Breitensportliche und Leistungssportliche Eckpfeiler des Pétanque in Deutschland

Teil 1: Leistungssport Pétanque und Trainerwesen

Betrete das unentdeckte Land –

ENTER THE UNDISCOVERED COUNTRY !

In wenigen Wochen sind aus vielen Landesverbänden wichtige Beschlüsse zu erwarten, die über das Leben und Sterben unseres Verbandes als Ganzes entscheiden können. Pathetik ist durchaus angesagt, entscheidet doch unsere Basis demokratisch über seine eigene Zukunft:

Entweder für einen modernen, der rasanten Mitgliederentwicklung der letzten 15 Jahre und den heutigen Bedürfnissen angepassten und vom Deutschen Sportbund mit seinen Bestimmungen und Anforderungen auch für Förderungen offenen Sportverband, oder für einen nach alten Regeln der Achtziger und Neunziger Jahre geführten Zusammenschluss von Interessenverbänden des Boulespiels.

Es geht lange nicht mehr nur um die eine Frage, liebe Pétanquefreunde, ob eine Gebührenerhöhung (die dann erste nach bald 10 Jahren) gerechtfertigt sei oder nicht.

Diese Frage wurde auf den zwei Ausschusssitzungen mit den Ländern, in ungezählten Gesprächen und der Vorlage aller Projektdetails mit einem JA beantwortet, sondern ob eine Mehrheit in Deutschland diese Veränderung auch wirklich wünscht?!

Diese tiefgründige und alles entscheidende Frage zu beleuchten und eine Entscheidungsfindung zu erleichtern, werde ich deshalb durch diesen und weitere Artikel in der nächsten Zeit aufgreifen.

Das Sportförderwesen in Deutschland ist nichtolympischen Disziplinen offener und erreichbarer geworden.

Nicht nur die World-Games haben daran alleinigen Ausschlag, es sind vielmehr die Notwendigkeiten, die die Politik, respektive das Bundesinnenministerium haben reagieren lassen, seine olympisch ausgerichtete Förderpolitik zu überdenken und eine Umkehr einzuleiten, da z.B. der Großteil der Trendsportarten, die einen immensen Zulauf erhalten, bislang aussen vor standen.

„Die Organisationen müssen sich endlich nach den Menschen richten“

…und nicht umgekehrt! Dies wurde richtig erkannt.

Also werden in Zukunft nichtolympische Sportarten, zu denen auch das Pétanque gehört, in zunehmendem Maße von Planungen, Förderungen und medialem Interesse einerseits profitieren, andererseits mit zusätzlichen Maßgaben der übergeordneten Institutionen eingeengt.

Soweit alright?

Die Folge ist einfach – die Vorgaben aus dem Sportsystem in Deutschland haben sich nicht nur aus Geldmangel radikal verändert.

Das Förderkonzept 2012, das in 2004 verabschiedete Stützpunktkonzept oder das Konzept für Leistungssportpersonal in den Spitzenverbänden verlangen zwingend vom DPV eine Kehrtwende in seinem bisherigen Handeln!

Aber auch die Ausarbeitung von Leitlinien zu Kaderarbeit und Trainerwesen (Stichwort Breitensporttrainer C und ‚Lehrstoff-Harmonisierung‘, B-Trainer, Jugend-C-Trainer) sind notwendig gewordene Bearbeitungsfelder – die den Engagiertesten unter uns in den kommenden Jahren hunderte, wenn nicht sogar tausende Arbeitsstunden abverlangen werden. Nicht alles wird von uns „Amateuren“ übernommen werden können. Profis aus Sportmedizin und Sportpsychologie sowie andere Honorarkräfte werden dafür nötig sein, damit wir als „Sportverband“ im 21.Jahrhundert unsere Daseinsberechtigung im Deutschen Sportbund behalten können!

Wohl gemerkt – das alles nur, wenn das Zukunftsprojekt eine Anhängermehrheit findet – andernfalls: Ende.

Diese Kehrtwende einzuleiten hat den Landesverbänden, den Beauftragten des DPV und besonders den Personen des DPV-Präsidiums bereits jetzt einige hundert Arbeitsstunden abverlangt.

