[img:54:rechts]Zum 29. Mal fand in Genf der „Bol d′Or“ statt, das größte internationale Pétanque Turnier – nicht was die Anzahl der Teilnehmer, sondern was die Qualität betrifft. Ein Stelldichein der Weltmeister und nationalen Meister mit, wie ich meine, Kultcharakter. Genf darf man in der Schweiz schon als Hochburg des Pétanque bezeichnen. In 5 Hallen wird den ganzen Winter über gespielt. In der Kleinsten mit nur fünf Plätzen wird jedes Jahr der Bol d′Or für die Jugend ausgetragen. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Veranstalter auch die deutsche Jugendnationalmannschaft eingeladen. Im ersten Jahr belegten wir einen hervorragenden zweiten Platz, letztes Jahr landeten unsere beiden Teams auf Platz 1 und 4 – sehr zur Überraschung der Genfer. In seiner Laudatio bei der Siegerehrung sagte damals der Präsident des Clubs La Genevoise, Marcellin Dayere: „Ich erinnere mich noch gut, vor 10 Jahren hatte die Schweiz noch 1000 Spieler mehr als Deutschland, heute haben wir nur noch 5500 und Deutschland über 13000. Und dass auch die Qualität stimmt, haben diese Spieler bewiesen.“Zwei weitere Hallen haben 8 Plätze, eine Zelthalle 12 Plätze und die größte, das „Boulodrôm de la Queue-d1Arve“, mit 18 Plätzen für Pétanque und zusätzlichen Lyonnaise-Plätzen. Glückliches Genf, kann man da nur sagen. In diesem Jahr wird Genf auch die Weltmeisterschaft ausrichten, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

[img:56:links]Im letzten Jahr hatte ich während der Jugendveranstaltung Gelegenheit zu intensiven Gesprächen mit Mitgliedern des Schweizer Verbandes und den Veranstaltern der Bol d1Or. Man erzählte, dass vor Jahren schon mal ein deutsches Team eingeladen wurde, allerdings ohne bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Um so überraschter war ich, dass nach dem guten Abschneiden der Deutschen in Grenoble die versprochene Einladung aus Genf kam. So konnte Hubert Arians nach der 1. Kadersichtung die vier Bestplazierten bei den Herren in Genf anmelden. Bei den Damen zwei aus den ersten drei, da die

Bestplazierte aus beruflichen Gründen verhindert war. Der Mini Bol d1Or Féminin fand in diesem Jahr zum 17. Mal statt. Am Freitag machten sich Gudrun Deterding und Lara Eble mit Coach Werner Daams auf den langen Weg nach Genf. Der Empfang in Genf war herzlich, die Unterkunft Fist Class, die Gegner ebenfalls. 24 Doublette-Teams waren geladen. Bei den Frauen wird in zwei 12er-Gruppen gespielt, in jeder Gruppe jeder gegen jeden. Alle Spiele laufen genau 40 Minuten, dann bleiben 10 Minuten Zeit zum

[img:58:rechts]Wechseln, die nächste Runde beginnt. Das System ist für Neulinge gewöhnungsbedürftig und ich weiß, dass in Deutschland Spiele mit Zeitlimit nicht beliebt sind – vielleicht weil viel zu viel auf Zeit gespielt wird.

Damit möchte ich nicht sagen, dass Konzentration und Taktikbesprechungen nicht notwendig sind, aber bei vielen Turnieren sind es doch immer wieder die gleichen dafür bekannten Spielerinnen und Spieler, die ihre Partien als Letzte beenden. Doch zurück nach Genf. Auch Gudrun und Lara mussten sich erst an diese Spielweise gewöhnen. Das Schöne an diesem Spielsystem ist die Möglichkeit, gegen wirklich alle Mannschaften spielen zu können oder zu müssen, Losglück gibt es da keines. Der große Favorit waren Angélique Papon und Florence Schopp, Titelverteidiger im Bol d′Or mit französischen und europäischem

