Pétanque-Training / Trainerwesen

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Eine sehr interessante Webseite von Franz Bröckl die sich mit Petanque Technik, Taktik und Training befasst.

„Boule spielen & Pétanque zelebrieren“

News aus den Trainerbereich
DPV-Sportdirektor Jürgen Hatzenbühler begrüßt die Sportler/innen beim ersten Hauptlehrgang zum DPV-Kader 2020.

Mitte Januar 2020 fand in der Boulehalle im saarländischen Gersweiler der Hauptlehrgang aller DPV-Kader – von den U18-Junioren bis hin zu den Senioren der 55+ Kategorie – statt. Die Direktive der Trainerstäbe aller Kader, rund um Sportdirektor Jürgen Hatzenbühler, lautete: Prüfung, Abgleich und Ergänzung der Instrumente und Methodik in der Wettkampf-Vorbereitung. Der internationale Pétanque-Sport gewinnt immer mehr an Athletik. Faktoren wie Fitness, Kondition, gezielte Koordination und mentale Disposition haben heute ein viel größeres Gewicht, als es noch vor fünf bis zehn Jahren war. Mit Jürgen Hatzenbühler sprechen wir über die Vorbereitung, Durchführung und die Ergebnisse des Lehrgangs.

DPV: Jürgen, mehr als 50 Spielerinnen und Spieler der unterschiedlichsten Altersklassen, vom Teenager bis zum Aktiven, in einer für unsere Sportart auch relevanten Gruppe, der Ü55 unter einem Dach. Und das alles gleichzeitig und das alles mit der Maßgabe, den Ansprüchen aller Teilnehmenden individuell genauso wie denen einzelner Teams gerecht zu werden – geht das?

JH: Natürlich funktioniert das – und hier hatten wir auch nicht die geringsten Bedenken. Es funktioniert, weil es dem DPV über die knapp zwei Jahre gelungen ist, einen personell und mit Bezug auf die Kompetenzen entsprechend leistungsstarken Kreis an Trainerinnen und Trainern, der sich immer noch weiterentwickelt und selbst fort- und weiterbildet, aufzubauen. Hier sind die Strukturen und Aufgaben in den einzelnen Bereichen definiert und dies führt zu einer sehr zielgerichteten Arbeit, die schneller messbare Ergebnisse liefert. Trotz des breit aufgestellten Teams hatten alle – insbesondere im Zusammenhang mit den neueren Trainingsmethoden – drei Tage lang ein extrem volles Programm mit ihren Leistungskadern. Die Aufgaben sind dabei klar zugeordnet: Stefanie Schwarzbach und Martin Kuball betreuen die Junioren, Daniel Dias und Marco Kowalski die Espoirs. Die Arbeit rund um die Kader der Senioren Damen und Herren koordiniert Philipp Zuschlag. Einen besonderen Fokus auf das Damen-Team hat Sebastian Lechner, bei den Senioren-Herren ist Martin Peter der Ansprechpartner für die Spieler. Die Themen „Fitness und Athletik“ bekommen mehr Aufmerksamkeit im Kadertraining, diese Schwerpunkte betreuen Andreas Kreile und Fritz Gerdsmeier.

Trotz dieser Zuordnungen wollen wir hier die „Systemkomponente Trainer“ noch offener über die hier gemachten Zuordnungen weiter entwickeln und noch mehr zwischen diesen Gruppen Synergien schaffen.

In der Summe stehen hier also 10 Trainer und Coaches einer Gruppe von fast 60 Spieler/innen zur Verfügung. Das ist ein Verhältnis, das in Ordnung ist, aber am ehesten noch „Luft nach oben“ hat, als in die andere Richtung.

Die Video-Analyse ist fester Bestandteil der Trainings und Sichtungen.

DPV: Nun hast Du alle Kader genannt, bis auf das neue, die Altersklasse 55+. Wer steht dieser Gruppe als Coach zur Seite?

JH: Zunächst einmal bin ich froh, dass wir im DPV nun den Schritt getan habe, ein Kader der Altersklasse 55+ ins Leben zu rufen. Wenn wir uns die letzten Europameisterschaften der sogenannten „Veteranen“ anschauen, dann stellen wir fest, dass sogar Frankreich diesen Wettbewerb inzwischen so ernst nimmt, dass sie den „Jahrhundertspieler“ Christian Fazzino und eine weitere Legende – die Bezeichnung hat er verdient – wie Marco Foyot ins Rennen schickt. Das ist nicht der einzige Grund, warum es sich kein Nationalverband mehr erlauben will, die jeweiligen Meister eines Jahres als Vertreter dort hin zu schicken. Und, machen wir uns nichts vor, diese Altersklasse ist auch im DPV zahlenmäßig beachtlich vertreten.

