Marco Kowalski wechselt vom Abwurfkreis in die Coaching-Zone

Gerade in diesem Jahr ist er zum zweiten Mal Vize-Europameister in der Altersklasse Espoirs geworden, fünf Mal war er Landesmeister in Hessen, zwei mal in Folge wurde er Deutscher Meister bei den Espoirs – und mit diesem Jahr scheidet Nationalspieler Marco Kowalski aus dieser Altersklasse aus. Seit 2016 ist er Mitglied im DPV-Kader und will diesem auch in Zukunft erhalten bleiben – nun als besonders erfahrener Coach.

„Wir freuen uns, dass mit Marco ein erfahrener ehemaliger Espoir-Kaderspieler unser Trainerteam verstärkt. Marco hat in seiner Zeit im Kader der U23 zwei mal die EM-Silbermedaille mit seinem Team gewinnen können und verfügt daher über die Kenntnis, wie die Kaderarbeit und internationale Events ablaufen. Er kennt die Spielerinnen und Spieler sowie die Arbeit von Espoir-Bundestrainer Daniel Dias und bringt daher die Voraussetzung mit, nahtlos in das Team zu finden. In der kommenden Zeit wird ihn Daniel Dias anleiten und in die Trainertätigkeit einführen.Damit ist nun auch der Espoir-Kader mit zwei Trainern ausgestattet und kann so in die neue Saison starten.  Ich wünsche beiden eine fruchtvolle und harmonische Zusammenarbeit.

Linus Schilling, DPV-Vizepräsident Jugend

Seit März 2018 leitet Philipp Zuschlag verantwortlich den Trainer-Stab des Deutschen Pétanque Verbandes. Bereits bei der Übernahme dieser Aufgabe erklärte er einen strategischen Wechsel bei der Aufstellung der Teams. Zuschlag geht es hierbei in erster Linie um den „Spirit“, den der Zusammenschluss von vier Spieler*innen auf internationalem Parkett entwickeln und leben kann. Seine Strategie hat weniger den Fokus auf die technischen Fähigkeiten der Einzelnen, als vielmehr auf die mentale Disposition innerhalb der Mannschaft. Einer seiner Leitsätze hierbei lautet: „Man kann nicht erfolgreich sein, wenn sich ein Team aus Spielern zusammensetzt, von denen einige unbedingt gewinnen und einige auf keinen Fall verlieren wollen. Beide Einstellungen können zum Sieg führen, aber innerhalb einer Mannschaft treffen hier Welten aufeinander, die am Ende den Erfolg gefährden.“

Das Interview führte Christoph Roderig

CR: Philipp, knapp anderthalb Jahre ist es jetzt so, dass Du im DPV-Spitzensport „den Hut auf“ hast. Deine ursprüngliche Intention auf dem Weg zum Erfolg haben wir bereits beschrieben. Entsprechen die bisherigen Ergebnisse Deinen Erwartungen?

PZ: Unsere Einschätzung war von Anfang an, dass wir ein wenig Zeit brauchen, bevor wir Erfolge sehen, die über das in der Vergangenheit Erreichte hinaus gehen. Auf dem Weg dahin überraschte uns dann selbst das Erreichen des Viertelfinales bei der WM in Kanada. Den Sieg über Madagaskar hatten wir – zumal in dieser Deutlichkeit – nicht erwartet. Bei den fünf Weltmeisterschaften in Almeria/Spanien erreichten die DPV-Teams in drei Disziplinen die Hauptrunde, auch dieses Ergebnis war keine Selbstverständlichkeit. Insofern entsprechen diese Ergebnisse nicht nur unseren Erwartungen, sondern liegen ein bisschen höher als die eigentliche Messlatte.

Philipp Zuschlag (hinten 3. v.r.) mit der DPV-Delegation bei den Weltmeisterschaften in Almeria/Spanien.

CR: Als Bundestrainer einer Sportart in Deutschland ist man nie allein. Jogi Löw hat geschätzt im Schnitt 8 Millionen Assistenten vor den Fernsehern sitzen, bei Dir sind es in den Live-Übertragungen von internationalen Wettkämpfen im Schnitt 500 Zuschauer. Wie sind die Reaktionen aus der „Pétanque-Szene“ auf Eure Arbeit?

