Mit Schreiben vom 5. Mai 2020 wurden die Bundestrainer Martin Peter und Philipp Zuschlag durch den DPV persönlich schriftlich darüber informiert, dass die Zusammenarbeit aufgekündigt wird.

In der Folge dieser Entscheidung erklärten die Trainer Fritz Gerdsmeier, Andreas Kreile und Frank Lückert solidarisch ihren Rücktritt aus dem DPV-Trainerstab.

In weiterer Folge zogen Manuel Strokosch, Sascha Löh, Moritz Rosik, Christoph Fisch und Marco Lonken die Konsequenz, auf ihren Status als Nationalspieler zu verzichten.

Der DPV bedauert die Rücktritte im DPV-Herren-Senioren-Kader und bedankt sich bei allen Betroffenen für die teilweise jahrelange Unterstützung und die Leistungen auf internationalem Parkett.

Im Folgenden nimmt das Präsidium nun Stellung zu verschiedenen „offenen Briefen“ der Spieler und Trainer.

Was ist die Strategie für eine Trainerentwicklung beim DPV?

In 2018 und den folgenden Jahren wurden umfangreiche Maßnahmen seitens des neuen Präsidiums unternommen, einen eigenen Trainerstab aus Spielern und Spielerinnen des DPVs auszubilden. Seinerzeit gab es nur zwei Trainer für den gesamten Kaderbereich.

Die neuen Trainer wurden zum Teil direkt vom DPV ausgebildet und/oder die Kosten dafür vom DPV getragen. Selbst nach den Rücktritten stehen dem DPV noch fünf Trainer (ein Trainer mit B-Schein, drei Trainer mit C-Schein, ein Trainer in Ausbildung) zur Verfügung, weitere Verpflichtungen stehen kurz vor dem Abschluss.

Wie kam es zu den Entlassungen im Seniorenbereich?

Im Senioren-Kader gab es einen ungewöhnlichen personellen Aufbau an Trainern, da man aus zeitlichen Gründen die vielen Veranstaltungen auf mehrere Schultern verteilen wollte. Dies wurde vom Präsidium genehmigt.

In Folge dessen entwickelte sich eine Eigendynamik im Bereich Kommunikation, einhergehend mit immer größeren Autonomiebestrebungen. Diese „Schieflage“ in der Fremd- und Selbsteinschätzung der Rolle als DPV-Bundestrainer wurde erstmalig am 26. Januar 2020 durch die DPV-Verantwortlichen in einem umfangreichen Dokument analysiert und den Trainern zur Verfügung gestellt. Es folgten persönliche Treffen/Videokonferenzen in unterschiedlichen Besetzungen, die überwiegend ergebnislos blieben.

Eine ausschlaggebende Eskalationsstufe wurde erreicht, als der DPV-Leistungssportausschuss mit den Trainern der Senioren-Kader das neue Organigramm in einer Video-Konferenz besprechen wollte. Hier kam es dann sehr kurz vor dem Meeting zu einem eigenen, recht umfangreichen Papier der Trainer, das einer zeitintensiven Neubewertung bedurfte.

Spätestens jetzt war klar, dass zumindest einzelne Personen unter den Trainern nicht das geringste Verständnis dafür entwickeln wollten, wer im DPV Konzepte erstellt und wer selbige eigenverantwortlich umsetzt. Der DPV-Sportdirektor hat die anberaumte Konferenz daraufhin zunächst auf die Folgewoche verschoben. Als Reaktion hierauf erhielt er unmittelbar die harsche Reaktion eines Trainers, der sich massiv über die Verschiebung beschwerte. Dieser Trainer bekam ebenso unmittelbar eine Indikation, dass man sich auf dem nun erreichten Niveau des Umgangs miteinander von ihm trennen möchte.

In einer eigens hierfür angesetzten Video-Konferenz des DPV-Vorstands wurden dann die Briefe/Gesprächsprotokolle der letzten 3 Monate gesichtet und bewertet. Danach stimmte das DPV-Präsidium einstimmig für eine Trennung von Teilen der Trainer.

Warum nicht schon früher und warum nicht mehr Kommunikation mit den Spielern /-Innen im Vorfeld?

Das Präsidium hatte sich mit Blick auf anstehende Nominierungen und internationale Einsätze dazu entschieden, dass der Leistungssportausschuss genügend Zeit bekommt eine Einigung über ein gemeinsames Konzept mit den Trainern zu erzielen. Spieler und Spielerinnen sollten sich ungestört auf die Meisterschaften fokussieren.

Was erfolgte nach den Kündigungen?

Vor und in der Folge dieser Kündigungen gab es sowohl schriftliche als auch fernmündliche Kommunikation von Spielern zu Funktionären als auch umgekehrt. Dies ist ein völlig normaler Vorgang, der unter anderem in der DPV-Athleten-Erklärung unter Punkt 9 beschrieben wird. Dort wird auch beschrieben, dass Spieler/innen frei in der Wahl sind, mit wem sie beim DPV sprechen möchten.

Zu diesem völlig normalen Vorgang gehört es auch, dass das Präsidium versucht Nationalspieler, die eine Absicht äußern den Kader verlassen zu wollen, zu halten und umzustimmen.

Ist der DPV konzeptlos?

Der DPV hat 2018 einen Strukturplan mit dem DOSB erarbeitet, der bis 2021 Gültigkeit hat. Ferner existiert ein Dokument „Kaderkriterien für den Leistungssport im Deutschen Pétanque-Verband“ welches zusammen mit dem Strukturplan eingereicht wurde. Auf dieser Grundlage erfolgen die Fördermittelbewilligungen mit der Freiheit, Anpassungen in der sportfachlichen Hoheit vornehmen zu dürfen.

Das Dokument für 2021 ist bereits in Vorbereitung und wird noch detaillierter unser Leistungssport-Konzept beschreiben. Zu den Elementen gehören:

  • Einheitliches Leistungssportkonzept durch alle Kaderbereiche (Zusammenführung Jugendliche / Erwachsene)
  • Trainerausbildung (auf aktuellstem Stand)
  • Stützpunktstruktur (in Arbeit)
  • Leistungssportpersonalkonzept (Vorschlag liegt vor)
  • Qualitätsmanagement (in Arbeit)
  • Kaderkonzept (Kaderrichtlinien erledigt)

Fazit :

Wir hoffen Vertrauen, welches wir bei dem einen oder anderen verloren haben, wieder zurückzugewinnen und werden die vergangenen Wochen bei der nächsten Präsidiumssitzung besprechen und entsprechend Anpassungen aus dem Gelernten vornehmen.

In einer nicht einfachen Zeit mit vielen Absagen und sportlichem Stillstand ist es auch normal, dass sich Emotionen ein Ventil suchen. Eine alte Weisheit sagt: „Man trifft sich immer zweimal im Leben.“ Wir sind uns sicher, dass mit der Rückkehr in eine weitestgehende Normalität, sich alle Beteiligten und Betroffenen auf den Bouleplätzen des Landes und der Welt über den Weg laufen, in die Augen schauen und die Hand reichen können.