Meistertitel. Aber auch Nathalie Gélin und Michele Moulin von der Organisation waren Titelaspirantinnen – beide schon 11mal dabei und schon 3mal Gewinnerinnen. Die beiden waren mit in unserer Gruppe und damit einer der 11 Gegner neben dem amtierenden Schweizer Meister, Fribourg, Sardagne, Neuchâtel, [img:60:links]Allier, Bois-de-la-Bâtie, Cigales, Ain, Chancy und Geneve. Mit 5 Siegen schnitt unser Team in diesem Feld sehr gut ab und belegten damit im Gesamtklassement den 11. Platz, gefolgt von dem amtierenden Schweizer Meister. Es siegte übrigens Italien vor Frankreich und dem Team Organisation. Für einen unbedarften Leser mag das wenig sein, wer aber die Spiele gesehen hat, der weiß, dass bei diesem Spielsystem Sieg und Niederlage oft von den beiden ersten Aufnahmen abhängen können. Ein Punktvorteil wirkt sich hier knallhart aus und Teams, die erst langsam sich ins Spiel finden müssen, haben kaum eine Chance. Nach 40 Minuten heißt es, die letzte Aufnahme beenden. Ein Sieg bringt 3 Punkte, ein Unentschieden 2, bei einer Niederlage gibt es einen Punkt und für evtl. Blancs 0. Unser Team

mit seinem Coach Werner Daams hat sich hervorragend geschlagen. Der Gastgeber hat die Einladung nicht bereut – zur Einladung gehören auch freie Kost und Logis – und die Einladung für 2004 zum 18. Mini Bol d′Or Feminin angekündigt.

[img:62:rechts]Noch härter ist das Turnier bei den Herren. Wer die unten nachfolgende Teilnehmerliste liest und sich in unserem Sport auch nur ein wenig auskennt, weiß, was unser Team geleistet hat. Bei den Herren wird von Samstag 14.00 Uhr bis Sonntag 16.30 Uhr ohne Unterbrechung gespielt. 40 Minuten pro Partie, 10 Minuten Wechselpause und weiter geht die Jagd nach Punkten. Bei 24 Teilnehmern und 9 Spielfeldern ergibt dies 31 Runden, d.h. für jedes Team insgesamt 8 freie Runden zur Erholung, zum Essen – an Schlaf ist da wenig zu denken. Aber gerade der muss eingeplant werden und nicht nur Häppchenweise

oder gar nicht genommen werden. Solche Gegner verlangen alle 100 % Kondition, was unser Team in den letzten Spielen zu spüren bekam.

[img:64:links]Kim Rieger, Joao Fernandez, Lars Przystupa und Sascha Koch reisten mit ihrem Teamchef Thomas Ajang bereits am Freitag an. Auch sie waren begeistert von der guten Organisation, der herzlichen Aufnahme und vor allem dem hohen Niveau. Am Freitagabend lief der Gentleman-Cup, für den Sascha nominiert wurde. Daneben war Gelegenheit, einmal mit den Weltmeistern zu spielen, als Gegner oder gar als Partner. Frühzeitig wurde das vom Gastgeber zur Verfügung gestellte Luxushotel aufgesucht, um fit zu sein für das Turnier. Man darf nicht vergessen, die Anreise im Auto von Kiel nach Genf ist nicht

gerade eine Kleinigkeit.