PZ: Das Feedback in der Szene ist durchweg positiv, insbesondere bei Pétanque-Sportlern die auf dem Niveau Deutscher Meisterschaften oder Internationaler Wettbewerbe unterwegs sind. Hier sind es vor allen Dingen persönliche Gespräche am Rande von Turnieren, sowie E-Mails oder Chats, in denen wir uns austauschen. Bei einigen Veröffentlichungen auf privaten oder Vereins-Homepages schütteln wir hingegen oft genug den Kopf, wenn sie an uns herangetragen werden. Da schwingt häufig eine sehr hohe Abneigung gegenüber allem mit, was unter der DPV-Flagge geschieht und manches wird schlicht falsch dargestellt. Letztlich kann man aber sagen, dass alle, die sich tatsächlich mal mit uns unterhalten, am Ende zumindest viel Verständnis für unsere Arbeit mitbringen und uns die Daumen drücken. Ich denke im Rahmen unserer Möglichkeiten wird uns auf diese Art und Weise ein überwiegend guter Job bestätigt.

CR: Insbesondere Wechsel in der Besetzung des Kaders sind häufig Anlass zu Diskussionen und sehr sensibel zu behandeln. Wie ist da die Strategie des DPV-Trainerstabes?

PZ: Wir haben im Trainerstab lange diskutiert, welche Spielidee wir zukünftig verfolgen wollen, um die bestmöglichen Ergebnisse bei großen Turnieren zu erreichen. Wir setzen auf eine offensive und aktive Spielweise, bei der wir nicht auf Fehler des Gegners angewiesen sind. Entlang dieser Philosophie werden wir zukünftig die Kader mit den am besten hierzu passenden Spielertypen besetzen. Wir wollen zudem bis 2020 einen Kader aufbieten, der den hohen Herausforderungen – insbesondere auf internationalem Parkett – gewachsen ist.

Im Rahmen der Neuausrichtung hat das Trainer-Team jetzt zwei Entscheidungen getroffen: für die EM 2019 haben wir vier Kaderspieler nominiert – und um die taktische Flexibilität im aktuell voll besetzten Kader zu erhöhen, werden wir dort drei Spieler vor der Saison 2020 herausnehmen.

CR: Welche Spieler werden den DPV denn auf der EM vertreten?

PZ: Für Deutschland spielen auf der EM 2019 Andre Skiba, Raphael Gharany, Marco Lonken und Moritz Rosik. Wir erwarten von diesem Team ein erfrischendes und offensives Spiel. Alle vier Spieler sind auch für den Kader 2020 vorgesehen und sind ein guter Mix aus Erfahrung, aktueller Form und Teamgeist. Das Trainer-Team hatte bis zu acht Spieler auf der Shortlist. Für diese vier haben wir uns letztlich entschieden. Vincent Probst ist der „offizielle Nachrücker“. Auch wenn das natürlich ein bisschen davon abhängt welcher Spieler „ausfallen“ würde.

CR: Und welche Spieler werden nicht zum Kader 2020 gehören?

PZ: Jannik Schaake, Jan Garner und Pascal Keller werden dem Kader ab 2020 nicht mehr angehören. Alle drei sind bekanntermaßen exzellente Pétanque-Sportler, coole Typen und haben sich immer vorbildlich verhalten – umso schwerer fiel uns diese Entscheidung auf einer persönlichen Ebene. Ich selbst habe die drei echt gern und habe ja auch mit Jannik und Pascal schon einige Male Turniere gespielt. Alle drei haben auch über Jahre sehr viel für den DPV geleistet. Als wir ihnen die Entscheidung jeweils telefonisch mitgeteilt haben, waren es überraschend angenehme Gespräche. Alle sind sehr professionell damit umgegangen. Wie gesagt, auf einer persönlichen Ebene eine total schwierige Entscheidung, wir sind aber dennoch davon überzeugt, dass wir einen gewissen Freiraum im Kader benötigen um – vielleicht sogar spontan – neue Spieler aufnehmen zu können. Ganz sicher wird es auch noch ein offizielles Dankeschön aus dem DPV für das Engagement der drei Spieler geben.

CR: In Präzisionssportarten wie dem Pétanque wird mentales Training ein immer größeres Thema – welche Pläne hat der DPV-Trainerstab in diese Richtung?

