Jugend-WM 2026: Deutschland gewinnt den Nations Cup in Santa Susanna
von Robin Wendeler · Veröffentlicht · Aktualisiert
Die Jugend-WM 2026 in Santa Susanna ist beendet – und sie endete aus deutscher Sicht doch noch mit einem Titel: Die deutsche Pétanque Jugend gewann am Sonntag den Nations Cup / Coupe des Nations im Triplette mixte und sorgte damit für einen versöhnlichen Abschluss eines intensiven WM-Wochenendes.
Nach zwei erfolgreichen Vorrundentagen, dem Einzug in beide Achtelfinals der Hauptwettbewerbe und den deutlichen Niederlagen gegen Frankreich am Samstag zeigte die deutsche Équipe am Finaltag noch einmal Charakter. Im Nations Cup kämpfte sich das Team zurück, drehte ein fast schon verlorenes Finale gegen Dänemark und beendete die Weltmeisterschaft mit einem Erfolgserlebnis.
Für Deutschland waren in Santa Susanna Janaina Cabrera, Maria Hein, Ben Haug und Dario Kraleski im Einsatz. Betreut wurde das Team von den Coaches Leon Gotha-Jecle und Maurice Racz. Als Chef d’Équipe war Mark-Oliver Fitz vor Ort, außerdem gehörte Hilde Winkler als Betreuerin zur Delegation.
Starke Vorrunde, schwerer Samstag
Die ersten beiden Wettkampftage hatten aus deutscher Sicht viele positive Momente geboten. Im Doublette mixte erreichte Deutschland mit zwei Siegen und zwei Niederlagen das Achtelfinale. Zum Auftakt gab es einen 13:5-Erfolg gegen Schweden, später folgte ein deutliches 13:3 gegen Japan. Die Niederlagen gegen die Schweiz und Madagaskar verhinderten eine noch bessere Platzierung, doch der Einzug in die KO-Phase war geschafft.
Noch stärker präsentierte sich die deutsche Équipe in der Vorrunde des Triplette mixte. Nach einem Comeback-Sieg gegen Ungarn am Donnerstagabend folgte am Freitag der vielleicht beste deutsche Auftritt dieser Weltmeisterschaft: Gegen Madagaskar, die amtierenden Vize-Weltmeister im Triplette mixte, spielte Deutschland nahezu fehlerfrei – und gewann beeindruckend und verdient mit 13:2.
Auch gegen die amtierenden Weltmeister aus Italien war Deutschland ganz nah dran. In der vorletzten Aufnahme schlug Italien jedoch mit einem Fünferpäckchen zurück und gewann schließlich auf Zeit mit 11:9. Im letzten Vorrundenspiel gegen Japan hatte Deutschland dann selbst das bessere Ende auf seiner Seite und gewann ebenfalls mit 11:9 auf Zeit.
Mit einer Bilanz von drei Siegen und einer Niederlage beendete Deutschland die Vorrunde im Triplette mixte auf Platz 6.
Im Tir de précision mixte traten Maria Hein und Dario Kraleski am Freitagvormittag für Deutschland in der Vorrunde an. Maria war als Titelverteidigerin nach Santa Susanna gereist, nachdem sie im vergangenen Jahr gemeinsam mit Tobias Moritz das erste umjubelte WM-Gold in der Geschichte des DPV gewonnen hatte. Diesmal reichten 16 Punkte leider nicht für den Einzug in die KO-Runde. Maria und Dario belegten nach der Vorrunde Platz 13.
So stand nach zwei Tagen fest: In beiden Teamwettbewerben war Deutschland im Achtelfinale vertreten – im Doublette mixte als Elfter, im Triplette mixte als Sechster.
Zweimal Frankreich, zweimal Endstation
Die Auslosung für die Achtelfinals hatte aus deutscher Sicht eine besondere Pointe: Sowohl im Triplette mixte als auch im Doublette mixte wartete Frankreich.