Für uns als sportlich Verantwortliche, ist dieses Kader natürlich Neuland. Wir haben es hier mit extrem erfahrenen Spielern zu tun, die alle gleich mehrere nationale Titel aufeinander summieren. Wir stehen hier am Anfang eines Prozesses, der dann auch klare Zuordnungen noch bringen wird.

DPV: Ist denn schon abschließend geklärt, welche Spielerinnen und Spieler in welchem Kader den DPV ab, bzw. im Jahr 2020 auf internationalem Parkett vertreten?

JH: Nein. Die Nominierungen sind ein Prozess, in den nicht nur die Trainer, sondern auch die Spieler/innen involviert sind. Man darf eines nicht vergessen: neben den technischen Qualitäten, der mentalen und taktischen Stärke, müssen die DPV-Kaderspieler/innen auf lange Sicht vor allem eines zur Verfügung stellen – und das ist Zeit. Nach wie vor ist auch die Teilnahme an Welt- oder Europameisterschaften aus Sicht der Sportler/innen ein – natürlich anspruchsvolles – „Hobby“. Das heißt, sie opfern hierfür Freizeit und Urlaubstage. Manch eine/r bekommt auch von seinem Arbeitgeber nicht die passenden Zeitfenster zur Verfügung gestellt, um „mal eben“ in Europa oder interkontinental für den DPV im Kreis zu stehen. Und das ist ein Faktor, der viel zu wenig berücksichtigt wird, wenn es aus den Reihen der Interessierten und Fans rund um den DPV heißt: „Wieso haben die den- oder diejenigen aufgestellt?“ Nicht selten haben solche Entscheidungen damit zu tun, ob die Personen Zeit haben, bzw. sich die Zeit nehmen können.

Also nochmal: sicher wissen wir schon zu 80%, wer in den einzelnen Kadern zu einer festen Größe werden wird. Aber: es ist noch nicht spruchreif, es muss noch abgewogen – und aus den beschriebenen Gründen mit den betreffenden Spieler/innen abschließend geklärt werden. Da sind nicht immer alle Kalender griffbereit, wenn es darum geht, wer denn überhaupt die Zeit zu den jeweiligen Terminen opfern kann.

Die Espoirs bei einer Zwischenbesprechung zum Stand der Dinge.

DPV: Beim Hauptlehrgang war von „neuer Methodik, neuen Instrumenten“ in der sportlichen Vorbereitung die Rede, was darf man sich darunter vorstellen.

JH: Das Trainer-Team hat hier die Hinweise aus den Kreisen der sportlichen Führung und die eigenen Erkenntnis aus eigenen Antrieb und mit sehr guten neuen Ansätzen entwickelt und eine sehr gute Blaupause für die weitere Arbeit geschaffen, die sich nun Stück für Stück erweitert und konkret umgesetzt wird.

Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich hier nur mit Stichworten konkreter werde  – und das fängt ganz harmlos an: „Fitness / Kondition“. Es ist nicht so, dass da in der Vergangenheit überhaupt kein Wert darauf gelegt wurde, aber nach unserer Beobachtung – insbesondere bei den letzten internationalen Einsätzen unserer Teams – ist auch hier noch „Luft nach oben“. Es ist nichts Neues, dass man bei einer WM oder EM bis gleich mehrere Spiele an einem Tag bestreitet, aber es ist eine sehr junge Entwicklung, dass einige Teams deutlich schneller abbauen, als andere. Und wir wollen halt mit den DPV-Mannschaften zukünftig zu denen gehören, die einen längeren Atem mitbringen. Ob und wie sich das im Einzelfall realisieren lässt, haben wir an diesem Wochenende getestet und kommen mit belastbaren Ergebnissen zurück.

Zweites Stichwort: „Taktik und Spielzüge“. Hier bringen alle Kaderspieler – ein paar Jugendliche vielleicht weniger – eine Menge eigener Erfahrung und Einschätzungen mit. Aber: das ist halt nicht einheitlich. Durch eine gemeinsame Arbeit an diesen Themen wird es dem Trainerstab gelingen, eine „DPV“-Taktik zu etablieren, entlang derer sehr klar und ohne großes Grübeln umzusetzen ist, wie sich unsere  Nationalspieler/innen in bestimmten spielerischen Situationen verhalten. Das reduziert Unsicherheiten, das reduziert Diskussionen – und das wirkt vor allen Dingen mental in Richtung der gegnerischen Teams, wenn eine Mannschaft ebenso ge- wie entschlossen agiert.