PZ: Das Trainer-Team ist innerhalb meiner Zeit als Bundestrainer häufiger mit dem Thema Mentaltraining in Berührung gekommen. Wir haben sehr verschiedene Charaktere im DPV-Kader und eine entsprechende unterschiedliche Bedürfnissituation. Wir glauben nicht an „Impulsvorträge“ zum Thema Mentaltraining und einmalige Aktionen, aber sehr wohl sehen wir in einem längerfristigen und kontinuierlichen Training in diesem Bereich sehr hohes Potenzial für einen Leistungszuwachs bei unserer Spieler*innen. Wir arbeiten mit den sportlich Verantwortlichen beim DPV daran, eher mittelfristig den Kaderspielern ein entsprechend ausgereiftes Angebot zukommen lassen zu können. In letzter Instanz ist das aber auch eine finanzielle Frage. Beim jetzigen DM Triplette Sieg von Robin, Flo und Moritz konnte das Mentaltraining unseres Trainerstabs mit den Spielern zumindest schon einen ganz kleinen Beitrag zum Sieg leisten.

CR: Wir haben jetzt nur über die Herren gesprochen. Wie geht es im Damenkader weiter?

PZ: Auch bei den Damen steht die Nominierung für die WM 2019 in Cambodia an. Hier werden wir demnächst die Entscheidungen bekannt geben. Und ebenfalls bei den Damen werden wir den jetzigen Kader erst einmal verkleinern und die bereits beschriebene Spielidee vorgeben. Damit schaffen wir auch in diesem Kader die Voraussetzung in 2020 neue Spielerinnen aufzunehmen und das Team noch wettbewerbsfähiger zu machen. Offizieller Sichtungstermin 2019 wird der Länderpokal im November. Wir sind guter Dinge im Anschluss daran den Gesamt-Kader für 2020 final benennen zu können.

Die Pétanque-Trainer Norbert Koch und Michael Weise haben eine umfangreiche Sammlung von Anleitungen zu den Themen Technik, Taktik, mentales Training und Teambuilding ausgearbeitet. Der DPV freut sich, dieses Werk – das sich nicht nur an Anfänger richtet – unterstützen zu dürfen.

Zum DPV-Masters „Festival de Pétanque“ vom 8. – 10. Juni 2019 am Düsseldorfer Rheinufer wird diese Ausarbeitung erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Hier geht es zum Internet-Auftritt der Ausarbeitung.

Vom 28.7. bis zum 2.8.2019 gibt es die Möglichkeit im Süden Deutschlands an einer Trainer Ausbildung teilzunehmen. Weiterlesen

Vom 2. bis 5. Mai 2019 finden im spanischen Almeria gleich fünf Weltmeisterschaften statt: Doublette Damen, Doublette Herren, Doublette Mixte, Tét Damen und Tét Herren.

Die Spielerinnen Carsta Glaser und Luzia Beil werden für den DPV an dreien dieser Wettbewerbe teilnehmen: beide als Doublette Damen, Carsta am Tét Damen und Luzia mit Robin Stentenbach am Doublette-Mixte. Vierter im Bunde ist der DPV-Kaderspieler Manuel Strokosch.

Natürlich habe alle Vier bereits intensive Trainings- und Vorbereitungseinheiten hinter sich. Luzia und Carsta haben allerdings darüber hinaus das Wochenende vom 6./7. April dazu genutzt, gemeinsam an zwei Turnieren teilzunehmen – begleitet wurden sie hierbei von DPV-Coach Frank Lückert.

Zunächst führte ihr Weg nach Geinsheim in Hessen, wo an diesem Tag 103 Doublette-Teams um die vorderen Plätze kämpften. Schon die zweite Partie (nachdem die erste souverän gewonnen worden war) verlangte hier den Damen einiges ab, denn der Boule-Gott ist bekanntlich mit den Schwächeren – und das waren in diesem Fall die Gegner des DPV-Teams. Zweimal schießt dieses Team unglücklich die eigene Kugel – und bewegt so beide Male die Zielkugel versehentlich auf eine Position, die unser Team Punkte kostet. Es war ein zähes Ringen, das Carsta und Luzia über die Stationen 3:7, 7:7, 10:7 am Ende mit 13:11 für sich entscheiden können.

