Bericht & Siegerfotos – 19. Deutsche Meisterschaft Pétanque Triplette 55+ 2026
von Robin Wendeler · Veröffentlicht · Aktualisiert
128 Veteranen-Teams aus allen zehn Landesverbänden waren am 12. und 13. September bei der Boule-Initiative RE-Suderwich 04 e.V. zur 19. Deutschen Meisterschaft Triplette 55+ angetreten. Besonders am verregneten Finalsonntag entwickelte sich ein spannender Kampf um die Medaillen, bei dem der Gastgeber-Landesverband Nordrhein-Westfalen eindrucksvoll auftrumpfte: Sechs der acht Viertelfinalteams kamen aus NRW, drei davon erreichten sogar das Halbfinale.
Am Ende gelang es jedoch Berl01, die starke NRW-Phalanx zu durchbrechen und den Deutschen Meistertitel mit nach Berlin zu nehmen. Die neuen Deutschen Meister im Triplette Veteranen 55+ heißen: Laurent Brizard, Jean-François Mores (beide Club Bouliste de Berlin) und Frank Günther (Jever PC / NiSa).
In einem hochklassigen Finale setzte sich Berl01 mit 13:8 gegen NRW 04 mit Berthold Ulrich, Angelo Evangelio (beide Bochum Diaboulo) und Jean Koffi Dosseh (Brühler TV) durch und krönte damit ein starkes DM-Wochenende.
Ein starker Gastgeber in Recklinghausen-Suderwich
Die Boule-Initiative RE-Suderwich 04 e.V. hatte für die Deutsche Meisterschaft umfangreiche Vorbereitungen getroffen.
Auf dem Vereinsgelände und den zusätzlich genutzten Flächen standen ausreichend Bahnen für das große 128er-Feld zur Verfügung. Auch organisatorisch war das Helferteam über das gesamte Wochenende stark gefordert – und meisterte dabei selbst kurzfristig auftretende Herausforderungen. So konnte unter anderem fehlendes technisches und organisatorisches Material, das nicht rechtzeitig aus Saarlouis eingetroffen war, vor Ort aufgefangen werden.
Am Samstag waren die äußeren Bedingungen noch vergleichsweise angenehm, während der Finalsonntag über weite Strecken vom Regen geprägt war. Der sportlichen Spannung tat das keinen Abbruch: Bis zum Finale blieben zahlreiche Zuschauer*innen an den Bahnen und begleiteten die Entscheidungen.
Ein herzliches Dankeschön geht bereits an dieser Stelle an die Boule-Initiative RE-Suderwich 04 e.V. und das gesamte Helferteam.
Erfahrung, Qualität und Ausdauer
Was an diesem Wochenende ebenfalls besondere Anerkennung verdient, ist das sportliche Niveau dieser Deutschen Meisterschaft. Viele der Teilnehmer*innen stehen seit Jahrzehnten auf den Pétanque-Plätzen Deutschlands und darüber hinaus.
Von einer gemütlichen „Altersklasse“ konnte in Recklinghausen allerdings keine Rede sein. Auch bei langen Turniertagen und den teilweise äußerst ungemütlichen Bedingungen am Finalsonntag wurde bis in die entscheidenden Runden Pétanque auf höchstem nationalen Niveau gespielt.
Präzise Legekugeln, starke Schüsse, taktische Entscheidungen und vor allem die notwendige Konzentration über viele Stunden hinweg zeigten eindrucksvoll, welche sportliche Qualität und Erfahrung in dieser Generation steckt.
Gerade der verregnete Sonntag verlangte den verbliebenen Teams dabei noch einmal einiges ab. Umso größer ist der Respekt vor allen Spieler*innen, die sich unter diesen Bedingungen durch Achtel-, Viertel- und Halbfinals bis zur Entscheidung um den Deutschen Meistertitel kämpften.
Die DM Triplette 55+ hat damit einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, wie eng Erfahrung, Ausdauer und sportliche Höchstleistung im Pétanque miteinander verbunden sein können.
Samstag: 128 Teams starten in die DM
Nach Begrüßung, Steigerlied und Nationalhymne gingen am Samstagmorgen die 128 qualifizierten Veteranen-Teams aus den zehn Landesverbänden in die Poule-Runde. Wie bei einer Deutschen Meisterschaft üblich, mussten einige hoch eingeschätzte Formationen bereits früh kämpfen, während andere ohne Umweg den Sprung in die KO-Phase schafften.