DPV: Wann können wir mit Informationen der einzelnen Trainer über deren individuelle Erkenntnisse in ihren Kadern rechnen?

JH: Wenn es nach mir geht: gar nicht! Sorry, wenn ich das so deutlich sage, ich weiß, Ihr seid als „Sprachrohr des DPV“ immer heiß darauf, möglichst zeitnah und möglichst detailliert zu berichten – aber auf dem Niveau wäre das eher kontraproduktiv. Denn: die Informationen, die Ihr über einzelne Spieler und Team-Zusammenstellungen verbreitet, die lesen diese Personen auch selbst. Und das ist nicht immer besonders erbauend. Darüber hinaus haben wir – wie in allen Sportarten in Deutschland – eine Menge Experten, die sich auf solche Informationen stürzen, diese bewerten und wenig hilfreiche Vorschläge machen, was man mit wem wo besser machen kann. Und das braucht kein Mensch, vor allen Dingen nicht unsere Spieler/innen, wenn sie befreit und erfolgreich aufspielen sollen.

Außerdem laufen da auch noch eine ganze Zeit lang die Auswertung der Berichtsbögen, der Zeitlupen-Video-Mitschnitte, der taktischen und strategischen Erkenntnisse. Auch unsere Coaches und Trainer/innen erledigen diese Aufgaben neben ihrem normalen Berufsleben – und da wäre es schlicht unangemessen, Informationen einzufordern, bevor sie für den sportlichen Erfolg dann gebraucht werden.

DPV: Ein schönes Schlusswort – Danke für das Gespräch.

Am Wochenende des 18./19. Januar 2020 fand in der Boulehalle Saarbrücken/Gersweiler ein Hauptlehrgang des DPV-Kaders statt.

Pünktlich um 9:00 Uhr begann am Samstag, dem 18. Januar 2020 der Lehrgang aller Kadergruppen des DPV. Die Kader der Jugend, Espoirs, Senioren und der Altersgruppe 55+ (alle w/m) und ihre Trainer und Coaches wurden kurz von Sportdirektor Jürgen Hatzenbühler begrüßt. Er gab in seiner Ansprache einen Ausblick auf die diesjährigen Welt- und Europameisterschaften, verwies aber auch schon auf das nächste Jahr, in dem die World Games in Birmingham/USA stattfinden.

Die erfolgreichen DPV-Espoirs von 2019 durften sich jeweils über einen neuen Satz Kugeln aus dem Angebot der Firma Boule-Paradies freuen. Ebenso erhielt der DPV-Jugendspieler Justin Neu diese Anerkennung.

In den anschließenden Begrüßungen durch den DPV Vizepräsidenten Sport Martin Schmidt und den DPV Vizepräsidenten Jugend Linus Schilling wurde dann auch noch einmal das Jahr 2019 mit den tollen sportlichen Erfolgen gefeiert. Die Spielerinnen und Spieler der U23 und der Trainer Daniel Dias aus dem letzten Jahr durften sich über ein tolles Kugelgeschenk aus den Händen der Vizepräsidenten freuen und zusammen mit dem anwesenden Kader noch einmal das „Gold, Silber, Bronze, Bronze“ nachvollziehen. Darüber hinaus wurde Justin Neu geehrt, der für die Jugend bei der letztjährigen Tireur-Weltmeisterschaft in Phnom Penh/Kambodscha eine ausgezeichnete Performance hingelegt hatte. Sein „Lauf“ wurde dort leider durch ein zwischenzeitliches leichtes Unwohlsein eingetrübt, sonst wäre für diesen jungen Spieler auf dieser großen Bühne sicher noch mehr drin gewesen.

Natürlich ist der Hauptlehrgang auch und insbesondere durch zwei Neuerungen geprägt. Zum einen wird aktuell das Fundament für ein Senioren-Kader 55+ gelegt. Die Herausforderungen in dieser Altersklasse haben inzwischen ein Niveau erreicht, dem die ursprüngliche Vorgehensweise des DPV, jeweils die Deutschen Meister zu internationalen Events zu entsenden, nicht mehr gerecht wird. Hier gibt es nun analog zu den anderen Kadern gezielte Vorbereitungen der Spieler und Spielerinnen auf die entsprechenden Einsätze. Der DPV freut sich, für das Leistungssport-Konzept der Altersklasse 55+ einen Sponsor aus der freien Wirtschaft gefunden zu haben, der sein Engagement ausdrücklich zweckgebunden für diese Gruppe einbringt.