Diese Partie wird zwischen Coach und Spielerinnen ausführlich analysiert und man findet den einen oder anderen Punkt, an dem man taktisch hätte vorteilhafter agieren und reagieren können. Die Analyse trägt jedenfalls Früchte, das dritte Spiel geht mit 13:01 nach einem fehlerfreien Auftritt an die DPV-Damen.

Im 4. Spiel, dem Halbfinale, ist dann überraschender Weise „die Luft raus“. Nach einer 8:1-Führung müssen sich Carsta und Luzie 9:13 geschlagen geben. Dabei hatten die beiden beim Stand von 8:12 noch fünf Kugeln, der Gegner keine mehr. Trotzdem kann hier nicht mehr als ein Punkt errungen werden. Dass es in Sachen „Fitness“ also noch „Luft nach oben“ gibt, erkennen Spielerinnen und Coach als einen ganz klaren Auftrag in dieser Endphase der WM-Vorbereitung.

Ein dritter Platz bei einem Turnier mit über 100 Mannschaften ist allerdings alles andere als ein Warnsignal in Sachen Leistungsstärke!

Carsta Glaser, Coach Frank Lückert und Luzia Beil.

Sonntags beim Turnier in Bornheim/Pfalz

Direkt am nächsten Tag ging es weiter zu einem Doublette-Turnier mit 54 Teams, die in 5 Runden Schweizer System gegeneinander antraten. Hier schlagen die DPV-Damen im ersten Spiel ein starkes französisches Team mit 13:6.

In der nächsten Partie geben unsere Spielerinnen in der ersten Aufnahme gleich 4 Punkte ab – auf internationalem Parkett sicher nicht empfehlenswert, den Gegner direkt solchen Rückenwind zu bescheren.  Dabei bleibt es dann aber auch, mit 13:4 wird auch dieses Spiel gewonnen.

Auch in der dritten Partie kommt es zunächst zu einem 1:4-Rückstand – mit Sicherheit ein Thema in der Analyse. Hier ist es dann auch so, dass sich der gegnerische Tireur nicht gerade sportlich verhält. Ein Mittel dagegen ist es dann, ihn abzudecken, wenn die eigene Spielerin im Kreis steht. Carsta und Luzia bleiben in der Folge souverän, geben noch ein paar Punkte ab, siegen aber auch hier schließlich mit 13:9.

Das vierte Spiel wird mit 13:4 gegen erwartungsgemäß starke Gegner gewonnen, der letzte Sieg in Runde 5 bleibt leider verwehrt, die Partie wird mit 5:13 verloren. Aber auch hier ist der dritte Platz eher Ansporn als Anlass zur Sorge. Bei solchen Vorbereitungen ist es auch wichtiger und hilfreicher, letzte Schwachstellen zu identifizieren, als jeweils Pokale mit nach Hause zu bringen.

Es war aufschlussreich und mit Sicherheit ein brauchbarer Anschub um die letzten Vorbereitungen auf einen Podestplatz in Spanien noch gezielter anzugehen.

Jürgen Albers, der Herausgeber des Magazins “Au fer“, das die Berichterstattung über Boule und Pétanque in Deutschland lange Zeit geprägt hat, hat in den 90er Jahren ein sehr schönes Essay über den „Knoten im Arm“ veröffentlicht. Beschrieben hat Albers in diesem Text eine Situation, die jeder ambitionierte Boule-Spieler wahrscheinlich schon einmal erlebt hat: wenn plötzlich „gar nichts mehr geht“. Eine Blockade der „Augen-Hand-Koordination“, die beim Pétanque für Fehlschüsse und verlegte Kugeln sorgt.

Wenn man die einzelnen Techniken des Legens und Schießens beherrscht, trifft die folgende Feststellung in der Regel zu: „Eine Partie Pétanque wird zu 90% im Kopf gewonnen!“ Es ist das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Konzentration und Zerstreuung, zwischen der Euphorie, die einer genialen Kugel folgt und der Frustration über das genaue Gegenteil. Und hier spielt nicht nur das persönliche Befinden eine Rolle, sondern auch die Beziehung, die Spielerinnen und Spieler in einer Mannschaft zueinander haben. Die mentale Disposition, die Fähigkeit der Anpassung und der Anspruch an den Verlauf der Partie sollten bei einzelnen Team-Mitgliedern nicht zu weit auseinander liegen. Ein Spieler, der mit dem Vorsatz antritt, eine Partie gewinnen zu wollen, wird mit einem Spieler im eigenen Team, dessen oberstes Ziel es ist, die Partie nicht zu verlieren, nur schwer erfolgreich sein. Zu weit liegen bei beiden die entsprechenden Taktiken auseinander.

