Der DPV-Vizepräsident Sport, Christoph Roderig, hatte sich am Freitag-Abend vor dem Kadertraining mit dem Bundestrainer Daniel Leguet zusammen gesetzt um über den Verlauf der nächsten beiden Tage zu sprechen. Da Daniel Leguet der deutschen Sprache nicht mächtig ist, half Lara Eble, Kadersprecherin der Damen, als Übersetzerin.

Trotz der Übersetzungen schienen einzelne Punkte, spezielle Vorschläge seitens Roderig, nicht als solche beim Bundestrainer anzukommen, sondern eher als Maßgaben für den Verlauf des Kadertrainings und einem Wechsel in der Kaderarbeit insgesamt. Ein spezieller Punkt betraf hierbei die Art und Weise und die wesentlichen Faktoren im Zusammenhang mit der Bildung der Mannschaften.

Daniel Leguet wollte sich aber offensichtlich Diskussionen ersparen und nahm Roderigs Vorschläge widerspruchslos zur Kenntnis.

Am Samstag folgte dann ein erster Teil von Übungen, der von Daniel vorbereitet war. Zunächst sollten sich die Kaderspieler bei lockeren Spielen aufwärmen, dann wurde ein Übungsparcour mit sechs Stationen aufgebaut, an denen jeweils ein Betreuer die Ergebnisse der einzelnen Sportler notierte. Dies dauerte bis in den Mittag – anschließend ging es in die Pause zum Essen.

Leguet hatte für den zweiten Teil des Tages noch kein konkretes Programm. Entsprechend präsentierte Roderig noch einmal seine persönlichen Pläne für das Kadertraining – über die er schon am Vorabend berichtet hatte – und diese wurden dann auch umgesetzt.

Zunächst wurden von allen Spielern Videoaufnahmen gemacht, zwölf Kugeln beim Schießen und zwölf Kugeln beim Legen. Damit für die Sportler keine zu langen Wartezeiten entstehen, wurde das Kader in zwei Gruppen von jeweils zwölf Personen aufgeteilt. Die eine Hälfte war dann bei den Video-Aufnahmen, während die andere Hälfte mit dem Bundestrainer Lege-Übungen machte.

Das Ganze dauerte ca. eine Stunde. Anschließend wurde das Gesamt-Kader dann in Damen, Senioren und Junioren aufgeteilt.

Der nächste Programmpunkt waren nun Partien verschiedener Mannschaftsaufstellungen gegeneinander. Dabei hatte Roderig in der Mittags-Pause seine Formationen und Spieler-Positionen notiert – und Leguet ebenfalls seine Teams. Zunächst spielten die Roderig-Mannschaften gegeneinander, dann die Aufstellungen des Bundestrainers. Roderig schrieb hierbei jeweils bei einer der Begnungen die einzelnen gespielten Kugeln mit und dokumentierte den Gesamtverlauf der Partien.

Die Spiele sollten eigentlich bis 19.00 Uhr dauern und den Tag dann beschließen, waren allerdings schon gegen 17:45 Uhr beendet.

Als Roderig sich mit der Frage nach Ideen für die letzte Stunde des Samstag an den Bundestrainer wandte, winkte dieser nur verärgert ab und fragte nach, wann Klaus Eschbach käme. Der DPV-Präsident hatte sein Erscheinen für den späten Nachmittag angekündigt. Roderig konnte die Frage nicht abschließend beantworten – und der Bundestrainer zeigte sich überraschend verägert.

Roderig bat Lara Eble als Übersetzerin hinzu und Leguet sagte: „Wir haben hier den ganzen Tag nichts gemacht! Wir haben nur gespielt! So kann ich nicht arbeiten!“

Nach diesen Worten packte Leguet seine Sachen zusammen und verschwand Richtung Hotel. Dabei ließ er einen völlig perplexen Roderig auf dem Platz zurück.

Es wurde dann noch eine Runde gepielt und danach der Samstag beendet.

