Sportlich sind die sieben Deutschen Meisterschaften etabliert und anhand der Zahl der Teilnehmer an den Qualifikationsveranstaltungen kann abgeleitet werden, dass sich die Wettbewerbe großer Beliebtheit erfreuen.

Bei der Ausrichtung der Meisterschaften kommt es jedoch häufig zu Beschwerden, welche nicht von der Hand zu weisen sind.
Ich nehme dies zum Anlass, um die bisherige Entwicklung kurz zu schildern, in der Hoffnung, dass wir –die Pétanquespieler, die Vereine, die Landesverbände und der DPV- dazu beitragen, Verbesserungen zu besprechen und umzusetzen.

Zu der Zeit, als Deutsche Meisterschaften noch unlimitiert und ohne Voranmeldung ausgetragen wurden, musste der ausrichtende Verein die Gesamtlast der Veranstaltung tragen. Dazu gehörte die Bereitstellung der Struktur wie z.B. Spielgelände, sanitäre Anlagen, Versorgung sowie vieles mehr und zusätzlich die Bereitstellung der Turnierleitung von der Einschreibung über die Auslosung bis hin zur Siegerehrung. Einschreibeformulare, Los-Systeme, Poulezettel und selbst die Pokale waren Sache des Vereines.
Aufgrund ständig steigender Teilnehmerzahlen wurden die ausrichtenden Vereine zunehmend überfordert und als erste Konsequenz wurden die DM’s auf 128 Teams limitiert.
Damit wissen die Ausrichter zuverlässig, wieviel Bahnen bereitgestellt und wieviel Teilnehmer versorgt werden müssen.
Als zweite Konsequenz wurde die Turnierleitung zunächst von einem DPV-Vertreter begleitet bzw. unterstützt, mittlerweile liegt die Verantwortung der Turnierleitung ganz in der Hand des DPV und die Meisterschaften werden vom DM-Team geleitet. Nur so war es möglich, neue Regeln umzusetzen und die Deutschen Meisterschaften einheitlich und transparent zu leiten. So wird zwar heute nach wie vor im Poule/k.o. – System gespielt, aber es gibt vielfältige Regeln zur Auslosung (u.a. gesetzte Teams, Aufteilung der Landesverbände in die Poules u.v.m.).
Vor zehn Jahren wurde ein DM-Equipment angeschafft, welches bei jeder DM zum Einsatz kommt und mittlerweile wird die Auslosung und der Ergebnisdienst von einer Software übernommen.

Hört sich soweit ganz gut an, doch gibt es häufig folgende Kritikpunkte:
Vergabe an entlegene Orte, einseitige Verteilung, ungeliebtes Terrain, schlechte Verpflegung, teure Verpflegung, Parkplätze zu weit entfernt, Parkplätze zu teuer, unzureichende Aufenthaltsmöglichkeiten, mangelnde technische Ausrüstung, Informationsfluss und Öffentlichkeitsarbeit.

Zu wenige Bewerbungen um Ausrichtung!
Als das Limit von 128 Teams eingeführt wurde, gab es drei Deutsche Meisterschaften und folglich mussten nun auf Landesebene jeweils Qualifikationsveranstaltungen durchgeführt werden –Bundesweit also 33 Veranstaltungen.
Zwischenzeitlich sind es aber sieben DM’s  und ebenso viele Qualis. Es werden jedes Jahr 77 ausrichtende Vereine und deren zahlreiche Helfer benötigt. Bei 704 Vereinen in Deutschland.
Häufig liegen nicht genügend Bewerbungen vor und es müssen Ausrichter gesucht werden. Dabei haben wir bisher ganz überwiegend gastfreundliche und fähige Ausrichter gefunden.
Zur Info:
Vereine bewerben sich über ihren Landesverband um die Ausrichtung und das DPV-Präsidium entscheidet über die Vergabe. Vergabekriterien sind: Kompetenz und Ausstattung des Vereines, Art und Größe des Spielgeländes, geografische Lage, gleichmäßige Aufteilung und einiges mehr, wie z.B. ein Vereinsjubiläum.
Die Kriterien fallen sämtlich über Bord, wenn es nur einen Bewerber gibt! So kann es sein, dass Deutsche Meisterschaften auf ungeliebtem Terrain oder an extrem dezentralen Orten ausgetragen werden.
Um Missverständnissen vorzubeugen: es geht mir nicht um eine Reduzierung der Teilnehmerzahlen oder der Meisterschaften. Im Gegenteil, ich finde die Vielfalt der Meisterschaften ein tolles Angebot und eine Kernaufgabe unseres Verbandes.

Lösungen müssen jedoch gefunden werden, bevor eine Veranstaltung keinen Ausrichter findet und möglicherweise ausfällt.
Denkbar wäre ein zentraler Veranstaltungsort (Stichwort Leistungszentrum Pétanque), an dem alle DPV-Veranstaltungen ausgetragen werden. Hier wären genügend Bahnen auf anspruchsvollem Terrain, ein Carre d’honneur idealerweise mit Tribüne und die gesamte technische Ausrüstung vor Ort. DM’s würden dann nur noch Ausnahmsweise, z.B. wegen eines Vereinsjubiläums an besonders geeignete Vereine vergeben.
Es gibt auch Konzepte, wonach alle DM’s zwar an jährlich wechselnden Standorten aber zusammen und innerhalb einer Woche absolviert werden.

Ob es bei dem jetzigen Ausrichterprinzip bleibt, oder ob neue Wege beschritten werden:
Alle Konzepte müssen so gefasst werden, dass sie –wie bisher- durch ehrenamtliche Helfer umgesetzt werden können.

Durch ein intelligentes Ausrichtungskonzept können -bis auf den Punkt Öffentlichkeitsarbeit- alle oben genannten Kritik-Punkte gelöst oder doch wenigstens deutlich verbessert werden.

Die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Deutschen Meisterschaften ist seit je her nicht zufriedenstellend. Wo andere Organisationen eigene Abteilungen und einen (bezahlten) Mitarbeiterstab unterhalten, kümmern sich im DPV die ehrenamtlich tätigen Präsidiumsmitglieder oder einige wenige (ehrenamtlich) Beauftragte um Öffentlichkeitsarbeit.
Dort, wo es mal zu einem Beitrag im Fernsehen, Radio oder in der Zeitung kommt, waren die ausrichtenden Vereine aktiv.
Die Berichterstattung auf der DPV-Homepage beschränkt sich auf einen Ergebnisdienst.
Ein Konzept zur Öffentlichkeitsarbeit kann erst greifen, wenn sich dafür genügend ehrenamtlich Mitwirkende finden.
Allerdings ist die erste Priorität die Gewährleistung von attraktiven Deutschen Meisterschaften – ohne sie braucht es keine Berichterstattung.

Der DPV kann sich über ständig steigende Mitgliederzahlen und die Popularität seiner Meisterschaften freuen. Das soll so bleiben, daher müssen wir die Qualität unserer Meisterschaften nachhaltig sichern und wo nötig Verbesserungen einführen.
Für 2016 wurden kompetente Ausrichter für alle Meisterschaften gefunden. Wir können uns aber nicht darauf verlassen, dass es auch 2017 und künftig so sein wird.
Deswegen müssen wir jetzt in die Diskussion einsteigen.

Peter Blumenröther
DPV-Präsident