Eben weil insbesondere die Spieler und Spielerinnen des DPV-Kaders die Techniken des Legens und Schießens in besonderer Weise beherrschen, drehte sich beim ersten Workshop unserer Pétanque-Leistungssportler 2019 im saarländischen Gersweiler alles um den „Kopf“ und darum, die passenden „Köpfe“ zu erfolgreichen Mannschaften zusammenzustellen.

Eine Auswahl der Spielerinnen und Spieler des DPV-Kaders 2019 mit dem Trainerteam.

Mit dieser Zielsetzung im eigenen Kopf, hatte Bundestrainer Philipp Zuschlag bereits über einen längeren Zeitraum nach Co-Trainern gesucht, die den Herausforderungen, die mit einem solchen Richtungswechsel in der Qualifizierung unserer Nationalmannschaften einhergehen, am ehesten gerecht werden  – und er hat sie gefunden.

Co-Trainer Frank Lückert aus dem hessischen Rüsselsheim bringt schon als Sportwart in seinem Landesverband eine Menge Pétanque-Erfahrung jenseits des eigenen Spiels mit. Neben der Welt der Eisenkugeln hat Frank allerdings noch eine ganz andere Qualifikation: er ist (wenn auch ebenfalls als Hobby) professioneller Artist. Und wer bei dem Wort „Artist“ direkt an einen Zirkus denken muss, liegt bei Frank Lückert genau richtig, die Manege war über mehr als zwanzig Jahre seine zweite Heimat.

Nun, welche besonderen Fähigkeiten kann ein Star aus der Manege einem Nationalspieler des DPV vermitteln? Da ist zum einen das Zauberwort „standardisierte Bewegungen“. Wer mit seinem Körper wie auch immer geartete Kunststücke vorführt, hat – spätestens vor dem großen Publikum – keine Gelegenheit mehr, über das nachzudenken, was er da gerade tut. Und hier ist auch schon das zweite Stichwort gefallen: „Publikum“. Es ist die eine Sache, ob ich mit zwei Sportsfreunden zu einem Dorf-Turnier fahre, um mir das Preisgeld für den ersten Platz abzuholen – und eine völlig andere Herausforderung, wenn ich vor großer Kulisse in einer Halle für mein Land antrete. Letzteres darüber hinaus noch in dem Wissen, dass vor den heimischen Monitoren in der Spitze mehr als 500 Leute ebenfalls gespannt beobachten, ob und wie erfolgreich ich bin. Es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen, welche Beiträge Frank Lückert mit seiner speziellen Qualifikation zur Ausbildung der Deutschen Nationalmannschaften leisten soll.

Nun fällt es auch nicht schwer, den Bogen zum zweiten Co-Trainer zu schlagen: Martin Peter aus Bensheim. Der leidenschaftliche und erfahrene Boulespieler im Landesverband Hessen folgt beruflich ebenfalls einer Profession, die die Ziele einer mentalen Stabilität und gelungenen Team-Bildung in den deutschen Nationalmannschaften perfekt unterstützen. Martin leitet mit einer Partnerin das „Institut für musikalisches Lernen“ in Bensheim. Auch er kennt als staatlich anerkannter Berufsmusiker und Pädagoge in seinem Bereich die Bedeutung von „standardisierten Bewegungen“. Wer als Pianist einen kurzen Moment überlegen muss, welche Tasten jetzt in welcher Kombination als nächstes zu drücken sind, sorgt nicht nur optisch, sondern vor allen Dingen auch akustisch für einen wenig glänzenden Auftritt. Auch „Lampenfieber“ ist Martin nicht fremd, insbesondere in seiner Arbeit als Coach für Bands im Bereich Populärmusik als auch für Musiker der Klassik. Er ist außerdem Feldenkraislehrer, eine Qualifikation, die er auch jenseits der schönen Klänge zum Einsatz bringt. Mit einer Abhandlung zu letzterer Technik wollen wir den Rahmen dieser Veröffentlichung nicht sprengen. Wen es interessiert, der oder die möge den Begriff bei Google eingeben – und sollte es nicht versäumen, dort auch direkt nach „Neuronaler Plastizität“ zu fragen.

