:10 Ain [k]Maf Alidra, Frédéric bauer, David Duparc, Roger Koch[/k]

[f]17 : 02[/f] 3 Punkte**

15:00 Suisse [k]Patrick Boson, Régis Froidevaux, Michael Rotzetter, Marcel Coquoz[/k]

[f]09 : 03[/f] 3 Punkte

* diese Spiele wären bei normalem Reglement gewonnen worden

** vorzeitig beendete Spiele

*** zwei katastrophale Spiele, die gewonnen werden müssten. Hier war der tote Punkt, physisch und psychisch – bei der Uhrzeit nicht verwunderlich. Beim 9:9 gegen die Spanier wurde das Tief überwunden und wieder enorme Kräfte freigesetzt.

[img:397:rechts]Die genaue Platzierung aller Teams mit den Punktzahlen werde ich nachreichen. Leider sind die letzten Digitalfotos der Siegerehrung und der Ergebnistafel einem Crash zum Opfer gefallen. Apropos Anzeigentafel: bei der ersten Anzeige nach 3 Spielen stand Allemagne auf Platz 23, bei der zweiten auf Platz 20. Nach etwa der Hälfte des Turniers auf Rang 17, 3 spiele vor Schluss auf 15 und am Ende auf Platz 14.

Die bestplazierten aber schon mal verne weg:

1. Team Foyot

2. Sieger 2002

3. Weltmeisterteam

4. Belgien

5. Spanien

Seit 30 Jahren organisiert der Club „La Genevoise” das Turnier. Über die Perfektion kann man nur staunen. Marcellin Dayer und seine Frau führen Regie, immer ansprechbar, haben immer ein offenes Ohr. Unsere Spieler kamen mit drei verschiedenen Zügen in Genf an. Jeder wurde am Bahnhof abgeholt und ins Hotel oder Boulodrome geberacht. Zwischen Hotel und Boulodrome sind stets 2 Shuttlebusse unterwegs. Für die Nacht gibt es einen Ruheraum, tagsüber separate Ruhezone für die Spieler. Die Verpflegung war sehr gut- auch wieder von den Mitgliedern organisiert, die Übernachtung im Ramada Parc Hotel am Flughafen. Die gesamten Kosten, außer der Anreise natürlich, trägt der Veranstalter für das Team und den Coach. Das nur zur Beruhigung für all diejenigen, die solche Veranstaltungen ja nur als Geldverschwendung durch den DPV ansehen. Ich wäre glücklich, wenn wir in Deutschland ein annähernd besetztes Turnier vorweisen könnten.

Aber die Schweizer wissen auch (genau wie die Franzosen), ein solches Event zu präsentieren. Am Freitag Abend um 19 Uhr gab es eine feierliche Eröffnung mit allen bereits anwesenden Delegationen. Um 20 Uhr ein Gentleman-Turnier, bunt gemischt aus Sponsoren, in Ehren ergrauten Spitzenspielern aus Frankreich und der Schweiz, Präsidenten und Coaches und pro Team ein teilnehmender Spitzenspieler. Das ganze Turnier wurde rund um die Uhr kommentiert und präsentiert für die Zuschauer von Marc Alexandre, der ja auch die letzten WMs alle als Sprecher begleitete.

[img:389:links]Und noch etwas fand ich ganz toll. Ich war jetzt 6-mal zu Petanque-Veranstaltungen in Genf, aber von der Stadt habe ich noch nie etwas gesehen. Diesmal hatte der Veranstalter am Samstagmorgen von 10 – 12 Uhr eine Stadtführung organisiert. Nach einer Rundfahrt zu den ganzen internationalen Organisationen erkundeten wir zu Fuß die Altstadt auf dem Stadthügel.

Auch hierfür ein großes Dankeschön an unsere schweizer Freunde.

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