40 Senioren-WM, Grenoble, Deutschland gegen Niederlande

Die Niederländer unterliegen den Spaniern nach hartem Kampt.

Im Poule der Deutschen hatte Spanien die Niederlande besiegt. Nun kam es also zur Begegnung der beiden Verlierer. Die Niederländer marschierten sofort beeindrucken los. Der Tireur hatte nicht einen Fehlschuss, Frank Schepers als Milleu erfüllte jede Aufgabe ohne Schnitzer – die Deutschen lagen sehr schnell mit 1:8 zurück.

Nicht zuletzt das Deutsche Publikum, das unser Team lauthals anfeuerte, hatte dann aber Anteil an einer Aufnahme, in der unsere Spieler 5 Punkte machen konnten. Ein ohnehin auch in dieser Partie fast fehlerfreier Hannes Bloch brachte seine beiden Kugeln zwingend, sowohl Kim als auch Kamel trafen sicher und die Niederländer hatten dem plötzlichen Druck nichts entgegen zu setzen.

Das war allerdings nur ein kurzes Aufflackern der technischen und taktischen Möglichkeiten, die die Deutschen grundsätzlich haben. Weiter ging es dann mit provinziellem Boule, das unsere Mannschaft laufend in der Defensive hielt. Die Niederländer spielten mutig und konsequent, die Deutschen präsentieren sich zurückhaltend und bedacht. Die Punkte quälten sich dahin, 8:6, 9:6, 9:7, 11:7, 11:9… Das Team des DPV entschied in der Regel nur dann Aufnahmen für sich, wenn die Niederländer Fehler machten, ein Loch schossen oder Kugeln verlegten.

Leider nicht ungewöhnlich waren Situationen, in denen der Gegner zum Beispiel einen Punkt, 40 cm links neben dem Schweinchen hatte und die Deutsche Kugel 45 cm gerade vor der Sau lag. Es wurde geschossen, leider gelocht – und dann zunächst mal beraten. Diese Beratungen erschienen allerdings eher als „Theaterdonner“, danach wurde sowieso erst einmal eine Kugel gelegt – und da konnten die Fans noch so laut: „Schiesst doch das Ding weg!!!“ brüllen.

Der DPV bewies eindrucksvoll, dass er von einem Niveau, dass theoretisch Siege gegen Mannschaften wie Tunesien, Madagaskar oder Spanien möglich machen würde, noch Lichtjahre entfernt ist – insofern hätte uns auch ein Sieg und dann eine Barrage gegen Tunesien nicht wirklich weiter gebracht.

Das Ergebnis 11:13 täuscht also insofern, als dass die Deutschen sich nicht „herangekämpft“ hatten, sondern die Niederländer schwächer wurden. Allerdings scheint es auch in den taktischen Grundregeln unserer Mannschaft noch Reserven zu geben – so war es zum Beispiel in der Regel so, dass jeweils der Tireur der Deutschen noch die letzte Kugel auf der Hand hatte – warum auch immer…

Pétanque auf internationalem Niveau scheitert im Deutschen Team sicher nicht daran, dass unsere Spieler nicht legen oder schießen könnten. Zu beschreiben, was dem DPV fehlt, würde sicher mehrere Seiten füllen. Ich glaube, das was ich im Zusammenhang mit meinen nicht vorhandenen Möglichkeiten zur Arbeit als Pressewart unseres Verbandes hier vor Ort gesagt habe, bringt auch die Art und Weise der sportlichen Präsenz des DPV auf den Punkt: „Ich komme mir hier vor wie in einem Taucheranzug auf einer Pyjama-Party!“

Nun spielen die Deutschen also im Nationencup – die laufenden Partien konnte ich bis jetzt leider nicht verfolgen, melde mich aber hierzu später.

Kim Rieger musste dann heute Nacht noch um ca. 1:00 Uhr im Tireur-Wettbewerb gegen Madagaskar antreten. Auch sein Tag hatte spätestens um 7:30 Uhr angefangen und die weit länger als zweistündige Partie gegen die Niederlande steckten im sicher auch noch „in den Knochen“. Insofern ist die Seriosität dieses Wettbewerbs aus meiner Sicht erheblich anzuzweifeln. Kim verlor 28:50 und schied somit im Achtelfinale aus dieser Weltmeisterschaft aus. Auch der Weltmeister Philippe Quintais musste sich in der Barrage mit einer überraschend schwachen Leistung verabschieden.

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