Die Halbfinalspiele um den Titel im Tir de Précision waren von der Nervosität der Spieler getragen. Kein Wunder, dass die Leistungen nicht an das bisher Gezeigte heranreichten.

 

Bild unten: Yann Nauta von der Südseeinsel Tahiti schied mit einem dürftigen 20 Punkte Ergebnis gegen den Franzosen Pascal Milei (35) aus.

Bild: Die Halbfinals fanden hintereinander statt. Zuerst qualifizierte sich der Franzose Milei.

Im darauf folgenden Halbfinale war der erst 21-jährige Abdessamad Menkari mit 18 Punkten noch etwas erfolgloser als Nauta. Sein Kontrahent, Sylvain Rakotoarivelo reichten durchschnittliche 36 Punkte zum Einzug ins Finale der Weltmeisterschaft.

Das Finale war da schon etwas spannender und besser!

RAKOTOARIVELO Sylvain: 14 – 9 – 9 – 5 – 15 = 52
MILEI Pascal: 14 – 4 – 8 – 7 – 8 = 41 

Mit dem letzten Atelier und dem Schiessen aufs But erklomm der Madagasse – ein bisher ziemlich unbekannter Spieler, das Siegerpodest.

1. Platz und Gold für Sylvain Rakotoarivelo – Madagaskar. Zweites Gold überhaupt erst für Madagaskar im Seniorenbereich.

  Gruppenbild mit Stoffhäschen

NATIONENCUP:

Achtelfinale:

Monaco 13:10 Malaysia

Thailand 1 13:4 Niederlande

Kroatien 13:8 Australien 

Belgien 13:0 Norwegen

Laos 13:6 U.S.A.

Slowenien 13:8 Senegal

Mauritius 13:7 Djibouti

Schweden 13:10 Singapur

Einzig Slowenien gelang das Kunststück, als Gruppenzweiter mit dem Senegal einen Gruppensieger des 2. Nationenpoules geschlagen zu haben. Alle anderen Spiele waren Favoritensiege.

Die Kroaten um Stipe, Michael und Tino mussten nun aber erneut gegen Belgien spielen.

Schweden tat sich weiterhin sehr schwer und konnte von Glück sagen, gegen Singapur zu 10 gewonnen zu haben.

Die Holländer waren jetzt bereits ausgeschieden.

Phusa-Ads Thailand unterhielt die insgesamt von dem WM-Verlauf enttäuschten thailändischen Zuschauer mit nicht gerade überzeugendem Pétanque.

Viertelfinale:

Mauritius 13:8 Laos

Thailand 1 13:7 Monaco

Belgien 13:8 Kroatien

Schweden 13:5 Slowenien

Das Aus für Slowenien und Kroatien. Mauritius überraschend im Halbfinale des Nationencups. Favoriten bleiben Thailand 1 und Belgien.

Das WM-Viertelfinale und -Halbfinale

Das Erreichen des Viertelfinales des Coupe des Nations für Slowenien und Kroatien (einschließlich dem frühzeitig ausgeschiedenen Vietnam), der fünfte Gesamtplatz der Deutschen bei der WM und der WM-Titel für Frankreich 1 bezeugen, dass die erste Gruppenphase für das deutsche Team kein Zuckerschlecken war, sondern die Vorrunden-Gruppe C ein schwerer WM-Poule gewesen ist, den auch ich mehr unter- als überschätzt hatte.

Zwar waren die Leistungen z.B. gegen Bulgarien oder Vietnam indiskutabel, doch kann der gesamt-zweite Platz dieser Gruppe und das damit verbundene, anschließend bessere Gruppenlos gegen z.B. Neuseeland als Fundament für den späteren fünften Platz des DPV gesehen werden. Die notwendige, deutliche Leistungssteigerung im Achtelfinalpoule gegen die Elfenbeinküste und gegen Finnland rundeten den großen Erfolg erst richtig ab.

Ergebnis-gesättigt und locker ging das Team ins Viertelfinale gegen Tunesien. Daniel Voisin hatte sich Tahiti als Gegner gewünscht, jetzt waren es die Nordafrikaner geworden.

Deutschland begann das Viertelfinale mit Patrick, Jan und Jannik.

Vizeweltmeister Tunesien hatte mit drei ehemaligen Weltmeistern (Tarek Lakili, Sami Attalah und Khaled Lakhal) bestückt Grund genug, hoch konzentriert und engagiert gegen die deutsche Equipe zu spielen. Die Zeiten, in denen ein nordafrikanisches Team so nebenbei dem DPV eine Fanny beibrachte sind vorbei.

Dieselbe Konzentriertheit wie bei den Tunesiern vermißte ich bei unserem Team, das von der ersten Aufnahme an unter gehörigen Druck gerieten. Deutschland begann. Die erste Kugel – ein schönes Portée von Patrick, geriet viel zu weit nach links und war schon mal fernab verloren. Von da an lief erst einmal gar nichts mehr im Team. Die Kugeln versprangen plötzlich auch wieder und zeitgleich sank die Trefferquote. Nach vier Aufnahmen war das Spiel schon fast entschieden (0:11).