Am Samstagvormittag ging es zunächst im Triplette mixte gegen die Équipe Tricolore. Deutschland musste sich am Ende mit 2:13 geschlagen geben. Das Ergebnis fiel dabei deutlicher aus, als es der Spielverlauf über weite Strecken vermuten ließ. Fünfmal ging das Cochonnet ins Aus, in mehreren dieser Aufnahmen hatte die deutsche Mannschaft durch Kugelvorteile durchaus Chancen auf Punkte. Frankreich blieb jedoch in den entscheidenden Momenten konsequenter. Nach misslungenen Sauschüssen in der letzten Aufnahme nutzte die französische Équipe die Gelegenheit eiskalt und beendete die Partie mit einem Sechserpack zum 13:2.
Nur kurze Zeit später folgte im Doublette mixte die zweite Begegnung mit Frankreich. Die erhoffte Revanche blieb aus. Frankreich war nun perfekt eingespielt, leistete sich kaum eine Fehlkugel und ließ Deutschland kaum noch Raum, in die Partie zu finden. Gleichzeitig war bei der deutschen Équipe nach dem intensiven Vormittag spürbar die Energie raus. Nach nur etwa 20 Minuten stand eine deutliche und verdiente 0:13-Niederlage fest.
Damit war das Hauptturnier für Deutschland in beiden Teamwettbewerben beendet. Das Ziel, in mindestens einem der Wettbewerbe das Viertelfinale zu erreichen, wurde verpasst. Das ist sportlich bitter – gerade, weil die Vorrunde gezeigt hatte, was in dieser Mannschaft steckt.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten: In beiden Achtelfinals wartete mit Frankreich eine der stärksten Nationen des Turniers. Und diese Jugend-WM hat insgesamt gezeigt, wie eng das internationale Feld inzwischen zusammengerückt ist. Vermeintliche Top-Nationen und vermeintliche Außenseiter lagen in vielen Partien deutlich näher beieinander, als es die Papierform vermuten ließ. Immer wieder entstand der Eindruck: An diesem Wochenende kann hier fast jeder jeden schlagen.
Nations Cup: Versöhnlicher Abschluss mit starker Moral
Nach dem Ausscheiden in den Hauptwettbewerben ging es für Deutschland am Sonntag im Nations Cup / Coupe des Nations im Triplette mixte weiter.
Im Viertelfinale zeigte die deutsche Équipe gegen Monaco eine souveräne Leistung. Mit einem klar herausgespielten 13:1-Erfolg zog Deutschland in die nächste Runde ein.
Das Halbfinale fand anschließend nicht statt. Sowohl Italien als auch Spanien verzichteten auf ihre Partien im Nations Cup, da sie noch im Hauptturnier Doublette mixte vertreten waren. Dadurch zogen Dänemark und Deutschland kampflos ins Finale ein.
Dort erwischte Deutschland allerdings keinen guten Start. Gegen Dänemark lag die deutsche Mannschaft nach sechs Aufnahmen verdient mit 1:9 zurück. Die Partie schien in eine klare Richtung zu laufen, die Kugeln der dpj-Équipe kamen in dieser Phase des Spiels viel zu selten, sodass zahlreiche Möglichkeiten ungenutzt blieben.
Doch dann zeigte die Équipe noch einmal genau die Eigenschaften, die man aus einem solchen Turnier mitnehmen möchte: Geduld, taktische Anpassungsfähigkeit und den Glauben daran, dass ein Spiel erst vorbei ist, wenn die letzte Kugel gespielt wurde.
Durch Wechsel und Dreher auf den Spielpositionen fand Deutschland nach und nach besser in die Partie. Gleichzeitig verloren die Dänen etwas den Faden. Aufnahme für Aufnahme arbeitete sich Deutschland zurück.
Der große Moment kam beim Stand von 5:10: Deutschland legte ein Fünferpäckchen zum 10:10-Ausgleich – genau in dem Moment, als der Schiedsrichter das Ende des Zeitlimits signalisierte.
Es folgten zwei Zusatzaufnahmen. Beide gingen an Deutschland.
