Heute möchten wir Linus Schilling und die dpv-Jugend unseren Lesern vorstellen.

Frage: Linus, wie bist Du darauf gekommen, Pétanque zu Deinem Sport zu machen?
Linus Schilling: Ach, Pétanque ist zu meinem Sport geworden, weil wir neben einen Bouleplatz gezogen sind und da hat meine Familie angefangen, zu spielen. Anfangs war ich noch zu klein, aber nach und nach haben wir alle gespielt, Spaß daran gefunden und schließlich kam dann der sportliche Ehrgeiz dazu.

Frage: Was hat Dich motiviert, Dich über das Spielen hinaus zu engagieren?
Linus Schilling: Grundsätzlich habe ich viel Freude daran, auch etwas für Andere, also für die Gesellschaft zu tun. Den Sport sehe ich da als ganz wichtiges Instrument. Ich sehe so etwas als Anreiz und als ich gefragt wurde, habe ich mir gedacht, das ist eine gute Sache, da kann ich mich engagieren.

Frage: Beim Besuch der dpj-Homepage fällt auf, daß Ihr ein eigenes Logo habt – was bedeutet es?
Linus Schilling: Das Logo ist entstanden, als ich gerade in den Vorstand der dpj gewählt war. Es symbolisiert drei kleine „j“ für Jugend. Das kleinste steht für die Minimes (bis 11 Jahre), das mittlere für die Cadets (bis 14 Jahre), das größte für die Juniors (bis 17 Jahre). Mit der Gestaltung der Deutschland-Farben passt das prima. Allerdings gehören seit einiger Zeit auch die Espoirs (bis 22 Jahre) zur dpj, angepasst an die Deutsche Sport-Jugend, die sogar die bis zu 27-jährigen einschließt. Auch hier findet noch Entwicklungsförderung statt und so bräuchten wir eigentlich noch ein viertes Symbol, aber das passt nicht zur Farbgebung in schwarz-rot-gold, da suchen wir noch nach einer Alternative.

Frage: Welche Aufgaben hat die deutsche pétanque jugend im DPV übernommen?
Linus Schilling: Grundsätzlich teilen sich die Aufgaben in zwei Bereiche, das Sportliche und die persönliche Entwicklung.
Persönliche Entwicklung bedeutet hier: wie gehe ich mit anderen Menschen um, wie akzeptiere ich andere Menschen, welche Werte und Normen habe ich. Dazu kommen die Themen Nachhaltigkeit, Spaß an der Bewegung und am Miteinander.
Die sportliche Förderung soll mit uns Talente im Sport nach oben bringen und mit ihnen auch Erfolge feiern.
Zu den Aufgaben gehört außerdem die Umsetzung des gesellschaftlichen Auftrags, sich gegen Gewalt, auch gegen sexualisierte Gewalt einzusetzen und für sauberen Sport, auch gegen Doping. Dazu wollen wir die Landesverbände und Vereine verbinden und im Austausch miteinander unterstützen.

Frage: Das machst Du ja nicht alleine, wie sind diese Aufgaben in Deinem Team verteilt – wer gehört dazu?
Linus Schilling: Zum Team gehören fünf Vorstandsmitglieder, das sind neben mir Andreas Endler als zweiter Vorsitzender und Martin Kuball, der für den Leistungssport zuständig ist. Er ist auch gleichzeitig mit Stefanie Schwarzbach Bundestrainer. Die Posten für den Breitensport und der oder die Jungendsprecher/in sind zur Zeit nicht besetzt, hier suchen wir Mitstreiter oder Mitstreiterinnen. Jan Mensing darf ich nicht vergessen; er ist zwar kein stimmberechtigtes Vorstandsmitglied, ist uns aber als Jugendsekretär eine große Stütze und erledigt unheimlich viel für uns.

Frage: Jugendliche lernen ja unseren Sport in der Regel irgendwo auf einem Bouleplatz kennen, vielleicht sogar in einem Verein. Wie kannst Du die Vereine unterstützen, damit sie Kinder und Jugendliche für unseren Sport gewinnen, halten und fördern?
Linus Schilling: Eine sehr umfassende Frage. Seit ich im Vorstand bin, geht es immer darum, daß es in einigen Landesverbänden zu wenige Jugendliche gibt und deshalb unsere Unterstützung durchaus gewünscht ist. Da es in anderen Landesverbänden vorbildlich funktioniert, versuchen wir den Austausch zwischen den LVn intensiv zu unterstützen, also die Möglichkeit zu schaffen, voneinander zu lernen.
Zusätzlich schaffen wir Angebote in Form verschiedener Veranstaltungen die wir initiieren, beispielsweise durch ein Sommercamp, das wir eigentlich in diesem Sommer durchführen wollten oder durch die Schaffung des Juniorteams, das in jedem Jahr mehrere Veranstaltungen zum Austausch und zur Planung und Durchführung von Projekten nutzt. Aber auch, um ein weiteres Beispiel zu nennen, durch die Erweiterung der Deutschen Meisterschaften um den Espoir-Bereich.
Wir bilden Trainer aus, gerne auch aus dem Kader-Espoir-Bereich, damit unsere Spieler mehr Spaß am Spiel und am Engagement für unseren Sport finden und darüber weitere Spieler zu motivieren.

