Erfahrungen gesammelt, Tolles erlebt und ein dickes Dankeschön
von Thomas Schumann · Veröffentlicht · Aktualisiert
Autor: Michael Dörhöfer
Während Moritz mit Papa bereits am Vorabend angereist war, machten sich die übrigen drei Spieler am Mittwochmorgen auf den Weg. Nach rund 700 Kilometern beziehungsweise acht Stunden Fahrt trafen wir alle pünktlich zur Deadline um 15 Uhr am Veranstaltungsort ein. Schnell wurde klar, warum dieser Zeitpunkt so wichtig war.
Im VIP-Bereich warteten bereits die Ausrüstungs- und Bekleidungspakete auf die Spieler. Darin befanden sich kurze und lange Hosen, T-Shirts, Hemden für den Abend und die Anreise zum Platz sowie Jacken – teilweise sogar personalisiert. Was zunächst nach einer unkomplizierten Ausgabe aussah, entwickelte sich schnell zu einer kleinen Herausforderung. Während einige Teams sofort zugriffen, ließen wir uns etwas mehr Zeit. Schließlich waren wir zunächst einfach froh, überhaupt ausgestattet zu sein.
Doch dann stellte sich heraus: Einige Kleidungsstücke waren zu klein, andere zu groß. Das große Tauschen begann. Unsere französischen Kollegen waren dabei etwas schneller und hatten sich die begehrten Größen bereits gesichert. Am Ende konnten wir jedoch innerhalb des Teams alles so organisieren, dass jeder ordentlich aussah und sich gleichzeitig auf dem Platz frei bewegen konnte.
Anschließend begrüßte uns der Organisator mit einer tollen Ansprache. Hinter den Kulissen herrschte auf engem Raum eine ganz besondere Atmosphäre. Dort trafen sich alle Spieler, und man merkte sofort, was für großartige Persönlichkeiten in diesem Sport unterwegs sind. Selbst Mannschaften, die wir vorher kaum kannten, begegneten uns ausgesprochen freundlich. Natürlich geht es um Wettbewerb, aber der Umgang miteinander war fast familiär. Später wurden sogar Tipps ausgetauscht und Erfahrungen geteilt. Man muss wirklich sagen: Hier treffen nicht nur außergewöhnliche Spieler aufeinander, sondern auch außergewöhnliche Menschen.
Besonders schön war der Umgang mit den jungen Fans. Als die Kinder nach Autogrammen fragten, nahmen sich die Spieler viel Zeit für sie. Die Erwachsenen wollten meist ein Foto, die Kinder dagegen lieber eine Unterschrift. Diese Nähe und Herzlichkeit machen die Masters de Pétanque zu etwas ganz Besonderem.
Nachdem die Kleiderfrage geklärt war, tauchte bereits die nächste Herausforderung auf: Für Daniel fehlte zunächst ein Satz Kugeln. Nach einer kurzen Suchaktion konnte er sich schließlich direkt am Obut-Stand mit passendem Material versorgen.
Da zuvor die Jugend- und Damenwettbewerbe stattgefunden hatten, standen die eigentlichen Plätze zunächst nicht zum Einspielen zur Verfügung. Unser Team nutzte deshalb einen recht beanspruchten Nebenplatz, um die ersten Kugeln zu werfen. Die meisten anderen Mannschaften nahmen das eher gelassen. Unsere Spieler wollten jedoch jede Möglichkeit nutzen, sich auf die Bedingungen einzustellen.
Dann ging es auf das Carré d’Honneur. Schon dort herrschte eine besondere Atmosphäre. Vier Plätze, acht Teams, zahlreiche Zuschauer und dazu laute Musik, die erst mit Beginn der Spiele etwas zurückgedreht wurde. Gemeinsam mit Saskia, Verena, Martin Vater von Moritz, Christoph und mir saßen wir in der ersten Reihe und konnten alles hautnah verfolgen.
Der Start verlief vielversprechend. Die ersten beiden Aufnahmen gingen an uns, und beim Stand von 3:0 beziehungsweise 5:2 mit Kugelvorteil schien sogar noch mehr möglich zu sein. Doch dann kam eine dieser Situationen, die den Pétanque-Sport so gnadenlos machen können. Wie Verena später treffend sagte: „Irgendwie machen am Ende die die Punkte, die die ersten Kugeln schlecht gespielt haben.“
Nach einem starken Schuss von Daniel lief das Cochonet dorthin, wo es nicht sein sollte. Es entwickelte sich eine wilde Aufnahme. Die Franzosen nutzten ihre Chance jedoch eiskalt. Mit einem perfekten Carreau-Schuss räumte Madison Durk den Platz frei und somit erzielten unsere Gegner gleich vier Punkte. Aus einem möglichen 6:0 oder sogar 7:0 wurde somit plötzlich ein 3:4.
Genau das zeichnet diese Mannschaften aus: Gibt man ihnen den kleinen Finger, nehmen sie den ganzen Arm. Zwar konnten wir später noch einmal punkten und hatten durchaus weitere Chancen, das Spiel enger zu gestalten. Es fehlte jedoch immer wieder das letzte Quäntchen Präzision und Selbstverständlichkeit. So endete unser erstes Masters-Spiel schließlich mit einer 4:13-Niederlage.
Trotzdem blieb das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre und wir unsere Stärken künftig besser auf den Platz bringen können. Natürlich zeigten die Gegner ihre individuelle Klasse, aber auch wir wissen selbst, dass als Mannschaft noch mehr drin gewesen wäre.