[img:66:rechts]Der erste Gegner war Sardagne, ein 6:6 Unentschieden ließ alles offen. Dann kam die erste Sensation. Unsere Jungs gewinnen gegen die Marsaillaisegewinner Schatz, Radnic, Mileil und Cargoles mit 7:6. Milleil kann es nicht fassen – „on a perdu contre les Allemands!“ sagt er immer wieder fassungslos. Gegen den Jura Français gewinnt unser Team mit 11:6 und nach einem 10:4 gegen Valais steht Deutschland auf der Anzeigentafel eine lang auf Platz 2. Dann die erste Niederlage gegen Vaud mit 6:17. Sie haben richtig gelesen, es wird gespielt bis die Zeit abläuft oder ein Vorsprung von 15 Punkten den vorzeitigen Sieg bringt. Der sechst Gegner ist Madagaskar, ein 7:7 bringt wieder 2 Pluspunkte. Die nächsten 4 Spiele gehen allerdings verloren; Spanien gewinnt 17:3, Italien 9:1, Schweden 10:5 und der Titelverteidiger Choupay, Hureau, Loy und Weibel beendet das Spiel mit 17:2. Inzwischen zeigt die Uhr halb drei, aber an Schlaf ist nich zu denken, auch wenn die vier Niederlagen in Folge schon etwas an der Motivation nagen. Gegen Genf wird die Negativserie mit einem 9:9 gestopp, Gaillard gewinnt 9:5 und um 5 Uhr 50 gibt es wieder einen Sieg zu melden: 10:1 gegen die Jungs aus Llança an der Costa Brava. Ein [img:68:links]nächster harter Brocken ist Tunesien und während es draußen ganz allmählich hell wird, strahlen auch die Gesichter unserer Jungs: 9:4 gewonnen! Auch das nächste Spielergebnis heiß 9:4, allerdings für den Gegner aus Millau. Und im letzten Spiel vor dem Frühstück gab es gegen Thônex nochmals eine 6:14 Niederlage. Der nächste 4er-Block – vier Spiele ohne Pause – bringt echte Highlights. Das Team aus Allier mit Fazzino gewinnt deutlich mit 14:6. Das Spiel gegen den amtierenden Weltmeister verlieren wir zwar 8:6, aber mit einem Quäntchen Glück, sprich mit zwei satten Treffern, wäre das Ergebnis gerade umgekehrt. Gegen Belgien gibt es mit 6:6 das vierte Unentschieden und gegen das Team der Honoratoren

Henri Salvador, Fernandez, Moraldo und Palazon den letzten Sieg des Turniers mit 9:6. Jetzt erst mal Mittagessen, vor allem unsere 3 XXLs brauchen Stärkung. Dann machte sich die Müdigkeit durch Konzentrationsschwäche doch bemerkbar, denn außer Joao hatte keiner eine etwas längere Schlafenszeit gehabt. Als Kim sich frühmorgens in den Ruheraum begeben wollte, war aus mit Schlafen –

der Raum wurde für das Frühstück umgebaut. So gab es gegen drei Gegner, die eigentlich zu schlagen waren, drei Niederlagen: gegen den schweizer Jura 11:6, Ain 13:5, die deutsche Schweiz 13:5; macht 39 Punkte und Platz 20. Das sieht auf den ersten Blick, wenn man nur die Zahlen betrachtet, ernüchternd

aus. Ist es aber ganz und gar nicht. So gab es zum Beispiel fünf Siege gegen Teams, die auf Platz 1 – 8 im Gesamtergebnis zu finden sind. Die Mannschaften auf Platz 18 bis 23 haben alle die gleichen Siegpunkte und von Tunesien auf Platz 8 trennen uns gerade mal 9 Punkte.

[img:70:rechts]Aber das sind alles nur Rechenspielchen. Viel wichtiger war, dass Deutschland mit dabei war, nicht nur als Randerscheinung, sondern als eine feste Größe. Die schweizer Gastgeber und auch die Zuschauer würdigten dies. Mit und gegen die weltbesten Teams zu spielen ist eine Chance, die wir nicht hoch genug einschätzen können. Hier können selbst erfahrene Spieler, auch wenn es vielleicht hier flapsig klingt, an Erfahrung gewinnen. Für Lars und Joao war es der erste Auftritt auf internationalem Parkett, die erste große Nervenprobe. Sie haben sie gut gemeistert. Für alle zusammen ein anstrengendes aber auch äußerst lehrreiches Wochenende. Auf dem Rückweg machten beide Teams eine kurze Rast in Ettenheim, ich hatte sie zu einem Essen eingeladen. Nach jeweils drei Tagen Schweizer Spezialitäten gab′s zum Abschluss ein thailändisches Menü.