Mit umfangreichen Unterlagen sorgt der DPV-Trainerstab für die nötige Stringenz im Ablauf des Lehrgangs.

Zum anderen kommen Veränderungen auf das DPV-Jugend-Kader zu. Hier wird es zukünftig ebenfalls nach Geschlechtern getrennte Wettbewerbe geben. Parallel zu den Triplette-Europameisterschaften der Espoirs (w/m), wird in St. Elbeuf/Frankreich, in diesem Jahr auch eine Triplette-Meisterschaft der Jugend (w/m) durchgeführt. Begleitet werden beide Turniere durch Tireur-Wettbewerbe. Auch im DPV-Jugend-Kader müssen also die Vorbereitungen auf internationale Einsätze entsprechend angepasst werden.

Nach der Begrüßung durch die Offiziellen begannen die Programme der Kadergruppen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten, die den ganzen Tag alle Energien den Spielerinnen und Spielern abverlangten. Weitere Informationen folgen in einem Nachbericht zum Hauptlehrgang.

C-Trainer verlängern ihre Lizenz am 7. und 8. Dezember in Hamburg

Coaching und Training überschneiden sich oft in der Praxis, trotzdem ist Coaching eine eigene Disziplin.

Auch im Pétanque wird sie immer wichtiger, zum Beispiel bei der Betreuung von Ligamannschaften oder Teams, die bei großen Turnieren und Meisterschaften unterwegs sind. Daher widmete sich der Workshop in Hamburg ausführlich diesem Thema.

Zehn C-Trainer aus der ganzen Republik kamen in die Hansastadt, um einerseits ihre Lizenz zu verlängern und andererseits Erfahrungen auszutauschen, die Materie zu beleuchten und zu diskutieren. Da die Veranstaltung in der Hamburger Boule-Halle stattfand, wurde die theoretische Diskussion immer wieder durch praktische Übungen ergänzt.

Die Teilnehmer brachten sich alle sehr gut ein, die Stimmung war prächtig und die Arbeit zeitigte gute Ergebnisse. Als am Sonntag-Nachmittag das Seminar zu Ende war, fuhren die Teilnehmer mit einem individuell zugeschnittenen, schriftlich fixierten „Leitfaden für Coaching im Pétanque“ nach Hause.

Teilnehmer waren David Mielchen (Dresden), Michael Schille-Schumacher (Alfeld), Heinz Kamp (Hameln), Claus-Dieter Bach (Idstein), Hermann Tetiwa (Rodgau), Christian Kunz (München), Ingrid Steep (Braunschweig), Thomas Schmieder-Jappe (Berlin), Michael Rieck (Legden), Renate Bäßmann (Hannover). Referent: Martin Koch (Hamburg)

Marco Kowalski wechselt vom Abwurfkreis in die Coaching-Zone

Gerade in diesem Jahr ist er zum zweiten Mal Vize-Europameister in der Altersklasse Espoirs geworden, fünf Mal war er Landesmeister in Hessen, zwei mal in Folge wurde er Deutscher Meister bei den Espoirs – und mit diesem Jahr scheidet Nationalspieler Marco Kowalski aus dieser Altersklasse aus. Seit 2016 ist er Mitglied im DPV-Kader und will diesem auch in Zukunft erhalten bleiben – nun als besonders erfahrener Coach.

„Wir freuen uns, dass mit Marco ein erfahrener ehemaliger Espoir-Kaderspieler unser Trainerteam verstärkt. Marco hat in seiner Zeit im Kader der U23 zwei mal die EM-Silbermedaille mit seinem Team gewinnen können und verfügt daher über die Kenntnis, wie die Kaderarbeit und internationale Events ablaufen. Er kennt die Spielerinnen und Spieler sowie die Arbeit von Espoir-Bundestrainer Daniel Dias und bringt daher die Voraussetzung mit, nahtlos in das Team zu finden. In der kommenden Zeit wird ihn Daniel Dias anleiten und in die Trainertätigkeit einführen.Damit ist nun auch der Espoir-Kader mit zwei Trainern ausgestattet und kann so in die neue Saison starten.  Ich wünsche beiden eine fruchtvolle und harmonische Zusammenarbeit.