Abgerundet wird das Trainerteam rund um Philipp Zuschlag durch den Präsidenten des Bayerischen Pétanque-Verbandes, Sebastian Lechner und den Münchener Andreas Kreile. Die beiden Boule-Urgesteine werden dafür sorgen, dass das Mental-Training kein Übergewicht bekommt. Kreile spielt seit 1991 und hat in dieser Zeit sämtliche bayerischen Titel mindestens einmal gewonnen – Lechner ist ein Boule-Kosmopolit, bei dem die Frage, in welchen Ländern er noch nicht gespielt hat, schneller beantwortet ist als umgekehrt.

Die „Marschrichtung“, die Philipp Zuschlag in der Kaderarbeit des DPV mit dem Präsidium abgestimmt hat und nun durchsetzt ist klar: Kampf dem Knoten im Arm.

In diesem ersten Workshop unter der neuen Überschrift ging es insbesondere darum, dass sich die Coaches und Spieler/innen einander vorstellen. Sicher kannten sich schon viele über eine lange Zeit, aber einige eben auch nicht. So wurde auch nicht nur spezifische Fragen rund um Technik und Taktik gestellt, sondern zum Beispiel auch solche, wie: „Hast Du schon mal eine Partie vor dem Ende abgebrochen – und wenn ja, warum?“, „Auf was freust Du Dich am Wochenende?“ oder „In welcher Situation hast Du beim Boule das letzte Mal richtig herzlich gelacht?“

Nach dieser Runde aus Gesprächen und Theorie ging es am Samstag-Morgen in die Praxis. Ein erstes Training der Spieler und Spielerinnen in der Halle wurde von Videomitschnitten in Zeitlupe begleitet, die anschließend besprochen und bewertet wurden. Es war erfreulich, dass sich selbst „alte Hasen und Häsinnen“ auf die Vorschläge der Trainer einließen, woran sie grundsätzlich noch einmal arbeiten sollten. Nach der Mittagspause ging es dann mit einem kleinen Turnier weiter, im Verlaufe dessen Mannschaftsaufstellungen probiert und das taktische Verhalten der einzelnen Teams beobachtet und zur späteren Besprechung dokumentiert wurde.

Der Sonntag war wiederum geprägt von Einzelgesprächen, die ohne Zeitdruck und sehr intensiv geführt wurden. Hier ging es nicht nur um die Erwartungshaltung des DPV an die Leistungsstärke seiner Nationalmannschaften, sondern auch darum, was denn die Spielerinnen und Spieler an Vorschlägen und Wünschen in Richtung des Trainer-Teams loswerden wollten. In einer Abschlussrunde wurde der Workshop als absolute Bereicherung in der Entwicklung des DPV-Kaders bewertet.

Der Kaderspieler Jannik Schaake hat kurz nach dem Wochenende bereits aus erster Hand einen lesenswerten Artikel auf seinem Info-Portal www.petanque-aktuell.de veröffentlicht – ein Klick auf den Link lohnt sich.

Informationen zum Espoir-Kader und Jugend-Kader, die ebenfalls ihre ersten Treffen 2019 absolviert haben, folgen in Kürze.

Vom 9. bis zum 12. Juli 2018: intensive Tage in der Sportschule Hachen. Hier fand das Aufbaumodul, bzw. der 1. fachspezifische Lehrgang in der Trainerausbildung „C“ des BPV NRW statt. Weiterlesen

In Kooperation mit dem DPV bietet der BPV NRW in diesem Jahr eine fachliche Ausbildung Trainer C Pétanque an.

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Lizenzverlängernde Fortbildung für Trainer C im April 2018

Von „Life Kinetik“ bis zum „DPV Sportabzeichen“

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Mit Stand 16.01.2018 ist die neue Liste zugelassener Kugeln durch die FIPJP herausgegeben worden.

Wir bitten um Beachtung.

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