Als die DPV-Landesverbände im April 2020 mit ihrem Präsidium die ersten Video-Konferenzen zum Thema „Wie überlebt unser Sport die Krise?“ geführt hatten, schwang in Teilen eine gewisse Resignation mit. Es war (und bleibt übrigens) völlig unvorhersehbar, welche – nicht nur sportlichen – Aktivitäten uns gesellschaftlich verbleiben, ohne Registrierung, Mund-Nasen-Schutz und Abstand zueinander. Mit dieser Erkenntnis wuchs aber auch über die virtuellen Treffen in den folgenden Wochen die Kreativität beim Umgang mit der Frage: „Wie werden wir trotz allem unserem Auftrag gerecht?“

Ja, sowohl der organisierte Wettkampf- als auch der Breitensport in Deutschland sind mehr als eine reine Freizeitbeschäftigung. Es ist der ganz klare Auftrag des DOSB und anderer offizieller Stellen an die Verbände und Vereine, Menschen in Bewegung zu halten. Dafür Sorge zu tragen, dass wir uns in unserer Freizeit begegnen und begeistert miteinander den Schläger schwingen, den Ball treten, schwimmen, springen, tanzen – oder halt Kugeln werfen. Dieser Auftrag ist den Verantwortlichen so wichtig, dass er Jahr für Jahr mit Millionen Euro an Subventionen gefördert wird.

Insbesondere der Boule- und Pétanque-Sport hat das größte Potenzial, ein Menschenleben lang für Bewegung, Begegnung, Be- und Entgeisterung zu sorgen. Letzteres vor allem deshalb, weil Flachschüsse weiterhin legitim bleiben! Und insbesondere in Zeiten einer Krise, wie wir sie aktuell durchleben, in der es vor allen Dingen darauf ankommt, Abstand zu halten, ist das Spiel mit den Kugeln die erste Wahl. Wie kaum ein anderer Sport macht es spannende Begegnungen an der frischen Luft unter Einhaltung der notwendigen Hygiene-Vorschriften möglich.

Breiten- und Spitzensport führt es nach Fürth

Der Begriff „Fête de la Pétanque“ mag etwas missverständlich sein. „Fête“, das klingt mehr nach fröhlicher Party als nach angemessenem Abstand zueinander. Aber selbstverständlich gibt es zur Fête de la Petanque, die nach einem mehrheitlichen Beschluss der DPV-Landesverbände vom 12. bis 20. September 2020 im schönen Fürth stattfinden soll, ein maßgeschneidertes, stringentes Hygienekonzept. Selbiges wurde mit Unterstützung der Hygiene-Beauftragten des DBBPV, Dr. Miriam Zago, erarbeitet – und seine Einhaltung wird die Regel Nr. 1 dieser Tage sein. „Fröhlich“ soll es natürlich trotzdem werden!

Die neun Tage auf dem großzügigen Gelände des TV Fürth 1860 am Europakanal werden sich in zwei Themen-Bereiche teilen. Die Wochenenden widmen sich dem Spitzensport. Hier werden die DPV-Landesverbände gemeinsam mit dem Präsidium ihrem Auftrag gerecht, Pétanque-Wettkampfsport in Deutschland durchzuführen. Mit der Bezeichnung „Deutschland-Cup“, den es in dieser Form nie gab, und der hoffentlich auch eine isolierte Ausnahme bleibt, will man den besonderen Umständen gerecht werden, unter denen die Begegnungen stattfinden. Trotzdem freuen sich alle auf spannende Partien der Besten der Besten aus den einzelnen Landesverbänden. Eine engmaschige und unterhaltsame Berichterstattung ist an dieser Stelle schon zugesichert!

Newsletter des DPV-Präsidenten an die Landesverbände zu den Hygiene-Leitplanken im Wettkampfsport.

Die Tage zwischen den beiden Deutschland-Cups widmen sich deutlich überwiegend dem Breitensport – und hier insbesondere der Frage, wie es den Aktiven unter dem Dach des DPV gelingt, noch mehr Menschen für den Kugel-Sport zu begeistern. In Workshops und Seminaren (ein Klick auf das Programmheft öffnet die entsprechende PDF-Datei) werden sowohl bewährte Formate präsentiert und beschrieben, als auch neue Ideen zur Ausbreitung des Boule-Spiels in Deutschland entwickelt. Insofern richten sich diese Treffen weniger an Menschen, die die Kugeln für sich entdecken sollen, als vielmehr an diejenigen, die mehr darüber erfahren möchten, auf welchen Wegen sie diese Menschen für ihr Lieblings-Spiel begeistern. „Train the Trainer“ würde man solche Info-Veranstaltungen wahrscheinlich auf Neu-Deutsch nennen.