Linus Schilling, DPV-Vizepräsident Jugend

Seit März 2018 leitet Philipp Zuschlag verantwortlich den Trainer-Stab des Deutschen Pétanque Verbandes. Bereits bei der Übernahme dieser Aufgabe erklärte er einen strategischen Wechsel bei der Aufstellung der Teams. Zuschlag geht es hierbei in erster Linie um den „Spirit“, den der Zusammenschluss von vier Spieler*innen auf internationalem Parkett entwickeln und leben kann. Seine Strategie hat weniger den Fokus auf die technischen Fähigkeiten der Einzelnen, als vielmehr auf die mentale Disposition innerhalb der Mannschaft. Einer seiner Leitsätze hierbei lautet: „Man kann nicht erfolgreich sein, wenn sich ein Team aus Spielern zusammensetzt, von denen einige unbedingt gewinnen und einige auf keinen Fall verlieren wollen. Beide Einstellungen können zum Sieg führen, aber innerhalb einer Mannschaft treffen hier Welten aufeinander, die am Ende den Erfolg gefährden.“

Das Interview führte Christoph Roderig

CR: Philipp, knapp anderthalb Jahre ist es jetzt so, dass Du im DPV-Spitzensport „den Hut auf“ hast. Deine ursprüngliche Intention auf dem Weg zum Erfolg haben wir bereits beschrieben. Entsprechen die bisherigen Ergebnisse Deinen Erwartungen?

PZ: Unsere Einschätzung war von Anfang an, dass wir ein wenig Zeit brauchen, bevor wir Erfolge sehen, die über das in der Vergangenheit Erreichte hinaus gehen. Auf dem Weg dahin überraschte uns dann selbst das Erreichen des Viertelfinales bei der WM in Kanada. Den Sieg über Madagaskar hatten wir – zumal in dieser Deutlichkeit – nicht erwartet. Bei den fünf Weltmeisterschaften in Almeria/Spanien erreichten die DPV-Teams in drei Disziplinen die Hauptrunde, auch dieses Ergebnis war keine Selbstverständlichkeit. Insofern entsprechen diese Ergebnisse nicht nur unseren Erwartungen, sondern liegen ein bisschen höher als die eigentliche Messlatte.

Philipp Zuschlag (hinten 3. v.r.) mit der DPV-Delegation bei den Weltmeisterschaften in Almeria/Spanien.

CR: Als Bundestrainer einer Sportart in Deutschland ist man nie allein. Jogi Löw hat geschätzt im Schnitt 8 Millionen Assistenten vor den Fernsehern sitzen, bei Dir sind es in den Live-Übertragungen von internationalen Wettkämpfen im Schnitt 500 Zuschauer. Wie sind die Reaktionen aus der „Pétanque-Szene“ auf Eure Arbeit?

PZ: Das Feedback in der Szene ist durchweg positiv, insbesondere bei Pétanque-Sportlern die auf dem Niveau Deutscher Meisterschaften oder Internationaler Wettbewerbe unterwegs sind. Hier sind es vor allen Dingen persönliche Gespräche am Rande von Turnieren, sowie E-Mails oder Chats, in denen wir uns austauschen. Bei einigen Veröffentlichungen auf privaten oder Vereins-Homepages schütteln wir hingegen oft genug den Kopf, wenn sie an uns herangetragen werden. Da schwingt häufig eine sehr hohe Abneigung gegenüber allem mit, was unter der DPV-Flagge geschieht und manches wird schlicht falsch dargestellt. Letztlich kann man aber sagen, dass alle, die sich tatsächlich mal mit uns unterhalten, am Ende zumindest viel Verständnis für unsere Arbeit mitbringen und uns die Daumen drücken. Ich denke im Rahmen unserer Möglichkeiten wird uns auf diese Art und Weise ein überwiegend guter Job bestätigt.

CR: Insbesondere Wechsel in der Besetzung des Kaders sind häufig Anlass zu Diskussionen und sehr sensibel zu behandeln. Wie ist da die Strategie des DPV-Trainerstabes?

PZ: Wir haben im Trainerstab lange diskutiert, welche Spielidee wir zukünftig verfolgen wollen, um die bestmöglichen Ergebnisse bei großen Turnieren zu erreichen. Wir setzen auf eine offensive und aktive Spielweise, bei der wir nicht auf Fehler des Gegners angewiesen sind. Entlang dieser Philosophie werden wir zukünftig die Kader mit den am besten hierzu passenden Spielertypen besetzen. Wir wollen zudem bis 2020 einen Kader aufbieten, der den hohen Herausforderungen – insbesondere auf internationalem Parkett – gewachsen ist.