Auch die späteren Deutschen Meister Laurent Brizard, Jean-François Mores und Frank Günther kamen gut durch den Samstag und erreichten nach dem Poule-Erfolg durch weitere Siege über BaWü03 und BaWü05 schließlich das Achtelfinale. Nordrhein-Westfalen stellte für den Finalsonntag besonders viele Teams. Gleich sieben NRW-Formationen gehörten am Sonntagmorgen zu den verbliebenen 16 Teams. Daneben war eine breite Verteilung aller Landesverbände zu sehen: Zweimal Baden-Württemberg und je ein Team aus den Landesverbänden Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Ost erreichten den DM-Sonntag. Lediglich der LV Nord musste mit Nord06 um Hervé Dieu, Laurent Mirabeau-Siebold und Jean-Claude Aissa bereits im Sechzehntelfinale die Segel streichen.
Die Titelverteidiger Hess01 mit Jörn Krause, Andreas Dosch und Normann Maurer sowie die amtierenden Vizemeister BaWü04 mit Ralf Knörzer, Peter Muschel und Rainer Wutsch hielten ihre Chance auf die erneute Medaille ebenfalls bis zum Finalsonntag am Leben.
Finalsonntag: NRW dominiert das Achtelfinale
Am Sonntagmorgen ging es bei zunehmend ungemütlichen Wetterbedingungen mit den letzten 16 Teams weiter. Dabei setzte Nordrhein-Westfalen erneut ein deutliches Zeichen. Nur eines der sieben verbliebenen NRW-Teams schied im Achtelfinale aus. Die Düsseldorfer Formation NRW02 mit Nico Beucker, Malte Berger und Christopher Czarnetta nahm in einem landesinternen Duell durch einen 13:5-Erfolg das Team NRW16 mit Ralf Wegerhoff, Norbert Bolz und Robert Orlandini aus dem Turnier.
Für einen der größten Paukenschläge sorgten Berthold Ulrich, Angelo Evangelio und Jean Koffi Dosseh (NRW04). Die drei hatten ihre DM am Samstag noch mit einer deutlichen 1:13-Niederlage begonnen, fanden danach jedoch immer besser in ihr Spiel. Im Achtelfinale warteten ausgerechnet die amtierenden Deutschen Meister Jörn Krause, Andreas Dosch und Normann Maurer. NRW04 ließ den Titelverteidigern keine Chance – und zog mit 13:0 ins Viertelfinale ein. Auch die Vorjahresfinalisten BaWü04 mit Ralf Knörzer, Peter Muschel und Rainer Wutsch verabschiedeten sich mit einer 2:13-Niederlage gegen NRW23 mit Marinko Sirovic, Martin Schütten und Andreas Thon bereits am Sonntagmorgen aus der laufenden DM.
Sechs NRW-Teams unter den letzten Acht
Das Viertelfinale wurde damit beinahe zu einer kleinen NRW-Meisterschaft innerhalb der Deutschen Meisterschaft. Sechs der acht Viertelfinalisten kamen aus Nordrhein-Westfalen. Komplettiert wurde die Runde der letzten Acht lediglich durch BaWü02 und Berl01. BaWü02 mit Heidrun Roth, Stefan Walker und Ellen Hagenlocher hatte zuvor in einem echten Achtelfinal-Krimi das Team Ost01 um Dieter Büttner, Jens Riedel und Knut Fischer mit 13:12 bezwungen.
Die amtierenden NRW-Meister und Lokalmatadoren von der BI RE-Suderwich Frank Gemein, Heiko Nandelstädt und Peter Skotnik (NRW01) hatten bis zu diesem Zeitpunkt eine makellose Bilanz vorzuweisen und waren mit fünf Siegen durch das Turnier marschiert. Gegen NRW21 mit Rachid Bouchendouha, Mohamed-Kamel Bourouba und Rosario Italia endete ihr starker Lauf jedoch mit einer 8:13-Niederlage.
Auch das Essen-Stadtgarten-Triplette NRW23 mit Marinko Sirovic, Martin Schütten und Andreas Thon hatte zuvor eine starke DM gespielt. Im Viertelfinale endete das Turnier gegen die drei Düsseldorfer von NRW02.
