DPV-Präsident Michael Dörhöfer bei seinem Vortrag zur FFPJP-Hauptversammlung 2019.

Rund 500 Zuhörer aus dem organisierten Pétanque-Sport in Frankreich hatte der Präsident des Deutschen Pétanque Verbandes, Michael Dörhöfer, bei deren jährlichem Kongress in Troyes/Aube. Und es war mehr als freundlicher Applaus, den er für seine Ausführungen erhielt, ein beachtlicher Teil der Vertreter aus allen Teilen des Landes zeigte sich sehr angetan.

Es war eine Premiere, dass ein Deutscher Verbandspräsident in diesem Rahmen zu einem Vortrag eingeladen wurde. Und so spann Dörhöfer zunächst einen recht großen Bogen darüber, wie der Pétanque-Sport in Deutschland Fuß fassen konnte. Das französische Militär, das nach 1945 in Deutschland verblieben war, fand genauso Erwähnung, wie die begeisterten Urlauber, die aus Frankreich mit Boule-Kugeln nach Hause gereist waren. Einen weiteren Schub erhielt der Spiel-Sport durch das Möbelhaus IKEA, das in kürzester Zeit über eine Million Freizeitkugeln unter die Deutschen brachte – auch diese Anekdote war den wenigsten Zuhörern bekannt.

Der DPV-Präsident kam aber auch schnell auf den organisierten Wettkampf-Sport in Deutschland zu sprechen. Er beschrieb die Funktion der Aufteilung in

Die Tribüne der Delegierten im Kongress-Zentrum.

die zehn Landesverbände, in denen über 20.000 Boulisten organisiert sind. Die Vielzahl der Disziplinen, in denen Deutsche Meisterschaften durchgeführt werden, Tét, Doublette, Doublette-Mixte, Triplette, Triplette 55+, Triplette Damen, Tireur sowie die Jugend-Wettbewerbe, sorgte ebenso für Erstaunen wie der Hinweis auf die vielen Ligen in den Landesverbänden, aus denen die Bundesliga und hier die Teilnahme der Deutschen Meister an Europäischen Wettbewerben erwächst.

Der Pétanque-Sport ist und bleibt voraussichtlich in Deutschland die am dynamischsten wachsende nicht-olympische Disziplin – auch dies fand im Vortrag des Präsidenten Erwähnung. In Frankreich ist hingegen das Wachstum proportional geringer. Ob und wie diese lokale Situation eine neue Dynamik bekommen kann, wäre auch ein spannendes Thema für einen länderübergreifenden Austausch.

Reihe vorne (v.l.n.r.): Claude Azema, Mike Pegg, Michael Dörhöfer, Lars Friis.

Michael Dörhöfer nutzte außerdem die Gelegenheit, einmal mehr für eine engere Kooperation und für Freundschaften der regionalen Verbände und einzelnen Vereine in Frankreich und in Deutschland zu werben. Sein Hinweis auf die großen deutschen Pétanque-Events, wie das Holstentor-Turnier in Travemünde oder das Hofgarten-Turnier in München, wollte er auch gleich als Einladung an die Franzosen verstanden wissen, Deutschlands Kugelwelt einmal zu besuchen.

Insbesondere dem deutsch/französischen Jugendaustausch widmete Dörhöfer dann noch einen separaten Teil seines Vortrages. Hier verwies er auf den fruchtbaren Austausch sowohl mit den Verantwortlichen in der FFPJP, als auch mit Claude Azema, dem Präsidenten des Internationalen Pétanque-Verbandes. Letzterer ist darüber hinaus eine der treibenden Kräfte, wenn es darum geht, dass Pétanque im Jahr 2024 olympische Disziplin wird. Mit einigen Bildern belegte Michael Dörhöfer, dass die dazugehörige Kampagne auch in Deutschland nach Kräften unterstützt wird.

Der Applaus, den der DPV-Präsident für seine Ausführungen erhielt, war – wie beschrieben – nicht nur höflicher Natur. Die Delegierten waren mit Sicherheit auch dankbar für die kurze Abwechslung durch diesen Ausflug in das Pétanque-Nachbarland. Denn die Hauptversammlung der FFPJP hat in diesem Jahr ein strammes Programm. So sind einige wichtige Posten im Vorstand neu zu besetzen. Interessant ist es hierbei, dass jedem Bewerber, der sich und seine Ideen vorstellen möchte, exakt 2 Minuten Zeit hierfür gegeben werden. Es läuft tatsächlich eine Uhr mit – und nach Ablauf der Redezeit wird ebenso konsequent wie unmittelbar das Mikrofon ausgeschaltet.

Einen emotionalen Höhepunkt erlebte der Kongress, als es darum ging, einen Nachfolger für den viel zu jung verstorbenen FFPJP-Präsidenten Michel Desbois zu bestimmen. Hier fiel die Wahl auf Joseph Cantarelli, einen engen persönlichen Freund von Desbois, der nun zunächst für die verbleibende Amtszeit des Verstorbenen die Geschäfte des Verbandes leitet. Aus der Sicht von Michael Dörhöfer eine ausgezeichnete Entscheidung. Er steht bereits seit längerem im Kontakt mit dem neuen Vorsitzenden und ist sich sicher, durch diese Partnerschaft die Ziele beider Nationalverbände besonders dynamisch weiter verfolgen zu können.

Was genau der aktuelle FFPJP-Präsident Joseph Cantarelli auf dem Smartphone von Mike Pegg bestaunt, ist nicht überliefert.

Ohnehin sind die Ergebnisse der vielen Gespräche am runden Tisch zwischen den Präsidenten des Internationalen Pétanque-Verbandes, des CEP, der FFPJP und des DPV am Rande dieses Kongresses schon Grund genug, die Teilnahme in Troyes/Aube als kleinen Meilenstein für den deutschen Pétanque-Sport zu werten. Weitere Informationen hierzu folgen.