(Eine Erleichterung der starken Einzelbelastungen wegen durch einen Geschäftsführer ist mein erster Wunsch, wenn ich z.B. wieder ein Schreiben um 2:00 morgens fertiggestellt habe und dann wieder um 7:00 aufstehen muss, oder wenn ich nach zwei Wochen endlich einmal zum Boulespielen im Park komme, was ich früher regelmäßig machen konnte.)  

Welche Impressionen jüngst der Präsident des Rheinland-Pfälzischen Landesverbands, Jürgen Hatzenbühler empfing, als er im Auftrag des DPV an dem jährlichen Bundestrainer-Groß-Seminar des DSB in Nürnberg teilnahm, ist dem Folgenden zu entnehmen.

Beim nächsten Mal wende ich mich dann dem Breitensport im DPV, der Basisarbeit und Verbesserung der Entwicklungsmöglichkeiten für Vereine durch das Zukunftsprojekt des DPV zu und werde Euch, liebe Pétanquefreunde, dann weitere neue Aspekte beleuchten.

Herzliche Grüsse,

Alexander Bauer

Jetzt aber zu Jürgens Bericht:

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Liebe Kollegen,

bevor ich meinen Bericht über das Bundestrainer-Groß-Seminar des DSB hier abgebe, möchte ich dafür danken, dass mir es zu Teil wurde, diese Veranstaltung zu besuchen.

Ich möchte an dieser Stelle aber betonen, dass man die Gelegenheiten, die der DSB in dieser Richtung gibt, unbedingt auch in Zukunft qualifiziert nutzen und wahrnehmen sollte. Die Informationen und Kontakte, die man bei solchen Gelegenheiten bekommen kann, werden in unserer Entwicklung zu einem durchstrukturierten Spitzenverband wichtige Impulse für unsere eigene Arbeit geben.

Zum Seminar-Konzept:

Das Bundestrainer-Groß-Seminar wird einmal im Jahr vom Beirat der Trainer beim DSB Bereich Leistungssport veranstaltet. Dabei werden Bundestrainer aller Sportarten im DSB unter einem Schwerpunktthema zu einem Austausch zwischen den Sportarten eingeladen. Daneben werden ebenfalls BT-Teil-Seminare (ca. 2x Jährlich), meist in Zusammenarbeit mit einem Spitzenverband, abgehalten, bei denen ebenfalls unter einem besonderen Thema die Arbeit der Trainer unter ganz speziellen Blickwinkeln (z.B. unmittelbare Wettkampfvorbereitung (UWV), Multimedia im Leistungssport usw.) vorgestellt wird.

Des weiteren werden durch ein Rahmenprogramm Produkte und Informationen bereitgestellt, sowie den Großsponsoren des Deutschen Sports die Gelegenheit gegeben sich zu präsentieren.

Zum Seminar vom 26.-28.9.2005

Schwerpunkt Thema: „Leistungssteuerung“

Weitere Themen: „Spitzensportentwicklung aus DSB-Sicht“ und „Teambildung/Konfliktmanagement“

96 Bundestrainer, Sportdirektoren, Diagnosetrainer und andere Funktionsträger aus diesem Bereich aus 40 Spitzenverbänden trafen sich im Averna-Park-Hotel in Nürnberg.

Nach einer Begrüßung und Einführung wurde in einer Podiumsdiskussion zwischen Funktionären, Trainern, Hauptamtlichen und Wissenschaftlern die Diskussion über die Frage „Der deutsche Nachwuchsleistungssport in der Krise?!“ geführt. Hier wurden vor allem die Rahmenbedingungen und Auswirkungen dieser (Vereinbarkeit von Sport mit Schule/Beruf, Schulsport-Misere (Sprint-Studie), gesundheitliche Verfassung der Kinder und Jugendlichen, Freizeitverhalten, Demoskopische Entwicklung) auf den deutschen Nachwuchsleistungssport diskutiert. Die Schlußfolgerungen waren vielfältig und mündeten in die Erkenntnis, dass nur qualifizierte und engagierte Arbeit gegen negative Tendenzen ein wirksames Instrument ist.