Mit 13:10 gewann die deutsche Équipe das Finale gegen Dänemark und sicherte sich damit den Sieg im Nations Cup Triplette mixte!
Es war kein WM-Titel im Hauptturnier – aber ein sportlich und emotional wichtiger Abschluss. Nach der Enttäuschung vom Samstag belohnte sich das Team am letzten Tag noch einmal für Einsatz, Moral und Zusammenhalt.
Die internationalen Entscheidungen
Auch in den Hauptwettbewerben fielen am Sonntag die letzten Entscheidungen – und der Finaltag bot noch einmal Pétanque auf höchstem internationalen Nachwuchsniveau.
Im Doublette mixte hatten sich nach den Viertelfinals am Samstag vier Teams für den Finaltag qualifiziert: Italien, Spanien, Thailand und Madagaskar. Im ersten Halbfinale setzte sich Spanien unter lautstarker Unterstützung der spanischen Fans in einer engen Partie mit 13:11 gegen Italien durch, nachdem die Spanier bereits 1:9 zurückgelegen hatten. Das zweite Halbfinale gewann Madagaskar mit 13:8 gegen Thailand.
Damit kam es im Finale zum Duell Spanien gegen Titelverteidiger Madagaskar. Spanien war stark durch das Tableau marschiert, hatte unter anderem Französisch-Polynesien, Ungarn und Italien ausgeschaltet. Madagaskar wiederum hatte nach Siegen gegen Monaco, Dänemark und Thailand ebenfalls eindrucksvoll das Endspiel erreicht.
Im Finale zeigte Madagaskar dann noch einmal seine ganze Qualität. Bei enormer Hitze auf dem Carré d’Honneur sicherte sich die Équipe aus Madagaskar durch einen 13:6-Erfolg gegen Spanien den erneuten Weltmeistertitel im Doublette mixte. Bronze ging an die beiden Halbfinalisten Italien und Thailand.
Im Triplette mixte standen am Sonntag ebenfalls die Halbfinals und das Finale auf dem Programm. Thailand gewann sein Halbfinale sehr deutlich mit 13:2 gegen Belgien und zog souverän ins Endspiel ein. Im zweiten Halbfinale setzte sich Frankreich in einer hochklassigen und umkämpften Partie nach über zwei Stunden Spielzeit mit 13:11 gegen Madagaskar durch.
Damit lautete das Finale im Triplette mixte: Thailand gegen Frankreich.
Frankreich hatte zuvor Deutschland im Achtelfinale und Kanada im Viertelfinale jeweils deutlich geschlagen und im Halbfinale Madagaskar niedergerungen. Thailand hatte auf dem Weg ins Finale zunächst Französisch-Polynesien besiegt, anschließend Malaysia knapp mit 13:11 ausgeschaltet und im Halbfinale Belgien kaum eine Chance gelassen. Die Begegnung Frankreich gegen Thailand hatte es an diesem Wochenende bereits dreimal gegeben – dreimal gingen die Thailänder als Sieger vom Platz.
Auch das Finale wurde dann zu einer Machtdemonstration Thailands: Mit einem klaren 13:0 gegen Frankreich krönte sich Thailand zum Weltmeister im Triplette mixte. Bronze ging an Belgien und Madagaskar.
Die erste Goldmedaille dieser Jugend-WM war bereits am Samstagabend im Tir de précision mixte vergeben worden. Dort krönten sich Kimberley Bousch und Dawson Herlemann aus Frankreich zu den neuen Weltmeister*innen.
Frankreich hatte sich im Viertelfinale mit 29:22 gegen Monaco durchgesetzt und anschließend im Halbfinale 19:15 gegen Belgien gewonnen. Thailand erreichte das Finale über ein 22:12 gegen Spanien und ein starkes 29:12 gegen Madagaskar.
Im Finale ließ Frankreich dann nichts mehr anbrennen: Bousch und Herlemann gewannen mit 28:10 gegen Thailand und sicherten der Équipe Tricolore die erste Goldmedaille der Titelkämpfe in Santa Susanna. Bronze ging an Belgien und Madagaskar.
