Anti-Dopage bei unseren Nachbarn

Vom Wasserstrahl und Pusterohr unserer französischen Nachbarn

Paris, 16. September 2008 –

Wer am 27. September in Mannheim die versammelten Weltmeister von D.U.C. Nice beobachtet (Europapokal-Achtelfinale gegen den BC Sandhofen!), wird möglicherweise den Weltmeister von 1997 vermissen.

Der wird nämlich aller Voraussicht nach fehlen, weil er derzeit gesperrt ist, vom französischen Verband. Seine Sperre läuft zwar schon bald ab, jedoch könnte es für ihn in Mannheim noch nicht zeitlich reichen, um mit Lizenz wieder anzutreten. Wir dürfen also auch darauf gespannt sein!

Der Grund: Cannabis-Konsum. Der französische Verband FFPJP läßt derzeit auf allen seinen Meisterschaften mit Ausnahme der Veteranen intensiv WADA-Anti-Doping Tests ausführen. Viele dutzende Spielerinnen und Spieler wurden in den letzten Monaten getestet – von der Jugend angefangen bis zu allen Senioren-Meisterschaften.

Die Testserie brach auch ein Tabu:

Bei der Marseillaise, einem Turnier, bei dem die FFPJP noch nicht einmal Veranstalter ist, wurden die Teams nacheinander nach dem Viertelfinale zum „Pinkeln“ geschickt. Alle Tests dort blieben negativ – geht es ja immerhin um eine Menge Geld, die keiner der Spieler im Nachhinein wieder verlieren will…

Natürlich hat es auch das Jahr über einige wenige Auffälligkeiten gegeben, wie der prominenteste, gerade oben erwähnte Fall eines nordafrikanischen Weltklassespielers, der dadurch vielleicht sogar in seinem Land die Startberechtigung für die WM im Senegal verloren haben könnte.

Die kleineren Anti-Doping-Vergehen wurden in unserem Nachbarland bislang auch mit niedrigen Lizenzstrafen von wenigen Monaten Länge sanktioniert (siehe Fall oben). Wiederholungstäter und Konsumenten dopingrelevanter Substanzen wie z.B. Betablocker dürften mit Lizenzstrafen von einem Jahr und mehr rechnen.

Bei Dopingtestverweigerung droht hier wie dort ein Lizenzentzug von etwa zwei Jahren.

Weiter gehen die Franzosen auch mittlerweile in der konsequenten Anwendung der selbstauferlegten 0,5 Promille Grenze beim Alkohol, die mit Meßgeräten (wie wir sie vom Strassenverkehr her kennen) auf vielen größeren Turnieren der Nationalserie und der französischen Meisterschaften mittlerweile zum Standardrepertoir gehören. „Hier werden zwar keine Lizenzsperren ausgesprochen – aber dafür sofortige Disqualifikationen, und das tut Vielen, die schon im Preisgeld spielen, noch mehr weh“, teilte heute der Chef der französischen Trainer bei der FFPJP gegenüber dem DPV mit.

Wir Deutsche nahmen im Frühjahr eine gleichlautende Regelung beschränkt auf die DM’s, den Länderpokal und die Bundesliga wegen noch ungeklärter juristischer Fragen zurück: Wer als gewählter Repräsentant auch persönlich haftbar gemacht werden kann, handelt vernunftgemäß umsichtig und überlegt, ohne aber die Entwicklungen in den übrigen Pétanquenationen außer Acht lassen zu wollen, die da heißt: Kein Alkohol beim Sport!

Hier bei uns bleibt es im Gegensatz zu Frankreich derweil dabei, dass der Schiedsrichter eigenverantwortlich bestimmen darf, wer zuviel getrunken hat und wer nicht und deshalb notfalls disqualifiziert – ohne weitere Erklärungen abgeben zu müssen. Beim Länderpokal und der Bundesliga gilt ohnehin aufgrund jener Rücknahme die 0-Promille!

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