Nach dem Spiel ging es direkt zum gemeinsamen Abendessen. Die Veranstaltung legt großen Wert auf ein gepflegtes Auftreten, was von den meisten Teams auch entsprechend umgesetzt wurde. Anschließend fuhren wir ins Hotel, um Kraft für den nächsten Tag zu sammeln.
Der Donnerstag begann mit einer wenig erfreulichen Wetterprognose: Rund 30 Liter Regen waren angekündigt. Solche Rahmenbedingungen spielen oft auch im Kopf eine Rolle. Wie hat man geschlafen? Wie hat man die Niederlage verarbeitet? Wie steckt man die lange Anreise weg? Einige Spieler waren am Vorabend sofort eingeschlafen – acht Stunden Autofahrt hinterlassen eben ihre Spuren.
Hinzu kam, dass es für die meisten bereits am selben Tag wieder zurück nach Hause gehen sollte, da einige am Freitag arbeiten mussten. Auch das war sicherlich nicht optimal. Für die Zukunft müssen wir prüfen, ob wir unseren Spielern durch zusätzliche Flüge oder andere Reisemöglichkeiten bessere Voraussetzungen schaffen können.
Im zweiten Spiel trafen wir auf Team Bonetto, das nahezu mit seiner kompletten Europameisterschaftsbesetzung angetreten war. Die Gegner spielten von Beginn an beeindruckend fehlerfrei. Sowohl Bonetto als auch Sarrio zeigten kaum Schwächen. Gleichzeitig konnten wir die wenigen Chancen, die man gegen solche Topspieler bekommt, nicht konsequent nutzen.
So entwickelte sich eine sehr einseitige Partie, die deutlich schneller entschieden war, als wir es uns gewünscht hätten. Dennoch gibt es auch hier keinen Grund für Vorwürfe. Vielleicht war die Gesamtbelastung aus Anreise, erstem Wettkampftag und den starken Gegnern am Ende einfach zu groß. Zudem waren deutlich mehr Zuschauer vor Ort als noch am Vortag – eine weitere Erfahrung auf diesem außergewöhnlichen Niveau.
Bevor wir diesen ersten Masters-Spieltag abschließen, möchte ich den Organisatoren ausdrücklich ein großes Kompliment machen. Für sie war diese Veranstaltung in dieser Form eine Premiere. Natürlich merkte man an einigen Stellen, dass noch Erfahrungen gesammelt werden, doch insgesamt haben sie ihre Aufgabe hervorragend gemeistert. Mit viel Charme, großer Leidenschaft und spürbarer Liebe zum Pétanque-Sport haben sie eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die Teilnehmern und Zuschauern gleichermaßen in Erinnerung bleiben wird.
Die Anlage selbst war sehr weitläufig. Dadurch entstanden teilweise längere Wege zwischen den verschiedenen Bereichen. Durch die etwas verwinkelte Aufteilung mit Sponsorenflächen und zusätzlichen Spielbereichen war die Orientierung nicht immer einfach. Hier gibt es sicherlich Potenzial für Verbesserungen in den kommenden Jahren.
Etwas schade war aus meiner Sicht auch die Situation bei einsetzendem Regen. Durch die Möglichkeit, die Spiele bequem auf Bildschirmen im Zelt zu verfolgen, blieben viele Zuschauer dort und suchten Schutz vor dem Wetter. Das ist absolut verständlich, schließlich möchte nicht jeder im Regen auf der Tribüne sitzen. Dennoch entstand insbesondere in der Übertragung der Eindruck, als wären weniger Zuschauer vor Ort gewesen, als es tatsächlich der Fall war. Viele Besucher befanden sich weiterhin auf dem Gelände und verfolgten die Partien von dort aus.
Zum Abschluss möchte ich als Präsident vor allem Danke sagen.
Danke an unsere Sponsoren und Unterstützer, die dieses Abenteuer überhaupt erst möglich machen. Ohne ihre Hilfe wären solche Teilnahmen auf diesem Niveau nicht realisierbar.
Danke an unsere vier Spieler, die bereit sind, enorme Entfernungen auf sich zu nehmen, viele Stunden im Auto zu verbringen und sich dieser sportlichen Herausforderung zu stellen. Eine Anreise von 700 Kilometern, Wettkämpfe auf höchstem Niveau und die direkte Rückreise verlangen dem Körper und dem Kopf einiges ab. Auch daran muss man sich erst gewöhnen und eine entsprechende Routine entwickeln.
Wir haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, tolle Menschen kennengelernt und wichtige Eindrücke mitgenommen. Sportlich war sicherlich noch Luft nach oben, menschlich und organisatorisch nehmen wir jedoch sehr viel Positives mit.
Natürlich können wir auch die Enttäuschung vieler Fans zu Hause verstehen, dass nicht alle Spiele übertragen werden konnten. Gerade für diejenigen, die unsere Mannschaft aus der Ferne unterstützen und mitfiebern möchten, wäre eine umfassendere Berichterstattung natürlich wünschenswert.
Wir sind jedoch zuversichtlich, dass die Organisatoren im Laufe des Turniers weitere Erfahrungen sammeln und die eine oder andere Optimierung vornehmen werden. Auch wir werden prüfen, welche Möglichkeiten wir haben, zukünftig zusätzliche Eindrücke oder vielleicht sogar das ein oder andere Spiel für unsere Unterstützer zu Hause zugänglich zu machen. Versprechen können wir an dieser Stelle noch nichts, aber wir werden unser Bestes geben.
Allez les Boules! Der nächste Spieltag steht bereits vor der Tür, und wir freuen uns darauf, erneut anzugreifen, weitere Erfahrungen zu sammeln und unseren Weg bei den Masters de Pétanque fortzusetzen.