Im Rahmen der Neuausrichtung hat das Trainer-Team jetzt zwei Entscheidungen getroffen: für die EM 2019 haben wir vier Kaderspieler nominiert – und um die taktische Flexibilität im aktuell voll besetzten Kader zu erhöhen, werden wir dort drei Spieler vor der Saison 2020 herausnehmen.

CR: Welche Spieler werden den DPV denn auf der EM vertreten?

PZ: Für Deutschland spielen auf der EM 2019 Andre Skiba, Raphael Gharany, Marco Lonken und Moritz Rosik. Wir erwarten von diesem Team ein erfrischendes und offensives Spiel. Alle vier Spieler sind auch für den Kader 2020 vorgesehen und sind ein guter Mix aus Erfahrung, aktueller Form und Teamgeist. Das Trainer-Team hatte bis zu acht Spieler auf der Shortlist. Für diese vier haben wir uns letztlich entschieden. Vincent Probst ist der „offizielle Nachrücker“. Auch wenn das natürlich ein bisschen davon abhängt welcher Spieler „ausfallen“ würde.

CR: Und welche Spieler werden nicht zum Kader 2020 gehören?

PZ: Jannik Schaake, Jan Garner und Pascal Keller werden dem Kader ab 2020 nicht mehr angehören. Alle drei sind bekanntermaßen exzellente Pétanque-Sportler, coole Typen und haben sich immer vorbildlich verhalten – umso schwerer fiel uns diese Entscheidung auf einer persönlichen Ebene. Ich selbst habe die drei echt gern und habe ja auch mit Jannik und Pascal schon einige Male Turniere gespielt. Alle drei haben auch über Jahre sehr viel für den DPV geleistet. Als wir ihnen die Entscheidung jeweils telefonisch mitgeteilt haben, waren es überraschend angenehme Gespräche. Alle sind sehr professionell damit umgegangen. Wie gesagt, auf einer persönlichen Ebene eine total schwierige Entscheidung, wir sind aber dennoch davon überzeugt, dass wir einen gewissen Freiraum im Kader benötigen um – vielleicht sogar spontan – neue Spieler aufnehmen zu können. Ganz sicher wird es auch noch ein offizielles Dankeschön aus dem DPV für das Engagement der drei Spieler geben.

CR: In Präzisionssportarten wie dem Pétanque wird mentales Training ein immer größeres Thema – welche Pläne hat der DPV-Trainerstab in diese Richtung?

PZ: Das Trainer-Team ist innerhalb meiner Zeit als Bundestrainer häufiger mit dem Thema Mentaltraining in Berührung gekommen. Wir haben sehr verschiedene Charaktere im DPV-Kader und eine entsprechende unterschiedliche Bedürfnissituation. Wir glauben nicht an „Impulsvorträge“ zum Thema Mentaltraining und einmalige Aktionen, aber sehr wohl sehen wir in einem längerfristigen und kontinuierlichen Training in diesem Bereich sehr hohes Potenzial für einen Leistungszuwachs bei unserer Spieler*innen. Wir arbeiten mit den sportlich Verantwortlichen beim DPV daran, eher mittelfristig den Kaderspielern ein entsprechend ausgereiftes Angebot zukommen lassen zu können. In letzter Instanz ist das aber auch eine finanzielle Frage. Beim jetzigen DM Triplette Sieg von Robin, Flo und Moritz konnte das Mentaltraining unseres Trainerstabs mit den Spielern zumindest schon einen ganz kleinen Beitrag zum Sieg leisten.

CR: Wir haben jetzt nur über die Herren gesprochen. Wie geht es im Damenkader weiter?

PZ: Auch bei den Damen steht die Nominierung für die WM 2019 in Cambodia an. Hier werden wir demnächst die Entscheidungen bekannt geben. Und ebenfalls bei den Damen werden wir den jetzigen Kader erst einmal verkleinern und die bereits beschriebene Spielidee vorgeben. Damit schaffen wir auch in diesem Kader die Voraussetzung in 2020 neue Spielerinnen aufzunehmen und das Team noch wettbewerbsfähiger zu machen. Offizieller Sichtungstermin 2019 wird der Länderpokal im November. Wir sind guter Dinge im Anschluss daran den Gesamt-Kader für 2020 final benennen zu können.