Medaillen, Regenbogentrikots und Fairplay-Preis
Damit standen am Ende vier Titelentscheidungen fest:
Tir de précision mixte: Frankreich
Doublette mixte: Madagaskar
Triplette mixte: Thailand
Nations Cup Triplette mixte: Deutschland
Diese Verteilung zeigt sehr schön, wie international und ausgeglichen diese Jugend-WM war. Titelträger von drei Kontinenten: Frankreich, Madagaskar, Thailand trugen sich in die Siegerlisten ein – und viele weitere Nationen prägten das Turnier ebenfalls mit starken Leistungen, besonderen Momenten und großem Teamgeist.
Am Abend endete die Jugend-WM 2026 mit der offiziellen Siegerehrung und Medaillenzeremonie. Die besten Teams der Wettbewerbe wurden mit Pokalen und Medaillen ausgezeichnet, die neuen Weltmeister*innen erhielten zudem die begehrten Regenbogentrikots.
Ein besonders schöner Moment war die Vergabe des neu eingeführten Fairplay-Preises. Unter großem Jubel erhielt das sympathische Team aus Japan diese besondere Auszeichnung – ein starkes Zeichen dafür, dass diese Weltmeisterschaft nicht nur von Ergebnissen, sondern auch von Respekt, Haltung und internationalem Miteinander geprägt war.
Ein Turnier, das Lust auf die Zukunft macht
Sportlich bleibt aus deutscher Sicht ein gemischtes Fazit. Der Einzug in beide Achtelfinals der Hauptwettbewerbe war verdient und ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig hatte sich die gesamte dpj-Delegation für die KO-Phase sicher mehr vorgenommen. Das doppelte Aus gegen Frankreich war deutlich, der verpasste Viertelfinaleinzug in den Hauptwettbewerben schmerzt.
Auch im Tir de précision mixte blieb Deutschland unter den eigenen Möglichkeiten. Nach dem historischen Gold im Vorjahr war die Erwartungshaltung hoch – diesmal reichte es nicht für die Finalrunde.
Doch diese WM war weit mehr als eine reine Ergebnisliste.
Alle vier deutschen Spielerinnen und Spieler konnten im Turnierverlauf Siege feiern, internationale Erfahrung sammeln und auf höchstem Niveau wertvolle Situationen erleben. Der 13:2-Erfolg gegen Madagaskar im Triplette mixte, das Comeback gegen Ungarn, der enge Fight gegen Italien und schließlich der gedrehte Nations-Cup-Finalerfolg gegen Dänemark werden in Erinnerung bleiben.
Vor allem aber hat diese Weltmeisterschaft einmal mehr gezeigt, mit welcher Leidenschaft, Qualität und Spielfreude Nachwuchstalente aus aller Welt den Pétanque-Sport zelebrieren. Auf den Bahnen von Santa Susanna war zu sehen, welche fabelhaften Leistungen bereits in jungen Jahren möglich sind – taktisch, technisch, mental und menschlich.
Für die deutsche Pétanque Jugend bleibt Santa Susanna 2026 damit ein Turnier mit Höhen und Tiefen, mit Enttäuschung und Freude, mit Lernmomenten und Erfolgserlebnissen. Und am Ende auch mit einem Pokal.
Danke an alle Beteiligten
Ein großer Dank gilt den Spielerinnen und Spielern, dem Trainerteam, der Delegationsleitung, allen Betreuerinnen und Betreuern sowie den Familien, Vereinen und Landesverbänden, die diese Entwicklung im Hintergrund mittragen.
Danke auch an zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer, die die deutschen Spiele über die Livestreams verfolgt, mitgefiebert und die dpj-Équipe aus der Ferne unterstützt haben!
Santa Susanna hat wieder gezeigt, wie lebendig, international und begeisternd Jugend-Pétanque sein kann.
Allez dpj – Allez Deutschland!