Das acht Seiten umfassende Programm zum Thema Breitensport während der Fete de la Petanque in Fürth.
Beispiel einer Einzelausschreibung zu den Workshops und Seminaren.

Einen besonderen Raum bekommt hier das neue Boule-Sportabzeichen, das nunmehr vom DOSB anerkannt ist, sowie die Ausbildung zum/zur „C-Trainer*in Breitensport“, für die gleiches gilt. Nähere Einzelheiten hierzu finden sich ebenfalls im Programmheft.

Insbesondere mit Blick auf die Breitensport-Aktivitäten ist es den Veranstaltern natürlich ein Anliegen, dass möglichst aus allen Landesverbänden jeweils Vertreter*innen (auch ohne Funktion in den jeweiligen Vorständen) an dem einen oder anderen Tag zusätzliche Kompetenzen gewinnen. Die Landesverbände sind wiederum gebeten, entsprechende Einladungen auf ihren Internet-Seiten zu veröffentlichen.

Die hoffentlich bald heiß begehrte Urkunde zum BSA
Der Flyer, mit dem Vereine für die Prüfungen zum Boule-Sportabzeichen auf ihrem Gelände werben können.

Warum Fürth, warum nicht an einem „zentraleren“ Ort in Deutschland?

Ein Blick auf die Luftaufnahme der besonders großzügigen Sportanlage in Süddeutschland reicht eigentlich schon zur Beantwortung dieser Frage. Hinzu kommt die Bereitschaft des Vereins, den erheblichen Aufwand, den eine ganze Woche „Pétanque nach Hygiene-Vorschriften“ bedeutet, mitzutragen. Darüber hinaus bieten sich in und um Fürth herum reichlich kleinere Pensionen und Hotels, die die erwarteten Gruppen zum Event, jenseits der Aktivitäten, zu verkleinern helfen. Direkt vor Ort gibt es außerdem die Möglichkeit, Wohnmobile und Zelte aufzustellen und zu nutzen. Nicht zuletzt war aber auch die Schlange der Vereine, die all diese Parameter erfüllen und Bereitschaft zur Ausrichtung signalisiert haben, extrem kurz. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank an den TV Fürth 1860 e.V.

Es steht nicht nur zu befürchten, sondern es wird recht sicher so sein, dass uns die Einschränkungen der Corona-Pandemie mindestens bis in die Saison 2021 begleiten werden. Insofern ist die Fête de la Pétanque in Fürth auch ein Herantasten an eine „neue Normalität“, die uns bei der Ausübung unseres geliebten Sports zukünftig erwartet. Sehr sicher werden dort auch Erfahrungen gesammelt, die es bei weiteren Wettbewerben zu berücksichtigen gilt. Dieser Charakter einer Generalprobe wird auch genutzt, um im Rahmen dieser Tage Treffen der wichtigsten Gremien zu DPV-Veranstaltungen abzuhalten. Sowohl die DPV-Schiedsrichter, als auch das DPV-DM-Team und der DPV-Kommunikationsausschuss werden in Fürth am Rande der Veranstaltungen tagen.

Nun gilt aber der Blick nach vorn: „Bewegen, begegnen, begeistern“ – das ist das Motto für den Breitensport im DPV, das aber auch im Leistungssport ganz vorne stehen sollte. Alle Mitarbeiter und Ehrenamtlichen im DPV freuen sich nun auf neun wunderbare Tage in Fürth, mit spannenden Partien, unterhaltsamen und anregenden Seminaren – und im Ergebnis frischem Rückenwind zur Begeisterung vieler weiterer Menschen für das Boule-Spiel und den Pétanque-Sport in Deutschland.

Und um auf die Überschrift dieses Beitrags zurückzukommen: natürlich geben sich Spitze und Breite nicht die Hand, sondern begegnen sich mit Abstand am sichersten.