In der darauffolgenden Präsentation des Projekts „Traineroffensive 2005“ wurde dann eine Komponente vorgestellt, die u.a. der negativen Entwicklung im LS entgegen wirken soll. Dieses Projekt, das auf Initiative des Beirats der Trainer im Präsidium des DSB als Auftrag an das Hauptamt gegeben wurde, soll die Situation der Trainer verbessern und ihre Stellung stärken bzw. ihre Stellung herausheben, die sie an den Erfolgen und guten Leistungen haben. Dazu gehören natürlich auch die Aus- und Fortbildung, sowie die arbeitsrechtliche Situation der Trainer in Deutschland. Für diese Traineroffensive gibt es eine klare Zeitschiene und so soll diese Traineroffensive im November vom Präsidium in Gang gesetzt werden. (Eine Informationsveranstaltung für Sportdirektoren soll am 13.10. stattfinden)

Zum Schwerpunktthema „Leistungssteuerung“ wurde dann von Prof. Dr. Andreas Hohmann (Uni Potsdam) ein Referat mit dem Thema „Steuerung sportlicher Spitzenleistungen aus trainingswissenschaftlicher Perspektive“ vorgetragen.  Hier wurde in fünf Abschnitten die möglichen Einflußgrößen aufgezeigt. Team-Spirit oder Selbstregulation, Trainingsbelastung, Regeneration, Wettkampfsteuerung, sowie Wettkampfstabilität und Leistungspräsentation waren dabei die Hauptgliederungspunkte, die in vielen Bereichen Anknüpfpunkte für uns ergeben. Ganz konkret bestünde für uns die Möglichkeit unseren Spielbeobachtungsbogen auch hinsichtlich mathematisch-simulativer Ansätze für Spiel-, Leistungs- und Gegneranalyse sowie für Strategieentwicklung  zu optimieren. Sollte dies für uns relevant sein, habe ich eine Kontaktaufnahme und ein mögliches Vorgespräch mit Prof. Hohmann vereinbart.

Am zweiten Tag wurden zwei Arbeitskreise gebildet, bei denen ausgewählte Bundestrainer die Steuerungskonzeptionen ihrer Sportarten vorstellten. Im Arbeitskreis 2: Sportarten, deren Leistungsstruktur vorwiegend von den Leistungsfaktoren Technik und Taktik bestimmt sind – Technisch-kompositorische Sportarten, Spielsportarten, Kampfsportarten – wurde aus den Bereichen Hockey, Boxen und Turnen die jeweiligen Steuerungskonzeptionen vorgestellt.

(Unser Verband, wie übrigens auch der Curling-Verband, war zuerst dem AK 1 für konditionell bestimmte Leistungsstruktur zugeordnet, nach Intervention wurde dies dann abgeändert (Wissen die Fachleute was wir tun?))

Die Referate von Ulrich Forstner (Nachwuchs-BT Hockey), Dr. Michael Bastian (Diagnose-BT Boxen) und Andreas Hirsch (BT Kunstturnen) brachten trotz der sehr unterschiedlichen Sportarten eindeutig identifizierbare Strukturen hervor, die für die Leistungssteuerung unabdingbar sind: Trainingskonzepte/planung, Leistungsdiagnose, Wettkampfanalyse und Trainingsdokumentation. Dazu müssen für die einzelnen Bereiche Instrumentarien etabliert werden, die zur Zeit bei uns weder eingesetzt bzw. noch nicht einmal entwickelt sind.

Trainingsmethodische Grundkonzeptionen, Rahmentrainingspläne, individuelle Trainingspläne usw.; Leistungsüberprüfung; Nachbereitung von Wettkämpfen; Dokumentation von Daten und Protokollen.

Darüber hinaus wurde in allen Bereichen der vordringliche Einsatz der psychologischen Vorbereitung und Begleitung herausgestellt und dabei auch die Notwendigkeit mit Spezialisten aus diesem Gebiet in verschiedener Form zu arbeiten. Wichtige Punkte dabei: Zielfestlegung, Stressbewältigung, Teambildung, sowie Individual- und Persönlichkeitsentwicklung. Stützpunktsysteme sowie Aspekte zentraler und dezentraler Vorbereitung sind dabei ebenso Thema in den verschiedenen Teilbereichen, wie eine konsequente Personalentwicklung.

