Das für unsere Verhältnisse kleine Turnier in Ungarn fand 20 km südlich von Budapest auf einem etwa 1000 qm grossen Bouleplatz inmitten des Dorfes statt.

Diese Reise erst möglich gemacht hatte Ex-Präsident der Ungarischen Pétanque Föderation und Mäzen des budapester Vorstadtclubs.

Übernachtungskosten, komplette Verpflegung und Transport übernahm Joséf Szabó.

Einzig die Fahrt nach Ungarn (ein Flug ist schon allein für 50 € zu bekommen) musste vom Sportetat übernommen werden und deshalb wählten wir als kostengünstigen Ausgangsort Bayern.

Die Wahl fiel auf Katrin Schweiger (ehemalige DPV-Jugendkaderspielerin und Jugend-EM-Teilnehmerin 2002), Raphael Gharany (DPV-Jugendkader, EM-und WM-Jugendspieler 2003 und 2004) und Ulli Dehne (ehemaliger DPV-Jugendkaderspieler).

Warum so jung – und warum diese Spieler?

Zwei der Drei fallen in den Bereich der Espoirs, der 18-25 jährigen Großtalente. Diese in Zukunft stärker zu fördern und zu unterstützen ist eines meiner Anliegen.

Oft genug kommt es vor, daß gute Jugendliche nach ihrem Ausscheiden aus DPV- und LV-Jugend-Kader in der boulistischen Versenkung verschwinden und kaum noch – trotz hervorragender Anlagen – wiedergesehen werden. Hier sind v.a. die Landesverbände gefordert, solche Talente nicht fallen zu lassen und deren Fortschritte auch dem Vize-Sport des DPV zu melden.

Ich kann nach diesen Ungarn-Erfahrungen zukünftig voll und ganz empfehlen, solche Einladungen ins benachbarte Ausland durchzuführen, wenn möglich, nur mit „Espoirs“, Nachwuchsspielern bzw. Vor-Kader-Spielern zwischen 18 und 25.

dabei könnten Espoirs aus NRW in z.b. Holland oder Belgien antreten, junge Spieler aus BAWÜ in Ostfrankreich oder der Schweiz, aus Rheinlandpfalz/Saarland/Hessen in Belgien, Luxemburg oder Ostfrankreich, aus Nord/Niedersachsen in Holland oder Dänemark, Berliner und Thüringer in Tschechien und Polen, bayerische Espoirs in Österreich, Tschechien, Slowenien oder wie dieses mal, in Ungarn. So erst einmal als Gedanke für die Zukunft.

Da die Strecken nicht zu lang sind, fallen auch die Kosten sehr moderat aus!

Der Aufenthalt in Ungarn

Mit Partypavillions, Grillhendlwagen und etwa einem dutzend Zuschauern herrschte Grill- und Familienfestatmosphäre.

Die Freundlichkeit, Gastfreundschaft und das sich um uns Kümmern muss ich wirklich ganz besonders herausstellen:

Freitag abends lud man uns auf ein deutsch-ungarisches Fest mit Feuerwerk ein, das von den „Donauschwaben“ Budapests veranstaltet wurde (=deutschstämmige Ungarn).

Samstag abends und nachts dann folgte eine Fahrt durch Budapest bei Nacht, bei dem uns der deutsch sprechende Sohn des ehemaligen Präsidenten des ungarischen Verbands begleitete. Dieser war z.b. auch 1999 an der Jugend-WM in Thailand für Ungarn spielend dabei und kann sich z.B. noch gut

an die damalige DPV-Spielerin Anna-Lena Ludwig erinnern.

Beendet wurde unser Besuch in der Nacht von Samstag auf Sonntag durch die Teilnahme an der grossen Stadtparty an der Donau zu Ehren der einjährigen Mitgliedschaft Ungarns in der EU.

Das Turnier

Stolz waren die Ungarn natürlich darüber, dass nun auch einmal der DPV zu ihnen gekommen war.

Das Ergebnis ist da nicht der entscheidenste Faktor, denn dass unsere drei ‚Youngster‘ das Turnier nach acht Spielen ohne Niederlage beendeten, war uns Angereisten eigentlich bald klar geworden, obwohl die Jugendnationalspieler Ungarns auch an diesen Mixte-Tripletten teilnahmen.

Die sonst jedes Jahr anwesenden Tschechen hatten leider an diesem Wochenende ihre WM-Qualifikation.

Joséf Szabó, Organisator und Finanzier dieses Turniers, hatte wie erwähnt für Unterkunft, komplette Verpflegung und Transport gesorgt, sodass wir auch während des Turniers durchweg umsorgt waren.

Die Kommunikation war problemlos, aber lustig: Eine ungarische Spielerin half mit französisch während des Turniers aus, und den Rest handelten Joséf und ich mit deutschen, englischen und russischen Begriffen aus. Mit diesem Springen in insgesamt 4 Sprachen klappte das besser als erwartet und weitestgehend ohne Dolmetscher!

Katrin Schweiger, Ulli Dehne und Raphael Gharany zeigten eine durchweg professionelle Einstellung (gerade auch gegen diese schwächeren Teams) und waren hoch motiviert. Das lag vielleicht auch daran, dass alle Drei mit einer solchen Berufung nie mehr gerechnet hatten und sich deshalb mit besonders großem Engagement und vorbildlichem Auftreten beim nationalen Verband bedankten.

Der Nutzen – Osteuropäer demnächst auf deutschen Großturnieren

Kritiker jeglicher Auslandsreisen gibt es immer wieder.

Für die Espoirs ist diese Art der Förderung allerdings wichtig, fördert sie doch das Vertrauen und dient der Vorbereitung auf mögliche höhere Aufgaben der Sportler. Der DPV zeigt damit, dass jeder einzelne, viel versprechende Spieler für den Verband wichtig ist und zählt.  

Dass die Ungarn mit nur etwa 30 Jugendlichen, von denen nur etwa 10 wirklich mit vollem Engagement Pétanque betreiben, ein großes Interesse an Turnieren wie dem Eurojuniormasters haben, war mir von Vorgesprächen her bereits bekannt. Die verteilten Düsseldorf-sur-place-Postkarten für die Juniturnier-Tage gingen weg wie warme Semmeln, allerdings wirkt sich hier der Kostenfaktor einer solchen Reise für die Ungarn als Hinderungsgrund aus: Bei Familien, die meistens nicht mehr als 400 € zum Leben haben, kann man das auch verstehen! Und beim ungarischen Verband sind solche Besuche (noch) nicht im Programm. Ich hoffe, das in Zukunft ändern zu können, geht es hier doch auch um eine internationale Aufwertung unserer heimischen Turniere und damit um eine bessere Vermarktung bei unseren Medien und Sponsoren.

Ich bleibe mit den Ungarn weiter in engem Kontakt!

Freudiges kann ich noch vom Russischen Pétanque Verband vermelden:

Meine zahlreichen Besuche bewirken heuer, dass eine grosse Delegation zum Hofgartenturnier nach München kommt, nächstes Jahr dann wohl auch nach Düsseldorf!

Europa wächst zusammen – jetzt auch boulistisch !!!