Statistik:

Terrain 11: Deutschland : Tunesien (0:4, 0:7, 0:9, 0:11, 2:11, 2:12, 3:12, 3:13)

Martin Winter hat in seinem kritischen Bericht – als neutrale Instanz, denn sowohl seine Litauer wie auch die Schweizer waren ja schon ausgeschieden – beschrieben, wie das Verhalten einiger Viertelfinalisten/Halbfinalisten am Besten zu beschreiben sei:

Zitat: „Die Resultate ab dem Viertelfinal unterstreichen jedoch, dass eine Mehrzahl dieser Teams nicht an die Möglichkeit glaubt, den Weltmeistertitel zu erringen. Eine Mehrzahl dieser Nationen aus dem ersten Drittel ist denn auch mit einer guten Platzierung zufrieden. Einzig das Team Madagaskar trat aggressiv und mutig auf und war aufgrund dieser Tatsache in der Lage, die zwei Französischen Teams zu bedrängen.“

Dem pflichte ich bei. Zu keinem Zeitpunkt konnte ich den Willen erkennen, gegen Tunesien als Sieger vom Platz gehen zu wollen.

Ähnliches wiederfuhr den Polynesiern im Spiel gegen Italien (0:13) und den Marokkanern gegen Frankreich 1 (1:13).

Die Madagassen schließlich verabreichten dem Weltmeister Frankreich 2 eine rasche Fanny – wunderbar gespielt.

Und auch im späteren Halbfinale gab es noch Nationen, die „satt“ wirkten.

Ähnlich wie unsere Deutschen mit dem Vorjahrsergebnis von Platz Fünf schon innerlich zufrieden, sah man auch im Halbfinale den Italiener die gleiche Zufriedenheit über das Erreichen des Vorjahresergebnisses mit Platz 3 an. Sang- und Klanglos gaben sie sich gegen die Franzosen am Sonntagmorgen auf und verloren das Halbfinale 3:13, wobei sie sich auch schon bei hohem Rückstand lächelnd und scherzend mit den Franzosen unterhielten. Es schien fast, als wollten sie gar nicht ins Finale gelangen.

Tunesien unterlag schließlich auch im Halbfinale den Madagassen mit 3:13, weil sie einfach nicht in der Lage waren, den Afrikanern vom indischen Ozean das Wasser reichen zu können.

Wie schon im Tir de Précision hieß das Finale also Madagaskar gegen Frankreich.

Die Madagassen – immerhin eine Nacht des Feierns des WM-Titels im Tir de Précision hinter sich, waren bei weitem nicht mehr so stark wie Tags zuvor bei der Fanny gegen den damaligen Weltmeister Michel Loy, Sylvain Dubreuil, Pascal Milei und Didier Chagneau.

Diese Disziplinlosigkeit (= feiern vor Beendigung des Wettkampfes der WM) war es schließlich dann wohl auch, die den Madagassen den WM-Titel für das Team kosten sollte.

Nicht nur Daniel Voisin fiel es auf, wie zäh sich deren Spiel am Sonntag hinzog. Vor dem Finale wollte sich zudem kein Madagasse einspielen, während die Franzosen sich 30 Minuten akribisch aufs Finale vorbereiteten.

Nicht Wenige, die die Afrikaner an die Tribünen gelehnt stehen sahen, meinten unisono, dass das nicht gut gehen könne.

Bild: Die Tribünen füllten sich sichtlich zum Finale hin…

Bild: Zuschauermenge vor den Finals.

NATIONENCUP: Halbfinale und Finale:

Thailand 1 13:8 Mauritius

Peinlich zu sagen: Bis zur Auswechslung von Star Phusa-Ad sah Mauritius wie der sichere Gewinner aus. Schon früh 6:0 in Front wechselte allerdings deren Glück, als der zweifache Tireurweltmeister der Thais, der die ganze Zeit vorlegte, auf die Bank gerufen wurde.

Belgien 13:2 Schweden

Rein europäisches Duell, bei dem die Nordeuropäer chancenlos waren. Weiterhin schwache Turnierleistung der Schweden, die somit ausschieden.

Das Finale:

Belgien 13:12 Thailand 1

Zum Abschluss des Nationencups ein spannendes und interessantes Spiel beider Teams. Endlich kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Obwohl die Europäer gewannen, galt der Abschlussapplaus beiden Teams, die sich hier einen echten Fight geliefert hatten.

Für Belgien war der Turniersieg im Coupe des Nations ein versöhnlicher Ausklang einer ansonsten von inneren Spannungen getriebenen Weltmeisterschaft.

Abschließender Teil 10: Finale der Weltmeisterschaft, Siegerehrung, Galadinner-Bilder, internationale Berichterstattung zur WM im Überblick.