Am Nachmittag wurden die verschiedenen Aspekte wie dargestellt noch einmal zusammengefaßt und ein weiteres Referat über die Perspektiven der Traineraus-, fort- und –weiterbildung von Dr. Lutz Nordmann, Trainerakademie Köln, schloss sich an.

In diesem Referat wurde der Ausbildungsweg mit Abschluß an der Trainerakademie als Diplomtrainer vorgestellt. Darüberhinaus wurde angekündigt, dass sich die Rahmenrichtlinien der DSB-Trainerausbildung geändert werden, ohne allerdings konkret Aspekte zu nennen. Allerdings wurde ein Impuls-Workshop für die Trainerausbildung für den 23. und 24.11.2005 angekündigt. Angesichts unserer Bemühungen zur Ausbildung von Trainern, sollten wir uns da um genauere Informationen kümmern bzw. eruieren, in wie weit dies unsere Ausbildung betrifft.

Der abschließende Tag des Seminars war wiederum zweigeteilt. Im ersten Teil wurden hauptsächlich Einschätzungen aus Sicht des Hauptamtes des DSB bzgl. der Spitzensportentwicklung hinsichtlich der OS in Peking 2008 (Jörg Ziegler, Geschäftsführer DSB) und der Leistungs- und Qualifikationsstand der deutschen Athleten in Bezug auf Turin 2006 (Wolfgang Kindiger, DSB) dargestellt.

Der Abschlussteil war dann dem Thema Teambildung/Konfliktmanagement gewidmet, wobei im ersten Teil hier eine Befragung von Kaderathleten von Gaby Bussmann und Katrin Glatzel vorgestellt wurde, die Ergebnisse hinsichtlich des Themas Steuerung sportlicher Leistungen aus Athletensicht gewichtet waren.

Der zweite Teil war dann etwas praktischer mit einem sehr lebhaften Vortag von Jörg Löhr, ehemaliger Handball-Nationalspieler, freier Unternehmensberater und Leiter von Seminaren für Erfolgstraining, „Erfolgsfaktor TEAM – zur Optimierung von Leidenschaft und Begeisterung in Mannschaften“. In diesem Vortrag wurden wesentliche Faktoren zur erfolgreichen Teambildung vorgestellt und darüber hinaus auch die verschiedenen Aspekte von Teammotivation und –führung erläutert. Mit sehr anschaulichen Beispielen und interaktiven Einlagen wurden auch die letzten Skeptiker von moderner Führungspsycholgie zumindest infiziert.

Mit einem Abschluß-Statement wurde das Seminar um 13.00 Uhr beendet.

[…….]

In den Pausen und an den Abendveranstaltungen konnte ich insbesondere Kontakt zu den Vertretern des Curling-Verbandes, Richard Henderson (BT, hauptamtlich) und Katja Weiser (Nachwuchs BT, hauptamtlich) sowie zu Vertretern der Deutschen Billard Union, Günter Geisen (BT, honrar), Gerd Kunz (BT, honorar), Werner Naruhn (BT honorar) und Andreas Huber (Lehrwart, honorar) aufnehmen und dort interessante Informationen sammeln. Grundsätzlich ist zu sagen, dass natürlich das Label „Olympisch“ die zwei Klassen Gesellschaft im Sport zementiert, allerdings scheint hier gerade in Zusammenhang mit den World Games auch eine stärkere Anerkennung und Förderung der Nichtolympischen Verbände (NOV) zu beginnen. Diese Entwicklung ist von uns stark in den Fokus zu nehmen.

Für mich war dieses Seminar nicht nur ein großes Erlebnis sondern auch eine Vertiefung meiner bisherigen Studien, die ich schon seit längerem betreibe. Ich hoffe, dass ich euch noch in einem direkten Gespräch weitere Aspekte erläutern kann und bin gerne bereit, im Rahmen eines Arbeitskreises oder einer VS von meinen Erfahrungen zu berichten.

Jürgen Hatzenbühler,

Präsident LV Rheinland-Pfalz

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