Berthold Ulrich, Angelo Evangelio und Jean Koffi Dosseh (NRW04) setzten ihren starken Finaltag gegen Heidrun Roth, Stefan Walker und Ellen Hagenlocher (BaWü02) fort und machten ebenfalls den Halbfinaleinzug perfekt.
Die einzige Mannschaft außerhalb Nordrhein-Westfalens im Halbfinale sollte Berl01 werden. Laurent Brizard, Jean-François Mores und Frank Günther trafen auf Peter Scholten-Maghs, Michael Schöttler und Martin Wleklik (NRW03). Die Nordrhein-Westfalen erwischten zunächst den besseren Start und bestimmten die Anfangsphase, doch Berl01 arbeitete sich in die Begegnung hinein, drehte das Spiel und komplettierte das Halbfinalfeld.
Damit standen unter den letzten vier Teams:
– Berl01 – Laurent Brizard / Jean-François Mores / Frank Günther
– NRW02 – Nico Beucker / Christopher Czarnetta / Malte Berger
– NRW04 – Berthold Ulrich / Angelo Evangelio / Jean Koffi Dosseh
– NRW21 – Rachid Bouchendouha / Mohamed-Kamel Bourouba / Rosario Italia
Halbfinale: Berlin übersteht einen echten Krimi
Im rein nordrhein-westfälischen Halbfinale standen sich NRW02 und NRW04 gegenüber. Berthold Ulrich, Angelo Evangelio und Jean Koffi Dosseh nutzten ihre Möglichkeiten konsequenter, sicherten sich mit 13:6 den Finaleinzug und beendeten die DM damit für Nico Beucker, Christopher Czarnetta und Malte Berger.
Für Berthold Ulrich setzte sich damit eine bemerkenswerte Serie bei der DM 55+ fort: Nach dem Deutschen Meistertitel 2023 und der Vizemeisterschaft 2024, jeweils an der Seite von Thomas Gietmann und Bernd Lubitz, stand er nun erneut im Endspiel.
Das andere Halbfinale entwickelte sich zu einem der dramatischsten Spiele der gesamten Deutschen Meisterschaft. Berl01 erwischte gegen NRW21 den wesentlich besseren Start und führte zwischenzeitlich bereits mit 11:2.
Die Partie schien bereits deutlich in Richtung Berlin zu kippen. Doch NRW21 gab sich keineswegs geschlagen. Rachid Bouchendouha, Mohamed-Kamel Bourouba und Rosario Italia kämpften sich Aufnahme für Aufnahme zurück. Beim Stand von 8:12 hatte NRW21 sogar die Chance auf den Sieg. Statt fünf wurden es jedoch „nur“ vier Punkte und so stand es plötzlich tatsächlich 12:12. Aus einem beinahe entschiedenen Halbfinale war ein echtes Endspiel um den Finaleinzug geworden. In der letzten Aufnahme behielten Laurent Brizard, Jean-François Mores und Frank Günther die Nerven und sicherten sich den entscheidenden Punkt zum 13:12. Ein starkes Comeback von NRW21 und ein echter Halbfinal-Krimi – mit dem besseren Ende für Berl01.
Finale: Berl01 setzt sich durch
Zum Endspiel standen sich damit Berl01 und NRW04 gegenüber. Die Partie blieb lange offen. Beide Formationen begegneten sich auf Augenhöhe und beim Stand von 8:8 war noch keinerlei Vorentscheidung gefallen.
In der Schlussphase gelang es Berlin jedoch, sich entscheidend abzusetzen. Durch vier stark gelegte Punkte von Berl01 gelang der Sprung auf 12:8 und der Titel war bereits zum Greifen nah. Und in der darauf folgenden Aufnahme war die Partie auch schon entschieden.
13:8 – Deutscher Meister Berl01!
Damit krönten Laurent Brizard, Jean-François Mores und Frank Günther ihren Lauf durch das Hauptfeld mit dem Deutschen Meistertitel 2026.
Für Frank Günther vom Jever Pétanque-Club ist es der erste Deutsche Meistertitel. Laurent Brizard und Jean-François Mores kennen den Platz ganz oben bereits: 2021 gewannen sie gemeinsam mit Boris Tsuroupa die DM Triplette 55+. Auch danach blieben beide regelmäßig in den Medaillenrängen und belegten 2024 und 2025 jeweils den dritten Platz.
Nun stehen Laurent Brizard und Jean-François Mores gemeinsam mit Frank Günther fünf Jahre nach ihrem ersten Erfolg erneut ganz oben auf dem Podest.