Abends saß Roderig dann mit den Helfern des Trainings, Willi Brückner, Frank Rißmann und Thomas Hucke und mit dem DPV-Vizepräsidenten Jugend Uli Stratmann im Hotel-Restaurant an einem Tisch und diskutierte darüber, was Leguet an dem Tag nicht gepasst haben könnte. Vor allen Dingen stand die Frage im Raum, warum er sich nicht zwischenzeitlich beschwert, sondern erst zum Ende des Tages seinem Ärger freien Lauf gelassen hatte.

Leguet kam gegen 20:30 Uhr ebenfalls in das Restaurant, setzte sich aber sofort an einen anderen Tisch.

Gegen 21:00 Uhr erschien DPV-Präsident Klaus Eschbach. Er begrüßte zunächst seine Vorstands-Kollegen und die Helfer-Truppe und setzte sich dann zu Daniel Leguet an den Tisch.

Nach fünf Minuten stand er wieder auf und ging erneut an den anderen Tisch. Eingermaßen erregt fragte Eschbach: „Was ist denn mit dem Daniel los? Der ist total sauer und will seinen Vertrag mit dem DPV nicht verlängern!“ Roderig erklärte dann den Verlauf des Tages und auch die anderen Anwesenden brachten Ihre Erkenntnisse mit ein. Klaus Eschbach wechselte dann mit diesen Informationen wieder an den Tisch des Bundestrainers.

Nach einer guten Stunde wurden schließlich Christoph Roderig und Uli Stratmann an den Tisch des DPV-Präsidenten und des Bundestrainers gebeten und es folgte ein halbstündige Diskussion. Dabei ging es in erster Linie um Kompetenzen und Arbeitsteilung zwischen dem Bundestrainer und dem DPV Vizepräsidenten Sport. Ganz deutlich wurde nun das Kommunikations-Problem aufgrund der Sprachschwierigkeiten. Leguet betonte hierbei mehrfach, dass er so wie an dem Samstag nicht arbeiten könne – und dass er vor allen Dingen nicht mit diesem Vizepräsidenten Sport zusammenarbeiten könne.

Gegen 23:00 Uhr kam dann der Vorschlag von Uli Stratmann, der sagte: „Also gut, wir müssen hier jetzt entscheiden, ob der DPV weiter mit Daniel Leguet arbeitet oder nicht!“ Daraufhin antwortete Christoph Roderig: „Wir entscheiden hier und heute überhaupt nichts mehr, wir werden jetzt alle eine Nacht darüber schlafen und setzen uns morgen früh noch einmal wegen des Themas zusammen.“ Dieser Vorschlag wurde allgemein angenommen und man ging wieder auseinander.

Das Frühstück war für den nächsten Morgen um 8:30 Uhr anberaumt.

Gegen 8:00 Uhr am nächsten Morgen erklärte dann Klaus Eschbach das Kader-Training für beendet und stellte den Kaderspielern frei, am zeitgleich stattfindenden Turnier in Rastatt teilzunehmen. Um 8:15 Uhr kam der DPV-Vizepräsident Sport zum Frühstück und wurde ebenfalls hierüber in Kenntnis gesetzt.

Gegen 8:30 Uhr gab es dann ein Dreier-Gespräch Eschbach/Leguet/Roderig auf dem Flur vor dem Frühstücksraum, in dem Daniel Leguet mehrfach wiederholte, unter den Umständen, dass sich der Vizepräsident Sport in der Art und Weise wie am Vortag in die Kaderarbeit einmischt, nicht weiter für den DPV arbeiten zu wollen. Christoph Roderig betonte hingegen, dass er eine aktive, gestalterische Mitarbeit beim Bundeskader als eine der wichtigen Aufgaben eines DPV Vizepräsidenten Sport ansieht.

Abschließend formulierte Christoph Roderig die Einsicht, dass der DPV unter den gegebenen Umständen entweder einen neuen Bundestrainer oder einen neuen Vizepräsidenten Sport braucht.

Daniel Leguet reiste gegen 8:45 Uhr grußlos ab.