Frage: Welche Unterstützung erwartest Du von den Vereinen und den Landesverbänden?
Linus Schilling: Das Wichtige ist das Miteinander, an einem Strang zu ziehen. Leider hat das in der Vergangenheit an einigen Stellen auch manchmal nicht so gut geklappt, aber am Ende wollen wir Alle das Gleiche. Insofern erwarte ich einfach, daß wir alle miteinander arbeiten.

Frage: Gibt es noch etwas, wobei der DPV Dich unterstützen kann?

Linus Schilling: Auch hier geht es nur um das Miteinander. Die große Unterstützung erfahre ich dadurch, daß mir Vertrauen entgegengebracht wird. Beispielsweise habe ich bei der Aufarbeitung der strukturellen Probleme im Leistungssportbereich sehr viel positive Unterstützung erhalten.

Frage: Spieler für den Jugendbereich wurden gefunden, gehalten und gefördert, aber es geht ja weiter: Ziel der besonders Begeisterten ist sicherlich, die Nominierung für den Kader. Was sind die Kriterien, nach denen Spieler von Dir in den Kader berufen werden?
Linus Schilling: Ich stelle den Kader ja gar nicht zusammen, das machen die Bundestrainer, also Steffi und Martin.
Taktische und technische Grundfähigkeiten sind zwingende Voraussetzung für eine Nominierung – hier muss ein bestimmtes Potenzial erkennbar sein. Das Alter muss passen, wobei wir auf den Zyklus der Weltmeisterschaften achten; zur WM müssen die Spieler an der Spitze sein. Last but not least brauchen wir natürlich teamfähige Spieler auf dem Platz.

Frage: Bekommt Ihr ausreichend Hinweise auf gute Spieler aus den Landesverbänden? Braucht Ihr mehr, um aus einem größeren Potenzial wählen zu können?
Linus Schilling: Wir besprechen das regelmäßig bei den Jugendverbandstagen. Wir bekommen Hinweisbogen mit den Profilen der Spieler, die für uns sehr hilfreich sind und die Bundestrainer beobachten diese bei den verschiedenen Events. Grundsätzlich kann sich der beiderseitige Austausch aber auch in Zukunft noch weiter verbessern.

Frage: Wie sieht die Kaderarbeit zu „normalen“ Zeiten aus?
Linus Schilling: „Normal“ ist: Es gibt einen Jahreszyklus bei dem wir zum Ende eines Jahres bei der DM sichten. Anschließend wird im Dezember eine Sichtungsveranstaltung mit Einladungen durchgeführt, um das aktuelle Potenzial festzustellen.
Danach folgt zum Jahresbeginn die erste Kadermaßnahme im Januar, ein Lehrgang, danach im Februar ein zweiter. Beides finden die Jugendlichen immer aufregend und neu und Vieles muss sich dabei erst einspielen.
Es geht um das Kennenlernen, Techniktraining, taktische Varianten und zukünftig auch mehr um die sportliche Komponente in Bezug auf körperliche Leistungsfähigkeit. Es geht aber auch darum den Spielerinnen und Spielern Hausaufgaben mit auf den Weg zu geben. Im April folgt meist noch ein Stützpunkttraining, in dem auch die Landesverbände mit ihren Spielerinnen und Spielern aus dem D-Kader teilnehmen, ehe dann die Saison der Turniere startet.
Höhepunkt ist zum Jahresende die Welt- oder die Europameisterschaft, für die direkt vorher ebenfalls noch eine Vorbereitung erfolgt. Das ist der Zyklus, der nun wieder von vorne beginnt.

Frage: …und was findet jetzt, zu Corona-Zeiten überhaupt statt?
Linus Schilling: Jetzt machen wir Versuche – es ist ja neu, deshalb Versuche – mit den Spielern auch digital zu arbeiten. Wir geben Ihnen Aufgaben, die sie lösen sollen und wir bekommen entsprechendes Feedback. Auch der regelmäßige Austausch um in Kontakt zu bleiben ist hier enorm wichtig.

Frage: Ich glaube, darüber, welche Einsätze national und international in diesem Jahr noch geplant sind, brauchen wir uns derzeit gar nicht zu unterhalten?
Linus Schilling: Stimmt.

Frage: Möchtest Du vor meiner abschließenden Frage unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Linus Schilling: einfach nur Eines: bleibt in Bewegung.
Da ich neben meiner Tätigkeit für den DPV auch beruflich sportlich tätig bin, ist mir das ein ganz, ganz wichtiges Anliegen.

Frage: Zum Schluss stelle ich natürlich die Frage, die unsere Leser am meisten interessiert: Linus, hast Du eigentlich eine Schmusedecke?
Linus Schilling: (lacht) Äh, ich hatte eine ganze Zeit lang eine, die mir auch sehr lieb geworden ist. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wo die jetzt ist. Jetzt, da Du mich erinnerst, hätte ich sie gerne wieder.

Keine Frage: Linus, Dir vielen Dank und viel Erfolg für die Zukunft.

Die Fragen stellte Michael Regelin am 19.05.2020