Herzlichen Glückwunsch an die neuen Deutschen Meister Triplette 55+: Laurent Brizard, Jean-François Mores und Frank Günther!
Die DM-Medaillenträger
Die Viertelfinalisten – geteilter 5. Platz
Die Achtelfinalisten – geteilter 9. Platz
B-Turnier: NiSa06 gewinnt das Finale
Parallel zum Hauptturnier wurde auch im B-Turnier bis Sonntag weitergespielt. Die Halbfinals erreichten NiSa06, BaWü27, Saar04 und NRW06.
NiSa06 mit Carl-Heinz Heathcote, Dragoljub Radonjic und Rainer Grunst setzte sich im Halbfinale gegen NRW06 mit Rainer Girod, Wolfgang Düsterhöft und Till Varchmin durch.
Im zweiten Halbfinale gewann BaWü27 mit Joachim Köhler, Thomas Langer und Jutta Falkenstein gegen Saar04 mit Michael Kolschewski, Annett Burkardsmaier und Andreas Meier.
Im Finale ließ NiSa06 schließlich nichts mehr anbrennen: 13:1 gegen BaWü27 bedeutete den Sieg im B-Turnier.
Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner*innen und Platzierten im B-Turnier!
Die Gewinner und Finalisten im B-Turnier
Viele Stunden Pétanque live über DPV-Facebook
Obwohl das DPV-Kommunikationsteam an diesem Wochenende aufgrund personeller Engpässe nicht mit der üblichen Livestream-Technik vor Ort sein konnte, gab es dennoch Livebilder aus Recklinghausen.
DPV-Präsident Michael Dörhöfer übertrug sowohl am Samstag als auch am Finalsonntag über viele Stunden Begegnungen per Smartphone auf der Facebook-Seite des DPV. Damit konnten auch Zuschauer*innen zuhause große Teile der Deutschen Meisterschaft verfolgen.
Die Streams sind weiterhin auf DPV-Facebook abrufbar.
Ein herzliches Dankeschön an Michael Dörhöfer für diesen spontanen und ausdauernden Einsatz!
Alle Ergebnisse im DM-Archiv
Sämtliche Ergebnisse des Haupt- und B-Turniers sind weiterhin im offiziellen DM-Archiv abrufbar.
Hauptturnier:
https://deutsche-petanque-meisterschaften.de/archiv_dm_a.php?dm=26_55plus
KO-Baum:
https://deutsche-petanque-meisterschaften.de/archiv_dm_a_baum.php?dm=26_55plus
B-Turnier:
https://deutsche-petanque-meisterschaften.de/archiv_dm_b.php?dm=26_55plus
Vollständiges DM-Classement:
https://deutsche-petanque-meisterschaften.de/archiv/classement/26_55plus_classement.pdf
Danke an alle Beteiligten
Eine Deutsche Meisterschaft mit 128 Teams ist ohne großen ehrenamtlichen Einsatz nicht möglich.
Der DPV bedankt sich deshalb herzlich bei der Boule-Initiative RE-Suderwich 04 e.V., dem gesamten Helferteam und allen Menschen, die an Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung beteiligt waren.
Im DM-Team waren Susanne Weisbach, Torsten Göllinger und Peter Schauseil im Einsatz.
Als DPV-Vertreter begleitete Karl-Josef Flühr die Deutsche Meisterschaft.
Das Schiedsrichter-Team bestand aus Melanie Dyrla, Thomas Schnurr, Graziano Cecchetti und Laura Beythien.
Vielen Dank außerdem an alle Spielerinnen und Spieler sowie an die Zuschauer*innen und Unterstützer*innen, die insbesondere auch am verregneten Sonntag an den Bahnen geblieben sind.
DM-Saison geht direkt weiter
Im nationalen DM-Kalender geht es bereits am kommenden Wochenende weiter.
In Beelen/NRW stehen mit der Deutschen Meisterschaft Tête-à-tête und der Deutschen Meisterschaft Tir de précision die nächsten beiden Titelentscheidungen an.
Aus Recklinghausen bleiben ein starkes Gastgeberteam, viele enge Begegnungen, eine beeindruckende NRW-Bilanz und ein neuer Deutscher Meister aus Berlin in Erinnerung.
Allez Recklinghausen – Allez Triplette 55+ – Allez DPV!
