Es war ein Stück des Weges, den Deutschen Boule-, Boccia- und Petanque-Verband e.V. als Dachverband des Kugelsports in Deutschland wieder auf die Höhe der Zeit zu bringen. Seit über einem Jahr gehörte (neben dem „Tagesgeschäft“) diese Neuausrichtung zu den Mammutaufgaben der Präsidien des DPV e.V. (Deutscher Pétanque-Verband) und des BBD e.V. (Boccia Bund Deutschland). Die seinerzeit jeweils frisch gewählten Präsidenten beider Spitzenverbände hatten sich früh entschlossen, aus dem Nebeneinander von Boule und Raffa endlich ein Miteinander zu machen.

Ähnlich wie Petanque (Boule) aus Frankreich importiert wurde, fand Raffa (Boccia) den Weg aus Italien nach Deutschland – wird allerdings noch vornehmlich in Süddeutschland gespielt. Während der DPV bundesweit über 20.000 Mitglieder zählt möchte der BBD in einer nächsten Etappe bald die 500 Mitgliedergrenze überschreiten, was vor allen Dingen dann gelingen wird, wenn auch in anderen Regionen Deutschlands Fans für dieses schöne Spiel gefunden werden.

Die „Größenunterschiede“ zwischen beiden Verbänden werden aber schnell kleiner, wenn man betrachtet, welche enorm professionelle Infrastruktur die Boccia-Spieler sich im Vergleich zum DPV bereits aufgebaut haben. Klein aber fein verfügt der BBD über eine Reihe von Hallen und hat sogar fahrbare Bahnen, die bei Wettbewerben eingesetzt werden. Mit großer Selbstverständlichkeit wird 2019 in Deutschland eine Jugend-Europameisterschaft ausgerichtet. Es gibt sowohl eine 1. als auch eine 2. Bundesliga, bis runter in eine Amateurliga – und es werden Deutsche Meisterschaften in fünf Disziplinen ausgerichtet. Auf internationale Events, Europa- und Weltmeisterschaften bereitet sich der BBD durch eine beispielhafte Kaderarbeit vor.

Der DPV muss hier trotzdem sein Licht nicht unter den Scheffel stellen: die Freunde der italienischen Kugelsport-Variante interessieren sich insbesondere für die professionellen Strukturen in der Organisation des Pétanque-Verbandes und dessen bundesweiten Ausbau über die Schaffung von Landesverbänden.

Es wurden eine Menge Synergie-Potenziale identifiziert, für die es sich lohnt, in einem gemeinsamen Haus der Kugelsportarten näher zusammen zu rücken. Beide Verbände setzen sich außerdem das Ziel eines zeitgemäßeren, moderneren Auftritts, der es unterstützen wird, attraktiver für neue Mitglieder – insbesondere auch jüngere Erwachsene, Jugendliche und Kinder – zu werden.

Dem guten Willen mussten Taten folgen: es musste u.a. eine neue Satzung, Geschäftsordnung und Finanzordnung erarbeitet werden. Was wie die Erstellung dreier Standard-Dokumente klingt, war hierbei eine echte Herkulesaufgabe, weil das Dach des Kugelsports in Deutschland schon länger keine Handwerker mehr gesehen hatte. Und das Ziel war es ja nicht nur, ein paar Ziegel auszutauschen, sondern es sollte auch eine topmoderne Dämmung plus Solar-Anlage für langfristige Freude aller Beteiligten – bis runter in den Breitensport beider Sportarten –sorgen.

Besonderer Dank für den erfolgreichen Abschluss dieser Arbeiten geht hier an Dirk Engelhard (NRW) und Uwe Büttner (Bayern), die federführend an der Entstehung der Dokumente mitwirkten. Auch gilt es für die Unterstützung aus dem LV BBPV (BaWü) und dem LV SBVS (Saarland) zu danken, die bereits in der Vergangenheit den Dachverband in seinem „alten“ Zustand tatkräftig unterstützten. Die Verantwortlichen in beiden Landesverbänden haben ebenfalls maßgebliche Beiträge dazu geleistet, dem DBBPV den Weg zur leistungsstarken Institution zu ebnen.

Das ist im Wesentlichen neu: der Dachverband besteht zukünftig nur aus den Spitzensportverbänden DPV und BBD. Das Präsidium hat einen frei gewählten Präsidenten, zusätzlich neu einen Geschäftsführer und ebenfalls neu jeweils Athletenvertreter der Spitzen­sportverbände. Die neue Satzung (vorbehaltlich der Eintragung) wurde einstimmig verabschiedet und ein neues Präsidium für den DBBPV auf Vorrat ebenfalls einstimmig gewählt. 

Sie gaben dem DBBPV den abschließenden Feinschliff (v.l.n.r.): Ulrich Reißer, DPV-Verbandssekretär, Achim Fischer, Vizepräsident BBPV Baden-Württemberg, Hartmut Lohß, DPV Vizepräsident Finanzen und DBBPV Bundesschatzmeister, Bernd Stegmaier, BBD, Ralf Meier, BBD-Vizepräsident, Michael Dörhöfer, DBBPV- und DPV-Präsident, Giuseppe Garieri, BBD-Präsident, Jürgen Hatzenbühler, DPV-Sportdirektor – nicht im Bild: Reinhard Weih, BBD-Vizepräsident.

Neben dem neuen Präsidenten Joachim Kamrad  an der Spitze gibt es eine Reihe von neuen Präsidiumsmitgliedern. Bundesjugendwart wird Sven Orend von Seiten des BBD, der BBD-Vize-Präsident Ralf Meier wurde zum Athletenvertreter Boccia gewählt, DPV-Kaderspielerin Carsta Glaser wurde für das Pétanque in dieses Amt gewählt. Die Wahlen zu DBBPV-Vizepräsidenten fielen für den BBD auf Giuseppe Garieri und für den DPV auf Michael Dörhöfer. Jürgen Hatzenbühler wurde zum Bundesgeschäftsführer gewählt und Hartmut Lohß in seinem Amt als Bundesschatzmeister bestätigt. Alle Wahlen erfolgten einstimmig.

Insbesondere Joachim Kamrad wird als neuer DBBPV-Präsident eine Menge Impulse für den frisch sanierten Dachverband einbringen. Er bringt beruflich eine Menge Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichsten Institutionen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler  Ebene mit.

Die vielen neuen Gesichter, die in diesem Zusammenhang ihr Engagement für den Kugelsport in Deutschland einbringen wollen, werden nach erfolgter Eintragung der komplett überarbeiteten  Rechtsliteratur des DBBPV auch noch einmal ausführlicher persönlich vorgestellt. Alle Beteiligten freuen sich auf die zukünftig engere Zusammenarbeit und die sich hieraus ergebenden Synergien für einen weiteren, erfolgreichen Ausbau des Kugelsports in Deutschland. Alle, die dem Kugel-Virus auf die eine oder andere Art verfallen sind, sind herzlich eingeladen, dieses neue Team in den weitestgehend neuen Strukturen nach Kräften zu unterstützen.